Kirche und Schloss St. Emmeram in Regensburg

 

 

von Christian Schaller

Kirche und Schloss St. Emmeram in Regensburg

 

von Christian Schaller

Das berühmte Ensemble der Familie Thurn und Taxis

Als der Wandermönch Emmeram um die Mitte des siebten Jahrhunderts den baierischen Herzoghof der Agilofinger in Regensburg erreichte, war er eigentlich nur auf dem Durchweg. Seine Reise führte ihn entlang der Donau bis nach Ungarn, wo er predigen und das Christentum verbreiten wollte. Doch Herzog Theodo nahm ihn freundlich auf und überzeugte ihn zu bleiben. In den folgenden Jahren konzentrierte sich Emmeram also auf die Missionierung Regensburgs und dessen Umgebung. Eines Tages kam die Herzogstochter Uta zu dem Mönch und vertraute ihm ein Geheimnis an: Sie hatte eine Affäre mit einem Beamten ihres Vaters und war nun unehelich schwanger geworden. Da sie sich vor der Strafe fürchtete, riet Emmeram ihr, dass sie doch ihn selbst als Kindsvater angeben sollte. Er selbst wollte nach Rom reisen, um sich vor dem Papst für diese Lüge zu verantworten. Nach seiner Rückkehr wollte er dann die Wahrheit aufklären. Doch der Zorn Theodos war groß: Er schickte seinen Sohn Lantpert dem Wandermönch hinterher, der ihn südlich von München stellte und grausam hinrichtete.

Fotos privat

Als der Herzog schließlich doch die Wahrheit erfuhr, ließ er Emmeram rasch exhumieren und nach Regensburg überführen. Dort wurde er in der örtlichen Georgskirche bestattet, die auf einem alten, spätrömischen Gräberfeld knapp außerhalb der Stadt entstanden war. Kurze Zeit später siedelten sich die Benediktiner hier an. Im frühen Mittelalter, zwischen 739 und 975, waren die Klostervorsteher sogar immer auch parallel die Bischöfe von Regensburg. Die Bedeutung der Abtei war über die Jahrhunderte eng mit der lebendigen Verehrung Emmerams, der bald als Heiliger galt, verbunden.

Bereits im zehnten Jahrhundert rissen die Herzöge die ehemalige antike Legionsmauer, die Regensburg auch im frühen Mittelalter noch schützend umgeben hatte, zumindest teilweise nieder, um weitere Gebiete in eine neue Stadtmauer einzubeziehen. Nun war auch die alte Georgskirche mit dem Benediktinerorden innerhalb des neuen, schützenden Mauerrings. Aus der Ordenskirche entwickelte sich die Reichsabtei St. Emmeram, deren Erhebung 972 erfolgte und die schließlich bis zur Säkularisierung um 1803 bestehen sollte. Die dreischiffige Basilika mit ihrem freistehenden Glockenturm ist bis heute ein – etwas verstecktes, jedoch wunderschönes – Wahrzeichen von Regensburg.

Im Jahr 1810 wurde das aufgelöste Kloster schließlich dem Fürstenhaus Thurn und Taxis übergeben. Nach dem Ende des Alten Reiches und der Auflösung der Reichsstadt Regensburg wollte man den fortschreitenden Bedeutungsverlust der Stadt verhindern. Die Thurn und Taxis waren seit 1748 in der Donaustadt ansässig, drohten aber nun nach Frankfurt am Main abzuwandern, wo der eigentliche Sitz ihres Postunternehmens stand. Das großzügige Geschenk zeigte Wirkung: Bereits 1841 wurde die neogotische Gruftkapelle der Dynastie im Kreuzganggarten festgestellt. Regensburg war nun weiterhin Sitz der Familie und das ehemalige Emmeramkloster sollte ihre prunkvolle Residenz werden. Bereits wenige Jahre zuvor war ein klassizistischer Marstall angebaut worden. Auch der umgebende Schlosspark wurde immer weiter ausgebaut. In den 1880er Jahren erfolgte dann jedoch der große Umbau des Komplexes zum heutigen Residenzschloss der Familie, wobei aber viel alte Bausubstanz erhalten und reintegriert werden konnte – so unter anderem der Kreuzgang der Abtei. Die Fassade wurde im Stil der Neorenaissance gestaltet. Im nachfolgenden 20. Jahrhundert erfolgten noch weitere Anbauten. Lange gehegte Planungen zu Beginn des 21. Jahrhundert, nach denen die Anlage zu einem Luxushotel umgebaut werden sollten, scheiterten. Teile des Schlosses können gegenwärtig sogar besichtigt werden.

Literatur

 

Rädlinger-Prömper, Christine: St. Emmeram in Regensburg. Geschichte – Kunst – Denkmalpflege. Kallmünz 1992.

 

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