Museen in Köln

von Berno Maria Hübinger

Faszination Museum

Ein Wandschild weist auf das Käthe-Kollwitz-Museum in der Neumarktpassage hin.

Ich betrete die Passage und gehe geradeaus auf ein Wasserspiel zu, das in einer Kaskade von der Decke herab fließt. Zuvor, in der Mitte der Passage, wartet ein gläserner Aufzug, der mich in den obersten Stock bringt. Ich betrete das Museum und stehe oberhalb von Sitzreihen. Wie in einem Hörsaal führen die Stufen in die Tiefe.

Es ist still, nur die innere Stimme bereitet mich auf eine Welt des Leidens vor. Der Rundgang im Uhrzeigersinn verläuft zur Mitte hin entlang der Wände, nach außen hin sind mit Stellwänden abgetrennte Nischen. Bilderzyklen sind Themen gewidmet wie »Tod«, »Arbeiterfrauen«, »Bauernkrieg«, »Proletariat«, »Weberaufstand«. Die innere Wand zeigt Selbstbildnisse der Künstlerin. Eine Bronzeplastik zeigt »Mutter mit zwei Kindern«. Die Decke ist flach und verstärkt das Bedrückende. Die Bilder hängen in Augenhöhe nebeneinander, mit einem Schritt zur Seite wird jede Geschichte weiter erzählt.

Es ist die Geschichte der Käthe Kollwitz. 1867 in Königsberg geboren, fällt schon mit 14 Jahren ihr zeichnerisches Talent auf. Nach Studienjahren in Berlin und München besucht sie 1893 die Uraufführung von Gerhart Hauptmanns »Die Weber«. Sie ist ergriffen von der Wirkung des Stücks, das soziale Missstände authentisch und schonungslos anprangert, und sie entschließt sich, die Ohnmacht der Weber graphisch darzustellen.

Ihr »Weberzyklus« wirkt 1898 wie ein Fanal für ihr weiteres Schaffen. Als der »Weberzyklus« auf der Großen Berliner Kunstausstellung gezeigt wird, will Max Liebermann sie mit einer kleinen Goldenen Medaille auszeichnen, aber Wilhelm II. verwehrt ihr die Ehrung, weil er die Medaille nicht durch eine Frau entehren möchte.

 

Hingegen erkennen Kunstkritiker angesichts ihrer sieben Radierungen zu den Bauernkriegen die aufrichtige Wahrheit der Darstellungen an, die Tiefe ihrer Empfindungen. Als freie Mitarbeiterin im »Simplicissimus« thematisiert sie das Elend der Arbeiterfrauen an der Seite trinksüchtiger, arbeitsloser Männer, die Sorge um die Kinder, die Not, sich zu prostituieren, die ungewollte Schwangerschaft. Für die Heimarbeitsausstellung 1906 wirbt ein Plakat mit dem verhärmten Gesicht einer Arbeiterin, für Kaiserin Augusta ein Grund, die Ausstellung nicht zu besuchen. Käthe Kollwitz zeichnet aus der Sicht der Frau, für die Monarchie unerträglich.

1914 erlebt Käthe Kollwitz den schlimmsten Albtraum. Ihr jüngerer Sohn Peter, gerade einmal 18 Jahre alt, fällt im Krieg. Das Thema Tod, das sie bereits 1903 in »Frau mit totem Sohn« dämonisiert hat, erreicht die Künstlerin selbst. 1922 klagt sie in einer Folge von Holzschnitten den Krieg an, aus der Sicht der Hinterbliebenen, der Eltern, der Witwen, der Mütter. Die Technik des Holzschnitts hat sie bei Ernst Barlach gesehen und ist begeistert. 1924 widmet sie sich endlich ihrem Sehnsuchtsprojekt, der Schaffung eines Denkmals für ihren Sohn Peter. Die frühere Idee von drei Skulpturen, Peter und die Eltern, hat sie verworfen. Es verbleiben in ihrem neuen Entwurf »Die trauernden Eltern«.

Nach jahrelanger Arbeit stellt sie die beiden Figuren aus belgischem Granit fertig, beide kniend, die Mutter gebeugt im Schmerz, der Vater aufrecht, seine Augen in Trauer verschlossen. 1932 werden »Die trauernden Eltern« auf dem Soldatenfriedhof in Roggenvelde in Belgien aufgestellt. Der nächste Krieg erscheint bereits am Horizont.

Das Käthe-Kollwitz-Museum eröffnet 1989. Der Mauerfall führt unterschiedliche Betrachtungsweisen von Kunst zusammen. Käthe Kollwitz, die im Januar 1919 den toten Karl Liebknecht im Leichenschauhaus gezeichnet und in einem Holzschnitt unter dem Titel »Die Lebenden den Toten« gewürdigt hatte, ist in der DDR als Repräsentantin eines sozialistischen Realismus anerkannt. Ihre Themen ringen um die Nöte der Arbeiterklasse, und mit ihrem Schaffen unterstützt sie den politischen Kampf des Staates. In der Bundesrepublik werden in Verdrängung von Schuldgefühlen ihre Menschlichkeit und ihre mütterliche Hingabe hervorgehoben.

 

Käthe Kollwitz: Trauernde Eltern, © pixabay

Die Kopie der »Trauernden Eltern«, die 1959 in den Ruinen von St. Alban aufgestellt wird, ist für den anwesenden Bundespräsidenten Theodor Heuss ein Denkmal für alle Kriegsopfer. Beide Betrachtungen kommen nach der Wende zusammen, vereint 1993 in Käthe Kollwitz´ Skulptur »Mutter mit totem Sohn« in der Neuen Wache in Berlin – ein Mahnmal gegen Krieg und Gewaltherrschaft.

 

In der Antike ist das »Museion« der Griechen ein heiliger Tempel, in dem die Musen sich ausdrücken, tänzerisch und gesanglich, komödiantisch und traurig. In Alexandria ist das »Museion« ein Studienort der Gelehrten mit einer angeschlossenen umfangreichen Bibliothek, und Kaiserin Elisabeth setzt auf Korfu vor ihr Achilleion die Figuren der neun Musen, Töchter des Zeus und der Mnemosyne. Das Leben der »Sissi« ist längst Geschichte, aber der Palast auf Korfu entführt die Menschen immer noch in die Vergangenheit der kaiserlichen Hoheit. Das Gebäude ist offen und zugänglich, es ist ein Museum.

Museen sind Orte, um sich zu erinnern, Orte zum Studieren, Orte des Genießens. So wie sich Kaiserin Elisabeth in ihrer Hingabe für Korfu und ihrer Bewunderung für den starken Achilleus einen Musentempel geschaffen hat …

… so führt auch die Sammelleidenschaft des Botanikers, Theologen und Universitätsrektors Ferdinand Franz Wallraf zu einem Museum in Köln.

Schon vor dem Einzug der Franzosen in Köln ist Wallraf ein leidenschaftlicher Sammler von Gemälden. Er liebt heimische Maler wie die Kölner Malerschule, Bartholomäus Bruyn den Älteren, Rubens, Cranach, Dürer und verschuldet sich hoch beim Kauf von Meistern wie van Dyck, Caravaggio und Tintoretto. Während der Besatzungszeit sammelt er alle Kunstwerke aus Kirchen und Klöstern, um sie vor Plünderung zu bewahren. All das – Altäre, Büsten, Medaillen, Urkunden – stopft er in seine privaten Räume in der Domprobstei und stapelt die Gemälde übereinander. Auch Ritterrüstungen sieht man auf der Zeichnung »Ferdinand Franz Wallraf inmitten seiner Sammlung«, die Nikolas B. Salm 1820 anfertigt.

Bei Wallrafs Tod 1824 bekommt die Stadt laut Testament seine Sammlung, mit der Maßgabe, sie zu Lehrzwecken einzusetzen, denn für die aufklärerische Gesinnung Wallrafs ist Kunst ein Bildungsmaterial. Die Stadt fühlt sich dem Auftrag verpflichtet und bringt die Sammlung in den Kölner Hof in die Trankgasse, nun als »Wallrafianum« den Interessierten zugänglich. Als dann der Kaufmann Johann Heinrich Richartz 100.000 Taler für einen Neubau stiftet, ist der Weg für Kölns erstes städtisches Museum bereitet. 1861 eröffnet das Wallraf-Richartz-Museum in neogotischem Stil auf dem verwaisten Klostergelände der Minoriten in einem Gebäude, das den Grundriss des historischen Kreuzgangs nachbildet.

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Ein Jahr früher, 1860, eröffnet das Diözesanmuseum in kirchlicher Trägerschaft.

 Der christliche Kunstverein für das Erzbistum Köln stellt in Domnähe im ehemaligen Erzbischöflichen Offizialat eine Fülle von Kunstschätzen aus Kirchen und Klöstern, die während der Besatzungszeit der Franzosen von Plünderung verschont geblieben waren, zur andächtigen Betrachtung aus. Spektakulär ist der Neubau des Museums durch den Schweizer Architekten Peter Zumthor im Jahr 2007.

Das Museum ist jetzt im Besitz des Erzbischofs und heißt Kolumba, benannt nach der ehemals bedeutenden Pfarrkirche St.Kolumba. Zumthors Bau umschließt die Kriegsruine der ehemaligen fünfschiffigen romanischen Kirche ebenso wie die Kapelle, die Gottfried Böhm nach dem Krieg um eine unversehrte Madonna aus dem 15. Jahrhundert herum errichtet hat. Mit einem eigens für diesen Bau entwickelten grau gefärbten Ziegelstein erinnert Zumthor daran, dass seit der Römerzeit hier mit Ziegelsteinen gebaut wurde. Im Inneren des Museums erlauben bodentiefe Fenster einen Blick nach außen, in die Umgebung, auf den Dom.

In den Jahren nach 1880 nimmt das aus allen Nähten platzende Köln eine rasante Entwicklung zur Großstadt. Mit dem Abriss der mittelalterlichen Stadtmauer und den Eingemeindungen von Deutz und Ehrenfeld, Nippes und Müngersdorf und noch einigen Landgemeinden rund um Köln verzehnfacht sich das Stadtgebiet, Köln wird mit 260.000 Einwohnern zur Großstadt. Eine Neustadt wird vor die eingerissene Stadtmauer gebaut, der ehemalige Stadtgraben wird zur Prachtstraße, und neue Museen werden eingerichtet.

1888 eröffnet in der Hahnentorburg das Historische Museum.

Das Museum ist eine Reise durch die Geschichte der Stadt. Der Verbundbrief mit den Siegeln von 22 Gaffeln ist zu sehen, in dem die Kölner 1396 ihre erste Verfassung einer freien Reichsstadt niedergeschrieben haben. Es gibt ein Stadtmodell aus dem 16. Jahrhundert zu bewundern, eine Nachbildung des halbfertigen Doms, Ritterrüstungen aus der Sammlung des Ferdinand Franz Wallraf, das Ratssilber der Stadt und die Schandsäule, eine gruselige Erinnerung an den Kölner Kaufmann Nikolaus Gülich.

Der putscht 1683 mit Gleichgesinnten gegen korrupte Ratsherren und übernimmt die Stadtherrschaft. Als sich die entmachteten Ratsherren an Kaiser Leopold in Wien wenden, ignoriert Gülich die Aufforderung, sich vor dem Kaiser zu verantworten. Das kostet ihn das Leben. Sein Haus, heute der freie Platz vor Haus Neuerburg gegenüber dem Dufthaus An Farina, wird abgerissen und dort der in Erz gegossene Kopf Gülichs auf eine Säule gestellt, von einem Schwert senkrecht durchbohrt. Für die einmarschierenden Franzosen ist der »bourgeois« Gülich ein Rebell des Volkes, und sie bauen die Schandsäule ab.

So gelangt die Geschichte des Nikolaus Gülich ins Museum. 1958 zieht das Museum in das historische Zeughaus der Stadt um und heißt jetzt Kölnisches Stadtmuseum. 2021 weicht die Sammlung wegen des zunehmenden Verfalls des Gebäudes auf einen Interimsstandort aus und fiebert jetzt einem Neubau entgegen, der an der Südseite des Doms entstehen wird. Nach vielen Jahren bekommt »Das Gedächtnis der Stadt«, wie das Museum auch genannt wird, seinen angemessenen Platz im Zentrum der Stadt.

Ebenfalls 1888 eröffnet das Kunstgewerbemuseum,

zunächst provisorisch in einer stillgelegten Taubstummenschule in der Straße An der Rechtschule untergebracht. Dann stiftet der Geheime Kommerzienrat Otto Gustav Andrae der Stadt das Geld zum Bau eines repräsentativen neugotischen Baus auf dem Hansaring. Das Museum, dem London und Berlin als Vorbild dient, nimmt zunächst an die 1000 Objekte aus der Sammlung des Ferdinand Franz Wallraf auf: Krüge, bemalte Teller, Glasgemälde, Textilien, Möbelstücke, Metallarbeiten und kostbare Arbeiten aus Elfenbein, darunter ein geschnitzter Kamm aus dem 9. Jahrhundert, der dem heiligen Heribert zugeschrieben wird.

Weitere großzügige Schenkungen wie die des Matthias Joseph De Noel oder des Jakob Pallenberg im eigens nach ihm benannten Pallenberg-Saal bieten vor allem den Kunsthandwerkern einen vortrefflichen Anschauungsunterricht, wie sie Alltagsgegenstände verschönern können. Denn das zeigt das Museum in wahrer Fülle – Gegenstände und Geräte, denen ein künstlerischer Wert innewohnt, die aber darüber hinaus im Alltag eine Funktion erfüllen.

Das betrifft das kunstvolle Wohnen, Essen, sich Bekleiden, einfach alles, was dazu dient, sich im Leben schön einzurichten. 1989 zieht das Kunstgewerbemuseum in das verwaiste Wallraf-Richartz-Museum an der Minoritenkirche um und heißt jetzt Museum für angewandte Kunst (MaK). Das MaK bietet den Vergleich unterschiedlicher Designs aus Epochen wie Biedermeier, Jugendstil, Art Déco, Bauhaus oder den unvergesslichen Nierentisch eines Mid-Century-Style der Nachkriegszeit.

Noch im Jahre 1910 bekam das Kunstgewerbemuseum am Hansaring einen Anbau für die Sammlung des Domkapitulars Alexander Schnütgen. Schnütgen ist einer der Leiter des Diözesanmuseums im ausgehenden 19. Jahrhundert. Angesichts der einzigartigen Kunstschätze wie dem Herimann-Kruzifix, zurückgehend auf Erzbischof Hermann und seine Schwester Ida, Äbtissin von Maria im Kapitol, oder dem Erper Kreuz aus dem 12. Jahrhundert, das er persönlich für das Museum ankauft, verwundert es nicht, dass ihn eine eigene Sammelleidenschaft erfasst.

Er durchwühlt die Dachböden der Kirchen, verhandelt mit Kunstfreunden, bietet bei Versteigerungen und erwirbt wenig beachtete Fundstücke wie Kreuze, Madonnen, Tafelbilder, Glasmalereien und Handschriften.

1956 zieht das Schnütgenmuseum in das ehemalige Damenstift St. Caecilien.

Die mittelalterliche Kunstsammlung findet in der romanischen Kirche eine würdige Umgebung.

Im Schnütgemuseum, © LVR-ZMB, D. Schmitz

Bedeutende europäische Museen entstehen, wenn private Sammlungen der Könige und Fürsten, der Kirchen und vermögenden Bürger an die Gesellschaft übergeben werden. In Paris werden 1793 die Kunstschätze der französischen Könige im ehemaligen Palais du Louvre dem Volk zugänglich gemacht. Man bewundert die Mona Lisa von da Vinci, die Sammlung von Kardinal Richelieu und die antiken Statuen. In London präsentiert das British Museum die Sammlung des Sir Hans Sloane bereits 1759, mit Unterstützung des souveränen Parlaments. In Berlin ist es Friedrich Wilhelm III., der auf einer Insel erste Museen von Karl Friedrich Schinkel bauen und von Wilhelm von Humboldt betreuen lässt. Dagegen fallen die Anfänge in Köln mit der Sammelleidenschaft eines Ferdinand Franz Wallraf und eines Alexander Schnütgen eher bescheiden aus.

Doch dann trumpft Köln auf: Der Forschungsreisende Wilhelm Joest bringt eine einzigartige Sammlung nach Köln. Er bereist zwischen 1874 und 1897, seinem Todesjahr, unter abenteuerlichen Bedingungen die ganze Welt. Von den Fidschi-Inseln bringt er Speere, Lanzen, Pfeile und Bogen mit, aus Südamerika Früchtekörbe, Hängematten, Frauenkopfschmuck, aus Togo Armringe, einen Dolch, ein Gewand.1

Das Unbekannte aus fernen Ländern zieht die Menschen in das 1906 am Ubierring eröffnete Völkerkundemuseum,

von Adele Rautenstrauch, der Schwester von Wilhelm Joest, und ihrem Mann Eugen mitfinanziert. Die Kölner, die seit 1860 im Zoo die fremde Tierwelt bestaunen, lassen sich nun auch in exotische Länderabteilungen des Museums wie Ozeanien, Afrika oder Amerika entführen. Mit dem Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums am Neumarkt präsentiert sich die Sammlung nun in neuem Format, grenzen sich die einzelnen Kontinente nicht mehr voneinander ab, sondern vereinen sich in Themenkomplexen wie Kleidung und Schmuck, Tod und Glaube.

Ebenso abenteuerlich wie die Reisen des Weltenbummlers Joest sind die Reisen des Ehepaars Adolf und Frieda Fischer nach Japan und vor allem in das kaum erschlossene China, wo Adolf Fischer einige Jahre als wissenschaftlicher Sachverständiger an der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking arbeitet.

Die Sammlung des Ehepaars bildet 1913 den Grundstock für das Museum für Ostasiatische Kunst am Hansaring.

Herzenswunsch von beiden ist es, die ostasiatische Kunst ebenso wie die europäische als eine Weltkunst wahrzunehmen, die zur Verständigung der Völker untereinander anregt. Fischer sieht am Hansaring in der Nachbarschaft der dort angesiedelten Museen die wunderbare Möglichkeit, die christliche Kunst im Schnütgenmuseum mit den buddhistischen Darstellungen im ostasiatischen Museum in einen religiösen Dialog zu bringen, das kunstvolle Handwerk im Kunstgewerbemuseum mit der Kunst Ostasiens vergleichend zu betrachten.2

Weitere Stiftungen von Sammlungen nach dem Krieg führen 1973 zum Museumsneubau am Aachener Weiher. Der japanische Architekt Kunio Maekawa gliedert den Bau nach traditionellem japanischem Muster streng in Quadrate und Rechtecke, ergänzt mit Pflanzen und Wasserelementen im Außenbereich, die in Japan fester Bestandteil der Architektur sind.

Kölns einzigartiger Reichtum ist das römische Erbe.

Eine erste Sammlung von römischen Kunstschätzen wird schon 1861 im neu eröffneten Wallraf-Richartz-Museum gezeigt.

Dann werden bei Ausgrabungen und den vielen Bautätigkeiten innerhalb der alten römischen Stadt, der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA), aber auch außerhalb bei den Glaswerkstätten, Gutshöfen und Friedhöfen weitere wertvolle Objekte zu Tage gefördert. Das sind Töpferwaren und Weihesteine, wertvolle Schmuckstücke, eine Säule des Jupiters. Der Bogen über dem Nordtor der Colonia mit den eingemeißelten Buchstaben CCAA wird rekonstruiert. Qualitativ hochwertig dekorierte Gläser wie ein Delphinbecher, ein Muschelpokal, Schlangenfadengläser werden gefunden. Das Prunkstück ist ein Diatretglas, so genannt wegen der Durchbohrungen, gefunden als Grabbeilage in Braunsfeld.

Der Becher zeigt rote, grüne, gelbe Färbungen, im unteren Teil sorgfältig herausgeschliffene netzartige Ringe und rund um den oberen Rand den kölschesten aller Sprüche: »Trinke, lebe schön immerdar«3. Auch Relikte aus der Kultur der germanischen Völker und deren Gottheiten werden ausgegraben, vornehmlich Weihesteine mit Abbildungen dreier Matronen. Um all diese Fundstücke angemessen präsentieren zu können, eröffnet 1974 das Römisch-Germanische Museum auf dem Roncalliplatz. Der glatte, horizontal ausgerichtete Baukörper mit seinem großen Schaufenster zum Dionysosmosaik hin bildet den beabsichtigten Kontrast zu dem emporstrebenden gotischen Dom mit seinen durchbrochenen Fassaden und den verspielten Fialen.

Das Wallraf-Richartz-Museum bekommt nach dem Krieg zusätzlich zu seiner mittelalterlichen Gemäldesammlung eine moderne Bildersammlung. Stifter ist Josef Haubrich, der der Stadt seine private Sammlung von Expressionisten schenkt. Josef Haubrich studiert Rechtswissenschaften und ist spätestens seit der Sonderbundausstellung, die 1912 in Köln stattfindet, von der neuen Kunst eines Picasso, Edvard Munch, Paul Gauguin oder August Macke begeistert.

Der provozierende Malstil wird von den Nationalsozialisten als entartet diffamiert, doch mit Geschick rettet Haubrich seine Sammlung vor der Beschlagnahmung. Nun besitzt Köln Bilder von Max Liebermann und Otto Dix, Max Ernst und Emil Nolde, Lovis Corinth und Ernst-Ludwig Kirchner. Als Nachfolger des zerstörten neogotischen Wallraf-Richartz-Museums wird 1957 ein Neubau an gleicher Stelle eröffnet. Geblieben sind die beiden großen Sitzfiguren des Ferdinand Franz Wallraf und Heinrich Richartz, die der Bildhauer Wilhelm Albermann schafft und die seit 1900 vor dem Gebäude an die beiden Stifter erinnern.

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1969 ist das Museum Schauplatz einer Ausstellung des Ehepaars Peter und Irene Ludwig unter dem Titel »Kunst der 60er Jahre«. Die Besucher lernen die Werke »Ema« und »5 Türen« eines Gerhard Richter, die Rasterbilder eines Roy Lichtenstein, die Bierdosen eines Andy Warhol kennen und sind unterschiedlich angetan. Dennoch kennt die Begeisterung der Stadt keine Grenzen, als die Ludwigs der Stadt einen Teil der Sammlung als Dauerleihgabe anbieten. Viele Jahre lang wird es mit dem Wallraf-Richartz-Museum/ Museum Ludwig ein Doppelmuseum geben.

1986 wird das neue Museum Ludwig in majestätischer Lage oberhalb des Rheins eingeweiht und bleibt wie zuvor ein Doppelmuseum.

Das Gebäude ist eine Vision der jungen Architekten Peter Bussmann und Godfried Haberer. Ihr Wettbewerbsmodell wird 1976 zunächst abgelehnt, weil sie eigenmächtig die zulässige Gebäudehöhe überschreiten und damit gegen die Vorgaben der Ausschreibung verstoßen. Dann werden sie nach erneuter Begutachtung wieder in das Verfahren einbezogen, denn die Gutachter erkennen die Vision der beiden Architekten. Als einzige haben sie eine begehbare Gasse zwischen Museum und der zum Bahnhof hin ausgerichteten Restaurierungswerkstätte vorgesehen. So erlaubt der Weg zwischen den beiden Gebäuden hindurch einen großzügigen Blick in den tiefer liegenden Museumsraum und gibt einen unverstellten Blick auf den Dom frei.

Das Museum Ludwig ist heute ein Musentempel der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Es begeistert mit der Expressionismus-Sammlung des Josef Haubrich und den grandiosen Sammlungen der Ludwigs. Diese sind eine der größten Picasso-Sammlungen der Welt, russische Avantgardisten und die umfassendste Sammlung von Pop Art außerhalb der USA.

Die Pop Art provoziert in den 60er Jahren mit ihren Werken genau wie die Expressionisten zu ihrer Zeit. Themen wie Werbung und Konsum werden in den gepunkteten Comics von Roy Lichtenstein oder den vervielfältigten Gesichtern einer Marilyn Monroe von Andy Warhol karikiert. Edward Kienholz attackiert mit »The Portable War Memorial« aus dem Jahr 1968 den Vietnamkrieg. Claes Oldenburg ist mit skurrilen Werken aus den 60ern im Museum Ludwig vertreten und bleibt der Pop Art auch im Alter treu. Seine Eistüte »Dropped Cone« aus dem Jahre 2001 über der Einkaufsgalerie am Neumarkt symbolisiert den Konsum, der sich über alle und alles ergießt.

Und hätte der Objektkünstler HA Schult sein goldenes Flügelauto bereits in den 60ern auf das Dach des Zeughauses gestellt, er wäre ein deutscher Protagonist der Pop Art geworden. Seinen internationalen Ruf festigt das Museum Ludwig Jahr für Jahr aufs Neue mit wechselnden Sonderausstellungen zu David Hockney, der Pop-Art, Sigmar Polke, Joan Mitchell, James Rosenquist, Andy Warhol oder zum Wahlkölner Gerhard Richter anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2022.

Dem Tatendrang der Ludwigs verdankt das Wallraf-Richartz-Museum seinen neuen Standort zwischen Rathaus und Gürzenich. Denn mit der Schenkung einer weiteren umfangreichen Picasso-Sammlung verbinden die Ludwigs die Zusage der Stadt, für das Wallraf-Richarz-Museum ein neues Gebäude zu erstellen.

Den Kubus entwirft der Architekt Matthias Oswald Ungers, die Außenwand zieren klangvolle Namen berühmter Maler wie Rembrandt, van Gogh, Rubens, Cézanne sowie zweier Malerinnen, Catarina van Hemessen, einer Porträtmalerin des 16. Jahrhunderts, und der französischen Impressionistin Berthe Morisot. Im Inneren laden drei Etagen zu einer Reise durch das Mittelalter, den Barock und den Impressionismus des 19. Jahrhunderts ein. Betrachten Sie einmal das Bild »Juno und Argus« von Peter Paul Rubens und Sie werden erahnen, was es bedeutet, von der Muse geküsst zu werden.

2012 wird das Publikum mit der Retrospektive der Sonderbundausstellung aus dem Jahr 1912 in den Bann gezogen. Die Wucht des Expressionismus, vor hundert Jahren noch wegen der schrillen Farben und unnatürlichen Perspektiven von Kunstkennern verlacht, hat seinen festen Platz in der Kunstwelt erobert.

Es gibt in Köln ein Museum, bei dessen Namen Kinderaugen glänzen. Es ist das Museum des Hans Imhoff.

Hans Imhoff wächst in Köln auf und lernt schon als Kind den Schokoladenduft der Stollwerckfabrik in der Südstadt kennen und lieben. Seit 1860 stellt Franz Stollwerck im Severinsviertel Schokolade und Pralinen her. Seine Söhne vermarkten Stollwerckprodukte ab 1876 weltweit. Besonders erfolgreich sind Automaten, aus denen Schokolade gezogen werden kann, allein auf New Yorker Bahnhöfen stehen 4.000 Apparate. Hans Imhoff zieht 1945 an die Mosel und gründet dort eine Schokoladen- und Pralinenfabrik.

1972 übernimmt er in Köln die in ihrer Existenz bedrohte Stollwerckfabrik und lagert die Produktion erfolgreich nach Porz aus. Bei der Auflösung der Fabrik in der Südstadt entdeckt Imhoff viele Exponate, Automaten, Gerätschaften und Maschinen, die als Schrott weggeworfen werden sollen. Für Imhoff sind das wahre Schätze, die er in einem Museum ausstellen möchte.

Das ist die Geburtsstunde des Schokoladenmuseums.

1993 eröffnet sein Museum an der Nordspitze des Rheinauhafens. Auf dem Rundgang durch das Museum wird die Geschichte der Schokolade veranschaulicht, in einem Tropenhaus wachsen echte Kakaobäume. Das Herzstück für alle Liebhaber von Süßem ist ein drei Meter hoher Schokoladenbrunnen. Der spendet für alle, ob klein oder groß, eine Waffel, getunkt in flüssige Schokolade. Das Museumsgebäude integriert die historischen Reste des ehemaligen Zollamts in großflächigen Glaselementen. Die Komposition aus Stein und Glas wirkt wie ein futuristischer Schiffskörper, dessen Bug flussabwärts zum Rhein hin ausgerichtet ist.

Unsere Reise durch eine Landschaft von Museen, die gleichermaßen bilden und unterhalten, bedrücken und begeistern, fordern und lehren, endet da, wo sie begonnen hat: Die Antoniterkirche beherbergt das Kunstwerk »Schwebender Engel« von Ernst Barlach. Es ist der Zweitguss eines Werks, das Barlach 1927 für den Güstrower Dom geschaffen hat. 1952 gelangt der Zweitguss in die Antoniterkirche.

Mart Rovereto, © Anja Weinberger

Die bronzene Skulptur entsteht zwischen den Kriegen, wo die Zeit für Barlach still steht – sie schwebt, genau wie seine Figur. Der Engel blickt mit seinen Augen nach innen, gedenkt des Elends des Krieges und der Toten und er trägt Gesichtszüge: Es sind die Gesichtszüge der Käthe Kollwitz.

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