Place de la Bastille

 

 

 

von Christian Schaller

Place de la Bastille

 

 

 

von Christian Schaller

Vom symbolischen Ort der Französischen Revolution zum modernen Verkehrsknoten

 

Die Erstürmung der Bastille gilt bis heute als epochemachender Auftakt der Französischen Revolution. Am Ort dieser alten Festung, heute im Osten der Pariser Innenstadt, verlief ursprünglich die Stadtmauer. Die eigentliche Bastille, zu Deutsch etwa „kleine Bastion“, war damit eigentlich eine Stadttorburg, die über die Jahrhunderte als Verteidigungsanlage, aber auch als Gefängnis genutzt wurde. Beim Sturm auf die Bastille, der am 14. Juli 1789 erfolgte, galt die Anlage als ein verdammenswertes Symbol der alten, absolutistischen Regierungsform, die man beenden wollte. Doch wie erging es diesem bedeutsamen Ort der europäischen Geschichte nach diesem revolutionären Akt?

 

Nur einen Monat nach dem Sturm begann man schon mit dem Abriss der alten Festung, wobei Teile des Schutts für den Bau der neuen Seinebrücke Pont Louis XVI verwendet wurden. Per Gesetz wurde festgelegt, dass auf dem Areal nun ein Platz entstehen sollte. Diese Pläne wurden zunächst jedoch nicht wirklich umgesetzt. Am ersten Jahrestag der Erstürmung der Bastille, am 14. Juli 1790, wurde in den Ruinen ein Tanzfest abgehalten – der erste Ball zum 14. Juli, der zu einer Tradition wurde. Bis heute ist dieser Tag der Nationalfeiertag Frankreichs. Der bald danach freigeräumte Platz wurde Place Antoine getauft. Er galt als ein Platz der Freiheit, den man entsprechend gestalten wollte. Doch die angebliche Freiheit nahm einen ganz besonderen Weg: Im Juni 1794 war das Areal der Aufstellungsort einer Guillotine, durch die 75 Menschen zu Tode kamen, ehe das Gerät nach wenigen Tagen wieder verlegt wurde.

 

Wenige Jahre später, im napoleonischen Kaiserreich, sollte im Zuge der repräsentativen Neugestaltung von Paris an Stelle der ehemaligen Bastille ein monumentaler Elefant aus Bronze errichtet werden. Napoleon selbst projektierte diese repräsentative Statue, die aus den erbeuteten Kanonen Russland gegossen werden sollte. Doch zwanzig Jahre später, um 1833 und damit schon lange nach Napoleons Verbannung und Tod, kam lediglich ein lebensgroßes Gipsmodell zur Ausführung. Parallel dazu hatte sich der politische Wind in Frankreich erneut gewendet, wie so häufig im 19. Jahrhundert: Der neue König der Franzosen war Lous-Philippe I., entfernt verwandt mit dem eigentlich gestürzten Königshaus der Bourbonen. Er entschied die Ausführung der sogenannten Julisäule, die bereits seit 1792 geplant war, nun aber – politisch umgedeutet – endlich auch entstand. Bis heute steht die über 50 Meter hohe Kupfersäule stolz auf der Place de la Bastille, gekrönt von einer goldenen, fast sechs Meter hohen Statue, dem „Geist der Freiheit“. Das Monument war nun der Julirevolution des Jahres 1830 gewidmet, in deren dreitägigem Verlauf viele Menschen zu Tode kamen und als deren Folge der neue „Bürgerkönig“ Louis-Philippe gekrönt wurde. Der Auftrag erging 1833, die Einweihung erfolgte 1840. Die Säule wurde auf dem alten Sockel errichtet, auf dem die ursprünglich geplante Elefantenskulptur Platz gefunden hätte. In einem Gewölbe unter der Julisäule befinden sich translozierte Gräber der Gefallenen, die bis heute öffentlich zugänglich sind.

Wenige Jahre später entstanden direkt am Platz die berühmten Arènes nationales, einer Art Veranstaltungsort unter freiem Himmel, an dem feierliche Umzüge, aber auch zahlreiche Unterhaltungsangebote abgehalten wurden. Diese Arena bestand jedoch nur von 1851 bis 1854. Ein weiteres Gebäude, das heute nicht mehr existiert, aber die Bedeutung des Ortes als Pariser Verkehrsknoten ganz entscheidend befeuerte, war der Bahnhof La Bastille, der 1859 erbaut wurde und bis 1969 bestand. Nach dem Abriss der Bahnhofshalle entstand bis 1989 die weltberühmte Opéra Bastille, die damit die traditionelle Oper im Palais Garnier entlasten sollte.

Heute präsentiert sich die Place de la Bastille als über 200 Meter lange und 150 Meter breite Platzanlage, in die zahlreiche Straßen münden, die den Ort zu einem wichtigen Knotenpunkt im Pariser Osten machen. Trotz des vielen Verkehrs bietet der Ort einiges an Stadtgrün und auch Stadtblau: Zahlreiche Bäume umstehen den Platz und wendet man den Blick nach Süden, so sieht man kleine Yachten, die auf blauem Wasser umherschaukeln. Das gesamte Areal fußt nämlich auf dem unterirdisch geführten Canal Saint-Martin, der ein kurzes Stück weiter südlich in die Seine mündet.

 

Literatur

Droste-Hennings, Julia: Paris. Eine Stadt und ihr Mythos. Köln 2003, S. 338.

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