Schloss Charlottenburg

 

von Christian Schaller

Schloss Charlotten-burg

von Christian Schaller

Berlin ist vor allem als eine Stadt der Moderne bekannt. Doch auch die avantgardistische Hauptstadt Deutschlands verfügt – neben vielen anderen Prachtbauten – mit dem wunderschönen Schloss Charlottenburg über eine architektonische Perle aus der schillernden Epoche des Barock, die sich nicht hinter dem nahen „preußischen Versailles“, Schloss Sanssouci in Potsdam, zu verstecken braucht.

Die Planung für Schloss Charlottenburg begann um 1700. Wenige Jahre zuvor hatte Sophie Charlotte von Hannover von ihrem Mann Friedrich das Dorf Lützow außerhalb von Berlin erhalten. Friedrich stammte aus dem Haus Hohenzollern und war ab 1688 Kurfürst von Brandenburg und souveräner Herzog von Preußen. Ab 1701 erhob er sich zu Friedrich I., dem ersten König in Preußen. Mit Sophie Charlotte sollte er den berühmten Friedrich Wilhelm, den preußischen „Soldatenkönig“ zeugen.

Die selbstbewusste Sophie Charlotte wartete nicht lange: Bereits 1695 ließ sie den Bau einer Sommerresidenz planen, die 1699 fertiggestellt wurde. Das kleine Schlösschen wurde zunächst als Sophie Charlottes Musenhof bezeichnet. Nach der Erhebung ihres Gemahls zum König mussten standesgemäße Erweiterungsbauten an diesem Prestigeprojekt erfolgen. Ab 1701 wurde der Kernbau verbreitert und verlängert. Bereits 1705 starb Sophie Charlotte mit gerade einmal 36 Jahren, weswegen das Schloss und das Dorf rundherum vom trauernden König in Charlottenburg umbenannt wurde.

Der Architekt Eosander von Göthe, der bereits die vorangehenden Umbauten vorgenommen hatte, wurde vom König auch weiterhin beschäftigt. Von 1709 bis 1712 wurde das Schloss abermals umgebaut und die bis heute charakteristische Kuppel wurde errichtet. Im Westen wurde eine Große Orangerie gebaut.

Foto privat

Doch als ab 1713 Friedrich Wilhelm König wurde, verfiel das Schloss geradezu in einen Dornröschenschlaf. Der Soldatenkönig war wenig kulturinteressiert, nutzte Charlottenburg aber durchaus immer wieder für repräsentative Zwecke und ließ es instandhalten. Friedrich Wilhelms Nachfolger, ein weiterer Friedrich, auch besser bekannt als „Alter Fritz“ oder Friedrich der Große, erwählte das Schloss seiner Großmutter dann sofort nach seiner Thronbesteigung 1740 zu seiner Residenz.

Schon bald wandte er sich aber lieber seiner neuen Dauerresidenz, dem Stadtschloss in Potsdam, zu. Dieses ließ er ab 1744 zunehmend ausbauen. Drei Jahre später begann schließlich auch der Bau des Schlosses Sanssouci.

Obwohl sich die Bautätigkeit sehr auf Potsdam konzentrierte, war der Berliner Vorort nicht vergessen: Charlottenburg erhielt in dieser Zeit immerhin den sogenannten Neuen Flügel, die Kleine Orangerie sowie ein Theater. Es wurde weiterhin für Feiern und Feste genutzt. Bis 1888 fungierte der Prachtbau, in dem sich Barock, Rokoko und Klassizismus vereinen, dann als eine Sommerresidenz der preußischen Könige. Bis heute stellt der ausladende Schlossgarten auch ein wichtiges, grünes Naherholungsgebiet für den Stadtteil dar. Dort befindet sich auch das Mausoleum mit dem Grabmal der jung verstorbenen Königin Luise (1776-1810).

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Charlottenburg schwer beschädigt und erst in den 1950er Jahren vollständig rekonstruiert. Seit 1960 wird es museal genutzt.

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Literatur

 

  • Dorgerloh, Hartmut / Scherf, Michael: Preußische Residenzen. Königliche Schlösser und Gärten in Berlin und Brandenburg. Berlin 2005.
  • Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Schloss Charlottenburg. Amtlicher Führer. Potsdam 2002.

 

 

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