Der Louvre

von Dagmar Leibach

Der Louvre

von Dagmar Leibach

Geheimnisvolles Paris – heute mal ein anderer Blick auf ein bekanntes Wahrzeichen!

An welches Schloss denken Sie, wenn Ihnen Paris zugerufen wird? Versailles?

Dieses prachtvolle Barockschloss des Sonnenkönigs Louis XIV. – ein Sinnbild des Absolutismus – liegt vor den Toren der französischen Hauptstadt.

Wie wäre es mit dem Louvre? Tatsächlich ist das Museum ein Schloss!

Die ersten Fundamente waren zwar ursprünglich auch noch nicht im Stadtkern, sondern am Rand der Stadt und damit in die freie Flur gesetzt worden. Aber im Laufe von vielen Jahrhunderten ist die französische Metropole so raumgreifend angewachsen, dass sich das ehemalige Königsschloss von vielen Wohnvierteln eingefangen und schon lange im Herzen der »Stadt der Liebe« befindet.

Warum Paris diesen Beinamen trägt, soll nicht tiefer erörtert werden, aber dass ein tragisches Liebesverhältnis zwischen Pierre Abelard und seiner schönen Geliebten Héloïse bereits um 1200 hier Geschichte schrieb, darf nicht unerwähnt bleiben.

In jener Zeit schützten die Pariser Stadtmauern etwa 3000 Menschen – noch klein und beschaulich. Aber bereits um 1500 lebten in der damals größten Stadt im Westen des europäischen Kontinents 200.000 Einwohner.

Stadtplan von Paris vor 1600, © pixabay

In etwa diese Anzahl an Menschen betreten derzeit in einer Woche den Louvre. Somit verzeichnet das größte Museum der Welt auch die meisten Besucher. Jeder darf heutzutage die reichhaltig bestückten Räume besichtigen. Ein Besuch dieser unvergleichlichen Säle scheint für uns selbstverständlich zu sein, aber das war nicht immer so.

Lange Zeit konnten diesem Vergnügen originale Geschichtszeugnisse und Schätze anzusehen nur einem elitären Kreis, nämlich Fürsten und jenen die von diesen ausgewählt wurden, zu teil werden. Schauen wir mal in die Entwicklungsgeschichte der weltgrößten Schatzkammer.

 

Ungezähmte Tiere wollen auch in herrschaftliche Anwesen

Der Name »Louvre« hängt mit der anfänglichen Bebauung zusammen. Im 12. Jahrhundert wurde an diesem wilden Platz direkt am Ufer der Seine eine Festung errichtet. Wild deshalb, weil dort viele Wölfe, französisch »loups« in der Nähe von Siedlungen reiche Beute witterten.

Mit einer hohen Mauer oder einem quadratisch geschlossenen Bau konnte man sich vor den Wölfen schützen oder diese einhegen. Nun wissen wir warum das Museum noch heute diesen Namen trägt. Im Laufe der Jahrhunderte war die Gefahr vor wilden Tieren nicht mehr maßgeblich für herrschaftliche Bauten, sondern die Repräsentation und Ausdruck von Macht.

Der Louvre aus der Vogelperspektive von Osten, um 1990, © pixabay

So erweiterten die französischen Könige diese massive, aber schmucklose Wehrburg. Nach und nach wurde daraus ein prächtiges Schloss mit zahlreichen Flügeln und unzähligen Räumen.[1] Die Außenfassaden wurden einem königlichen Schloss entsprechend architektonisch großartig gestaltet und aufwendig verziert.

Wer sich in der Architektursprache auskennt, kann anhand der Konstruktion und ornamentalen Gestaltung die unterschiedlichen Epochen der zusammengewürfelten Bauteile ablesen. Die Innenräume wurden, dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend ebenso mit Gemälden und anderen Kunstwerken ausgestattet, die sich ständig durch Ankäufe, Schenkungen und Beutezüge vermehrten. Doch nur blaublütige Familien und befreundete Adelige des oberen Standes in der pyramidalen Sozialordnung wurden Jahrhunderte lang durch diese Räume geführt.

Versuchen wir uns vorzustellen, wie Männer mit weißgepuderten Lockenperücken im langen Gehrock über den mit Rüschen bestickten Hemden kostbar und opulent gekleidet und Frauen in langen Roben aus glänzenden wertvollen Stoffen mit wogenden Reifröcken in der Hand einen kunstvoll geschnitzten Handfächer die Räume füllen. Sie kokettierten miteinander und diskutierten vor und über die Kunstsammlungen.

Bestimmt wusste der königliche Gastgeber zu dem einen oder anderen exotischen Exponat in seinem Besitze wunderbare Geschichten zu erzählen. Während seine erlauchten Gäste mit großen Augen staunend lauschten und bei den obszönen Pointen kicherten.

Der Eintritt in diese prachtvollen Räume war nicht durch einen Obolus gewährleistet, sondern der Rang und Name war ausschlaggebend. Demnach waren im ganzen Reich die Kunst und die Schätze nur wenigen Menschen vorbehalten. Im Gegensatz dazu versuchten die zahlreichen Untertanen sich und ihre Familien über Wasser zu halten. Der Kampf um den täglichen Getreidebrei und ein Stück Brot war neben der harten Arbeit das Augenmerk und verständlicherweise das einzige Erstreben.

Damals wussten viele Menschen überhaupt nicht, was sich hinter den Mauern des Louvre abspielt. Erst durch die Aufklärung und in der Folge die Säkularisierung, wurde durch Humanisten, durch den Buchdruck und durch Philosophen wie z. B. Immanuel Kant, ein neues Gedankengut und neue Erklärungen der Welt – entgegen den bisher unbedingt zu befolgenden, dogmatischen Machtstrukturen – ermöglicht.

Immanuel Kants Aufsatz, gedruckt in der Berliner Monatszeitschrift (im Jahr 1784) beginnt mit folgendem Satz: »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.« sowie dem Imperativ »Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!«. [2]

Die Französische Revolution ist das geschichtsträchtigste Ereignis, welches sich mit dem Sturm auf die Bastille (dem Staatsgefängnis) am 14. Juli 1789 als Datum und Beginn der europäischen Umwälzung in die Geschichtsbücher geschrieben hat.

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Heute können wir alle Königinnen und Könige sein!

Eine Folge der Aufklärung war die Auflösung der Beschränkung des ausschließlich elitären Zugangs in den Louvre. Dies änderte sich schließlich durch ein Dekret der Nationalversammlung am 27. Juli 1793. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Sammlung als »Zentrales Kunstmuseum der Republik« für alle Besucher geöffnet.

Gar nicht so einfach wurden dann die Organisation und Aufsicht der vielen Besucher in einem weitverzweigten Gebäudekomplex, der ursprünglich anderen Ansprüchen dienen sollte. Erst 1983 fand sich die Lösung durch den Bauauftrag des kurz vorher gewählten französischen Präsidenten François Mitterrand. Das Problem der Besucherströme wurde in einem großartigen Umbauprojekt unterirdisch gelöst.

Louvre-Pyramide bei Nacht, © pixabay

Der Entwurf zum neuen Eingang des Architekten Ieoh Ming Pei zeigt sich nach zehnjähriger Bauphase modern und monumental als gläserne Pyramide und neues Wahrzeichen von Paris. Dem Architekten war bei der Planung die Konstruktion nach »dem goldenen Schnitt« wichtig.

Die moderne Architektur aus Glas und Stahl wurde besonders anfangs mit viel Kritik beurteilt, es wurde viel Unverständnis vor allem über die Form laut. Wobei gerade die pyramidale Form Vorbilder aus der Geschichte genau auf diesem Platz hatte.

Im Jahr 1792 soll bei einer Gedenkfeier für die Märtyrer der Französischen Revolution eine hölzerne Pyramide in Brand gesetzt worden sein. Zudem gab es Pläne im Jahr 1889 zum Bau einer steinernen Pyramide anlässlich der 100-Jahr-Feier der Französischen Revolution im Schlosshof des Louvre.

 

Begräbniszeremonie zu Ehren der Märtyrer des 10. Tages. Brand einer hölzernen Pyramide am 26. August 1792 vor dem Louvre, ©Prometheus Bildarchiv Köln

Projektentwurf für ein Denkmal zum Ruhm der Französischen Revolution 1889,
©Prometheus Bildarchiv Köln

Auch die anderen modernen Großbauten, die im Zuge des umfangreichen Kulturprojektes unter Mitterrands Regierung bis 1996 entstanden, ernteten viel Ablehnung: Der »Staatschef« solle sich selbst Denkmäler und mit der Pyramide »sein Grab« wie ein ägyptischer König errichtet haben.

Die symbolbehafteten neuen Gebäude stehen in Verbindung mit der Geschichte der Französischen Revolution und rezipieren auch eine Verbindung zu anderen Bauwerken auf der historischen Achse bis zum Grande Arche de La Défense. Die »Hauptschlagader« [3] von Paris bindet das Quartier La Défense im Westen von Paris durch ein weiteres Monument städtebaulich und symbolisch an das Zentrum an.[4]

Symbole transportieren in komprimierter Form spezielle Inhalte und sie sind Fingerzeige, die recht gedeutet ein Denkmal und eine Erinnerung der Inhalte vermitteln wollen. Ein Denkmal könnte imperativ gelesen werden: Mensch, denk mal! In diesem Sinne könnte verstanden werden: Erweitere dein Wissen und hinterfrage das Symbol.

Die klare geometrische Form einer Pyramide im Hof des ehemals königlichen Schlosses ist einerseits ein Symbol und Zeichen der »Französischen Revolution«. Andererseits markiert sie in ihrer modernen Erscheinung in Verbindung zum Grande Arche (großer Bogen) städtebaulich eine »neue Epoche« in der Geschichte Frankreichs, durch die Umsetzung eines Kulturprojektes. [5]

In Dokumentationen und Literatur liest man eine mögliche Verbindung Mitterrands zu den Freimaurern und im Zuge dessen auch eine Erklärung der Art und Weise zur architektonischen »Neu«-Gestaltung der Hauptstadt Frankreichs. Nicht selten wird dieses Thema in der Allgemeinheit negativ gewertet.

Wenn man sich nicht mit dem ethischen Bund von freien Menschen beschäftigt oder sich durch Fiktionen und Spielfilmen wie z. B.  »Da Vinci Code« [6] einseitig informiert und Verschwörungsmythen Glauben schenkt, wird eine in sich gute Institution oder ein Bund mit ehrbaren und guten Grundsätzen und Ideen befremdlich beäugt und nicht selten sogar kategorisch abgelehnt. Lüften wir also ein paar Geheimnisse, um Licht ins Dunkel zu bringen.

 

Exkurs: Eine kleine Geschichte eines Geheimbundes – Die Freimaurer.

Die Freimaurer sind ein weltweiter Bund von Gleichgesinnten mit derzeit wahrscheinlich 2,6 Mio. Mitgliedern, die sich in Logen organisieren und treffen und sich Werten wie Freundschaft, Toleranz und Humanität verschrieben haben. [7]

Winkelmaß und Zirkel, © pixabay
Wobei sich die Organisationsstrukturen in den Ländern einerseits verändert haben und andererseits auch in unterschiedlichen Traditionen und Riten funktionieren.

Demnach ist eine strenge Organisations- und Interessensstruktur nicht durchgängig gegeben.

Die »Königliche Kunst«, wie die Freimaurerei betitelt wird, »ist die Kunst, das menschliche Leben harmonisch zu gestalten, die Kunst, sich selbst in das richtige Verhältnis zum Nebenmenschen zu setzen. Freimaurerei ist Lebenskunst.«. [8]

Symbole sind Sinnbilder und Bedeutungsträger. Die Freimaurer arbeiten mit verschiedenen Bildern. Die Hauptsymbole sind folgendermaßen zu interpretieren: Das Winkelmaß steht für die winkelgerechte Lebensführung, für Ausgeglichenheit zwischen Körper und Seele.

Der Zirkel verweist von seinem Mittelpunkt zum Kreisumfang auf die Beziehung zwischen der einzelnen Person zum Bruderkreis und umschließt symbolisch den gesamten Erdkreis als Bruderkette. [9]

Die Frage nach dem Ursprung der Entstehung der Freimaurer ist nicht eindeutig. Häufig wird erklärt, dass Steinmetze im Mittelalter in ihren Bauhütten neben ihrer körperlichen Arbeit auch die geistige Vorstellung für sich beanspruchten, dass die Menschheit ein Bauwerk mit stabilen Mauern wäre und jeder einzelne Stein – jeder einzelne Mensch – in dem großen und ganzen Gebäude, möglichst fein geglättet neben den anderen eine Mauer stark und fest zusammenhält; dadurch dauerhaft tragfähig und für alle gleichermaßen schützend wird.

Um dieses Ideal nicht nur anzustreben, sondern auch zu leben, braucht der anfänglich »raue Stein« zur eigenen Bearbeitung geistiger Werte und zur alltäglichen Umsetzung dieser in der Gesellschaft Hilfe von anderen Brüdern. Diese Hilfe bestand und besteht vor allem in Gesprächen und vorbildlichem Verhalten und Tun. [10] Natürlich sind Verhaltensweisen und Lebensziele im Laufe der Zeit einem Wandel unterzogen.

Werte und neue Grundlagen, die im ausgehenden Mittelalter vorrangig angestrebt wurden, sind möglicherweise erst im 18. Jahrhundert nach außen sichtbar zum Tragen gekommen – z. B. durch die Säkularisierung.

Die Französische Revolution soll durch Freimaurer ausgelöst worden sein, diese These ist umstritten. Sicher ist aber, dass ein Niedergang und Inaktivität des Bundes bis 1796 mit dem Ende des Ancien Regimes einhergingen. [11]

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Heutzutage pflegt der sogenannte Geheimbund eine für Jedermann und Jedefrau geöffnete Zugänglichkeit und offene Türen. Dass das offizielle Bekenntnis zum Bund der Freimaurer insbesondere früher gefährlich war und das Freimaurertum deshalb auch in Verschwörungsmythen verstrickt wurde, kann aus unserer heutigen Sicht auf vergangene herrschende Systeme und Machthaberstrukturen verständlich werden.

Denn das Bestreben nach gesellschaftlicher Gleichberechtigung aller Menschen wollten viele Machthaber und Herrscher bis ins 20. Jahrhundert unterdrücken.

Diese Ziele zu erreichen – die Menschenrechte der Gleichheit und Freiheit nicht nur auf einem Papier zu gewährleisten, sondern tatsächlich zu ermöglichen, dazu braucht es entsprechende Vereinigungen mit tatkräftigen Mitgliedern.

Wobei sich ein Freimaurer aber als einzelnes Individuum und in seinem Handeln und Voranschreiten eigenverantwortlich betrachtet. Nun, sei noch erwähnt, dass sich nicht jeder Mensch öffentlich als »Freimaurer« präsentieren möchte. Die Charaktereigenschaft der Bescheidenheit könnte dabei durchaus eine Rolle spielen. Im Grunde selbstverständlich ist, dass so unterschiedlich alle Menschen sind, auch »Der Freimaurer« kein Heiliger ist, er versucht sich sein Leben lang zu formen und moralisch voranzuschreiten.

Um im Beispiel des rauen Steinblockes zu bleiben: So möchte der Bruder/die Schwester die eigenen persönlichen Flächen und Kanten glätten.

Dass bei der Arbeit, im täglichen Handeln auch mal eine Kerbe geschlagen wird, sollte verständlich sein. Das selbstverantwortliche Umgehen mit dem Erkennen eines persönlichen Fehlverhaltens gehört dementsprechend ebenso zur Entwicklung eines »arbeitenden Maurers«. Symbole dienen nicht nur den Freimaurern als Werkzeuge, als Sinnbilder und Erkennungszeichen – diese können aber auch missdeutet werden. Bezogen auf den »symbolischen« Bau in Paris wird behauptet die Anzahl der verbauten Glasscheiben, der Louvre-Pyramide wären 666. Diese Zahl wird häufig als negative oder teuflische Zahl interpretiert. [12]

Diese Falschaussage und Fehldeutung ist folgendermaßen zu korrigieren: Es sind 603 rautenförmige und 70 dreieckige Glaselemente verbaut. [13] Leider sind Fehlinterpretationen und negative Aussagen auch heute und durch die digitalen Medien noch intensiver zu verbreiten. Immer wieder stößt man auf negativ-konnotierte Äußerungen wie »Der ist doch Freimaurer…« oder »Das ist doch ein Symbol der Freimaurer!«. Die Notwendigkeit der Geheimhaltung in bestimmten Epochen und in einzelnen Ländern sollte immer bedacht werden.

Dies war nur ein kleiner Einblick, über das Freimaurertum im Zusammenhang der politischen, gesellschaftsstrukturellen und zeitgeistlichen Bedingungen. Nach dem Exkurs fahren wir wieder zurück nach Paris und schauen uns das Kulturprojekt Mitterrands auch mit symbolischer Brille an.

Innenhof des Louvre mit dem neuen Eingang der Glaspyramide, © pixabay

Wenn wir an den Museumsbau des Louvre denken, springt in erster Linie die auffällige Glaspyramide vor das geistige Auge und weniger die Sandsteinfassade aus dem 18. und 19. Jahrhundert, welche sie einfängt. Das Symbol einer Pyramide ist der Haupteingang, eine Treppe führt nach unten auch in die ägyptischen Sammlungen.

In der Kunst- und Kulturgeschichte kennen wir die Rezeptionen der vergangenen Kulturen,
z. B. die Epoche der »Renaissance«, die als Wiedergeburt der römischen Antike bezeichnet wird oder, dass die alten Griechen im »Klassizismus« wiederbelebt wurden.

Foyer des Louvre mit auf dem Kopf stehender Glas-Pyramide, © pixabay

Doch dass gleichzeitig auch die Kultur der Ägypter bereits im 17. Jahrhundert von Interesse war, ist weniger bekannt. Mit dem alten Ägypten werden die Pyramiden und Hieroglyphen (Symbolschriften) automatisch in einem Zusammenhang gebracht. Interessant, dass die Ägyptenrezeption symbolisch nicht nur über Bauwerke, also Architektur, sondern auch durch die Kunstgattung der Musik übermittelt wurde.

 

So erkannte der Archäologe Prof. Jan Assmann in Mozarts Werk »Die Zauberflöte« aus dem 18. Jahrhundert eine Interpretation, die sich auf altes Wissen aus dem Land der Pharaonen bezieht. Neben der musikalischen Erzählung birgt die Oper »Die Zauberflöte« auch viel Symbolsprache des ägyptischen Mysterienkultes mit Isis und Osiris. [14] Mozart war, wie sein Vater Leopold später auch, in die Loge der Freimaurer 1784 (in den Jahren kurz vor der Französischen Revolution) in Wien aufgenommen worden. Diese Loge funktionierte auch als Akademie der Wissenschaften mit Forschungsprojekten unter anderem auch zu den Mysterien der alten Ägypter.

Heutzutage ist der Zerfall eines Gemeinsinns, der Urbanität und der Zivilität alltäglich erfahrbar, der Umgangston in Gesellschaften wird immer rauer.

Diese Themen spielen im alten Ägypten eine große Rolle. In alten Schriften ist nachzulesen, wie damals die Gesellschaft mit Höflichkeit, Gemeinsinn, Selbstzurücknahme, Empathie, auf den anderen hören, und damit grundsätzlich ein tugendhafter Umgang gepflegt wurde. Das kulturelle Gedächtnis der Ägypter war über die Griechen weitervermittelt worden. Dabei gab es immer zwei Schriftsysteme: Die Kursivschrift für das gemeine Volk und die Hieroglyphen (eine Heilige Schrift) die nur Eingeweihte, also Priester lesen und verstehen konnten. Die Theorie der zwei Schriften wurde auch auf die einer Doppelkultur gelegt. Es gab die »Religio Duplex«, eine Religion für das Volk und eine andere für die Eingeweihten.

In dieser Zweistufigkeit wird auch die Architektur der Pyramidenbauten erklärbar; das oberirdische für alle sichtbar durch entsprechende monumentale Bauten und die Kultstätten der Eingeweihten unterirdisch mit Bibliotheken, Gräbern, Laboratorien. Diese »Doppelbödigkeit« könnte Mozart inspiriert haben für seine Oper mit zwei Ebenen oder zwei Seiten: Mit einer äußeren Handlung und einer »elitären« Innenseite. Bei einem rituellen Weg zur Einweihung in das Innere darf der Zuschauer mit dabei sein. [15]

Ob dem Hörer und Zuschauer dieser Aspekt bewusst ist? Rituale, kultische Handlungen und Zeremonien, die auf archaische Zeiten zurückgehen sind in unserer Zeit oft unverständlich, aber sie sollten auch in diesem Kontext gelesen und gedeutet werden.

Wenn man sich mit dieser Sichtweise in den Eingangsbereich des weltgrößten Museums bewegt und die architektonischen Symbole und die unterirdische Kunst des Altertums mit dieser Vorstellung bewusst wahrnimmt, wirkt die neue Architektur wie eine Bühne. Wobei der Besucher willkommen ist und zugleich Teil der Inszenierung ist.

 

Resümee:

Ein königliches Schloss mit prachtvollen Schätzen, eines von vielen, doch die Teilhabe daran war nur einem elitären Kreis der alten Gesellschaftsordnung vorbehalten.

Die ungerechten Gesellschaftsstrukturen wurden durch humanistische Gedanken und aufklärerische Bestrebungen aufgebrochen und immer lauter in Frage gestellt.

Letztlich wurde eine weitgreifende Veränderung durch die Revolution 1789 von Frankreich aus angestoßen und über den gesamten Kontinent in andere Länder verbreitet.

Die große Umwälzung Europas, die Säkularisierung war wahrscheinlich die weitreichendste und nachhaltigste Zäsur in der Geschichte.

Damit alle Menschen gleiche Rechte und Pflichten haben und jeder die Möglichkeit hat Kunstschätze und originale Geschichtszeugnisse anzusehen, dafür setzten sich einzelne Menschen und Verbindungen ein.

Sie kämpften um die Auflösung der Machtstrukturen der angeblich von Gottes Gnaden eingesetzten Fürsten.

Trotz des guten Geistes innerhalb der Aufklärung fielen leider in der Folge auch massenweise Köpfe unter der Guillotine. So viele, dass der Spruch »Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder!« zum geflügelten Satz wurde.

Aber – unter dem Motto Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nahmen Demokratische Prinzipien die politische Stellung ein.

Die Gewaltenteilung wurde installiert und eine Verfassung sowie 1792 die I. Republik in Frankreich ausgerufen.

Dass 200 Jahre später der französische Präsident Mitterrand durch ein Kulturprojekt mit dem ersten Monumentalbau einer Pyramide an dieses denkwürdige Ereignis ein Mahnmal oder eine architektonische Verbindung und Adaption installieren wollte, kann beim Besuch und Eintritt durch die gläserne Konstruktion erinnert werden.

Symbole sind für die Ewigkeit und helfen uns an wichtige nicht selbstverständliche Ereignisse und humanitäre Errungenschaften und an die Menschen, die sich dafür mutig einsetzten, zu erinnern.

Nun kann jeder im größten Museum Zeit verbringen oder immer wieder die unvergleichlichen Ausstellungsstücke bewundern.

Und auch Museen in unseren Landen sind für uns alle geöffnet (übrigens auch ein Freimaurer-Museum in Bayreuth). Dieses Bildungsangebot und diese wichtige Errungenschaft sollten wir doch nutzen!

 

 

Fußnoten und Literatur
Fußnoten:

[1] Batz Gabriele, König Eberhard: Louvre Kunst & Architektur, Rheinbreitbach 2005,
S. 17-53.

[2] Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische
Monatsschrift, Berlin 1784, S. 481.

[3] Holland, Yngve Jan: Grande Arche und Louvre-Pyramide, Zwei Pariser Staatsprojekte
unter François Mitterrand, S. 79.

[4] Ebd., S. 10.

[5] Ebd., S. 28 ff.

[6] THE DA VINCI CODE – Official Trailer [2006] (HD) – YouTube. Aufgerufen 29.07.2023.

[7] Leitgedanken – Freimaurer-Wiki. Aufgerufen 29.07.2023.

[8] Reinalter, Helmut: Der freimaurerische Diskurs der Moderne, Vorlesungen, Vorträge,
Studien und Essays, Innsbruck 2022, S. 259.

[9] Symbolik – Freimaurer-Wiki. Aufgerufen 29.07.2023.

[10] Reinalter, 2022, S. 25 ff.

[11] Dotzauer, Winfried: Freimaurer global, Innsbruck 2009, S. 24 ff.

[12] Freimaurer – kathPedia. Aufgerufen 29.07.2023.

[13] Louvre Pyramide Paris: Baujahr, Größe & Besonderheiten (help-tourists-in-paris.com).
Aufgerufen 29.07.2023.

[14] Assmann Jan: Die Zauberflöte, Eine Oper mit zwei Gesichtern, Wien 2018.

[15] „Opera Duplex“: Jan Assmann über Ägypten und Freimaurerei in Mozarts „Zauberflöte“
– YouTube
. Aufgerufen 29.07.2023.

 

Literatur:

Assmann, Jan: Die Zauberflöte, Eine Oper mit zwei Gesichtern, Wien 2018.

Batz Gabriele, König Eberhard: Louvre Kunst & Architektur, Rheinbreitbach 2005.

Dotzauer, Winfried: Freimaurer global, Innsbruck 2009.

Holland, Yngve Jan: Grande Arche und Louvre-Pyramide, Zwei Pariser Staatsprojekte unter François Mitterrand, München 1996.

Jodidio, Philip: I. M. Pei, La Pyramide du Louvre, The Louvre Pyramid, München, Berlin, London, New York 2009.

Kant, Immanuel: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift, Berlin 1784.

Norwich, John Julius (Hrsg.): Bedeutende Städte der Geschichte, Von Uruk bis Shanghai, München 2010, S. 120-123.

Reinalter, Helmut: Der freimaurerische Diskurs der Moderne, Vorlesungen, Vorträge, Studien und Essays, Innsbruck 2022.

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