Von Wein-fälschung und Weinwahrheiten

 

von Maria Pussig

Wie kann es eigentlich sein, dass schon mehrfach kulinarische Beiträge ihren Weg in diesen Blog gefunden haben, aber noch kein einziges Wort über eines der bekanntesten Getränke Portos verloren wurde? Das schreit nach Nachholbedarf!

Portugal ist neben anderen Ländern wie Italien und Frankreich mit Sicherheit eines der wichtigsten europäischen Weinländer. Von Norden bis Süden, vom Douro bis nach Alentejo hat jede Region ihre eigenen Spezialitäten in diesem Bereich zu bieten. Doch zu den bekanntesten und beliebtesten Weinen des Landes gehört jener aus der Region rund um Porto, dem die Stadt auch seinen Namen verliehen hat: der Portwein. Dabei bietet die Geschichte dieses Weines mindestens ebenso viel Unterhaltungswert wie sein (moderater!) Konsum in guter Gesellschaft.

In vino veritas?

Im Wein liegt die Wahrheit, behauptet dieses lateinische Sprichwort, aber nicht so beim Portwein. Denn dieser ist eigentlich das schmackhafte Ergebnis einer Weinfälschung. Doch bevor dieser kuriosen Ursprungsgeschichte auf den Grund gegangen werden kann, sollten vielleicht zuerst die geografischen Ursprünge des edlen Tropfens betrachtet werden.

Für die Herstellung von Portwein sind ausschließlich Trauben aus der Region Douro zugelassen, die etwa 100 km entfernt von Porto liegt. Dort schlängelt sich der gleichnamige Fluss gemächlich durch die pittoreske Landschaft fruchtbarer Weinberge und sorgt so in Kombination mit den sanften Hügeln für ein der Region eigenes Mikroklima. Vor den übermäßigen Regengüssen des Atlantiks geschützt und mit warmen Sommern gesegnet, eignen sich die Douro-Gebiete Régua und Pinhão daher besonders für den Weinbau und gehören in der Gegenwart zu den produktivsten Gebieten. (Erste Hinweise für die Kultivierung von Wein in diesen Landstrichen gehen übrigens etwa 3000 Jahre zurück.) Verarbeitet und gelagert wird der Wein vorwiegend in den Kellereien von Vila Nova de Gaia, einem Vorort Portos. Doch warum verlieh dann eigentlich die Stadt Porto diesem kostbaren Rebensaft seinen Namen? Diese Frage führt wieder zurück zur Entstehungsgeschichte des Portweins und der ominösen Weinfälschung.

Die erste urkundliche Erwähnung des Portweins stammt aus dem Jahr 1675 und damals hatte dieser bereits einen hohen Grad an internationaler Beliebtheit erreicht. Damit es ein Wein jedoch überhaupt erst zu internationaler Bekanntheit schaffen konnte, musste er auch international verschifft werden und dies geschah im Fall des Portweins ausgehend vom Hafen Portos. Daher der Name. Doch die weiten Transportwege und langen Lagerzeiten auf dem Schiff brachten nicht wenige Probleme mit sich.

Douro-Tal: Weinberge und Olivenbäume in der Nähe von Pinhao, Portugal; © ah_fotobox

 

Die Weinproduktion verlief vor rund 350 Jahren noch wesentlich naturbelassener, es gab keine synthetischen Zusätze im heutigen Sinne, die den Wein lange lagerfähig gemacht hätten, sodass es durchaus vorkam, dass bei der Ankunft ein Fass Essig anstatt des Weins geliefert wurde.

Man hatte sich für den Portwein daher einen besonderen Trick einfallen lassen. Um den Prozess zu stoppen, welcher den Wein in Essig umwandeln würde, wird die Gärung beim Portwein bereits nach drei Tagen durch die Zugabe von Weinbrand mit einem Alkoholgehalt von etwa 77 % gestoppt. Durch diesen – streng genommen als Weinfälschung zu bezeichnenden – Vorgang verfügt der Wein über einen deutlich höheren Alkoholgehalt von 20 % und schmeckt wesentlich süßer als normale Weine, da der Zucker erhalten bleibt und nicht durch die Gärung aufgebraucht wird. So erhält der Portwein sein charakteristisches Aroma und seine likörartige Konsistenz, wobei die vielen unterschiedlichen Variationen, die es heute gibt, natürlich auch ihre individuellen Geschmacksnoten mitbringen. Grob lassen sich diese in vier Hauptkategorien einteilen: Weißer Portwein, Ruby, Tawny und neuerdings auch Rosé-Portwein.

Portwein auf Abwegen

Für die Geschichte des Portweins ist seit dem 17. Jahrhundert besonders die Beziehung zwischen Großbritannien und Portugal von großer Bedeutung, wobei dies in zweierlei Hinsicht zu verstehen ist. Einerseits provozierte Großbritannien mit der Aussage, der Portwein sei von seinen Seefahrern erfunden worden, als diese dem Douro-Wein zur Haltbarmachung Brandy hinzugefügt hätten. Für die Erfindung durch die Portugiesen spricht jedoch die Tatsache, dass diese Praxis bereits zur Zeit der Entdeckungsreisen auf den Schiffen gang und gäbe war.

ortwein reift in Fässern im Keller; © mlehmann

Für die Verbreitung auf dem internationalen Markt hatte das Vereinigte Königreich jedoch sehr wohl eine tragende Rolle für den Portwein gespielt. Im Zentrum steht diesbezüglich der 1703 zwischen Portugal und Großbritannien unterzeichnete Methuen-Vertrag, welcher den Handel von Stoff und Wein reglementierte. Unter anderem wurde damit festgelegt, dass die Engländer Vorzugsrechte beim Kauf portugiesischer Weine hätten und die Portugiesen britische Stoffe zollfrei einführen dürften.

Dieser Vertrag führte zu einer Intensivierung des Portweinanbaus in der Douro-Region und hatte außerdem zur Folge, dass viele Namen jener Familien, die den Wein exportierten, zu Markennamen für Portwein wurden, die sich bis heute halten.

Aber auch in anderen Ländern wie den Niederlanden, Deutschland oder Frankreich war und ist man von diesem alkoholischen Getränk sehr angetan.

Zwischen den Kulturhauptstädten Porto und Guimarães liegt der familiär geführte Bio-Hof Quinta do Pinheiro, der mit einem hauseigenem Museum im ehemaligen romanischen Wachturm und seiner direkter Lage an antiken Römerstraßen zu einer Zeitreise einlädt.

Quinta do Pinheiro – wo Geschichte nachhaltig wirkt!

Lagerung, Degustation und Feierlichkeiten

Selbst die Amerikaner konnten ihre Finger nicht davon lassen und so hat das Center for Wine Origins in den Vereinigten Staaten 2012 den Internationalen Tag des Portweins ins Leben gerufen. Seither würdigt man den edlen Tropfen Portugals jährlich am 27. Januar. Und auch wenn sich immer ein Anlass finden lässt, um ein gutes Glas Portwein zu genießen, lädt dieser Tag doch ganz besonders dazu ein, sich einmal seiner bewussten Verkostung zu widmen.

Denn Portwein verlangt aufgrund seiner besonderen Eigenschaften nach ganz eigenen Lagerungs- und Degustationsbedingungen: Er sollte lichtgeschützt, trocken und kühl, aber nicht kalt aufbewahrt werden. Eine Ausnahme bilden die moderneren Varianten des weißen und Rosé-Portweins, die nach kühleren Temperaturen verlangen. Die ideale Serviertemperatur variiert ebenfalls je nach Art des Weins: Rosé sollte man bei etwa 4 °C konsumieren, weißen zwischen 6 und 10 °C. Ruby und Tawny hingegen sollten deutlich wärmer serviert werden. Ersterer ist zwischen 12 und 16 °C am bekömmlichsten, Letzterer sollte zwischen 10 und 14 °C Serviertemperatur haben.

Weißer und Rosé-Portwein bieten sich vor allem als Aperitif in Begleitung von gerösteten Mandeln, geräuchertem Lachs, getrockneten Pflaumen oder Datteln an. Auch leichte Speisen wie Salate oder Fischgerichte werden gerne in Kombination mit einem Glas hellen Portweins angeboten. Und wer in Portos hippen Bars nach etwas Neuem sucht, wird auch Gefallen an „Port and Tonic“ oder anderen modernen Cocktailvariationen finden, die immer häufiger Portwein zu ihren Zutaten zählen.

Vielfalt an Portweinen und Ziegen- und Schafskäse, hergestellt im Douro-Tal, © foto-pixel.web.de

    Wer den klassischen Ruby oder Tawny bevorzugt, dem steht ebenso eine große Menge begleitender Speisen zur Auswahl: Ruby passt hervorragend zu Käsekuchen oder Weichkäsesorten mittlerer Intensität. Tawny hingegen ergänzt sich mit kräftigen Käsesorten besser. Aber auch die zahlreichen Süßspeisen der klassischen portugiesischen Küche werden gerne mit einem Glas dieses Weines serviert. Ob Mandeltorte, Milchcreme oder die traditionellen Klostersüßigkeiten Portugals, ein guter Portwein eignet sich stets, um aus einer bodenständigen Nachspeise den krönenden Abschluss eines Festmahls zu machen.

    Doch wie auch immer Sie Ihren Portwein gerne trinken, am wichtigsten ist die gute Gesellschaft, in der man es tut. Ob zu Hause, in der Bar oder im originalen Portweinkeller – mit den richtigen Menschen findet sich für jeden Geschmack ein passender Wein.

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