Haus Schulenburg Gera

 

Haus Schulen-burg Gera

 

Haus Schulenburg Gera – ein Gesamtkunstwerk Henry van de Veldes

Der Architekt und Designer Henry van de Velde (1863-1957) war um 1900 der Protagonist des „Neuen Stils“ unter den europäischen Gestaltern. Seine geistigen Wurzeln liegen in den künstlerischen und intellektuellen Bestrebungen um 1895: der Arts and Crafts-Bewegung in England, der japanischen Kunst, der belgischen, französischen und amerikanischen Avantgarde. Später kommen Künstler seines Berliner und Weimarer Umfeldes, des Bauhauses und des Deutschen Werkbundes hinzu. Art deco und Konstruktivismus begleiten die letzte Etappe seines Schaffens bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Auf der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung 1906 in Dresden erwarb der Geraer Textilfabrikant Paul Schulenburg ein Speisezimmer Henry van de Veldes. Er war davon so begeistert, dass er sich einige Jahre später vom belgischen Architekten und Designer ein geräumiges Landhaus mit großem Garten entwerfen ließ. In den Jahren 1913 / 14 entstand damit das reifste Werk van de Veldes an der Schwelle zum „Neuen Bauen“ in Deutschland. Gebäudeensemble und der umgebene Park wurden als Einheit erdacht und umgesetzt. Auch die Innenräume, einschließlich der Wandbespannungen und Möbel, bis hin zum Besteck entwarf das Genie.

Haus Schulenburg, Speisezimmer, Ausstellung Georg Muche; © Haus Schulenberg Gera

Die mehr als 100-jährige Geschichte war wechselvoll. Bereits Paul Schulenburgs Kinder gestalteten das Haus um und entfernten mit der zentralen Treppenanlage, den Blickfang des Hauses. Nach 1945 wurde das Haus als Schwesternschule genutzt.

Als Rita und Volker Kielstein Haus Schulenburg im Jahr 1996 übernahmen, war es fast verfallen. Für die originalgetreue Restaurierung von 1996 bis 2017 sowie die Rückführung von weltweit verstreuten Originalmöbeln und Ölgemälden wurden beide 2019 mit dem Deutschen Denkmalschutzpreis geehrt.

Europaweit und akribisch war die Suche nach originalen Bauplänen, Entwürfen, historischen Fotos, Stoffmustern und Baumaterialen. Gemeinsam mit den Farb- und Materialbefunden vor Ort dienten sie als Vorlage für die Ergänzung von Holzvertäfelungen, Fliesen, Wandbespannungen und Lampen. Die nachträglich eingezogenen Decken und Wände wurden herausgerissen und die ehemalige Treppenanlage wieder eingebaut.

Entstanden ist ein Architektur- Kunst- und Kulturerlebnis. Haus Schulenburg an sich ist schon eine Reise wert. Wechselnde Ausstellungen in diesem beeindruckenden Ambiente stellen der Kunst des 20. Jahrhunderts und Gegenwartskunst in den Mittelpunkt.

Wir haben täglich geöffnet, unsere Öffnungszeiten sind: 

April bis Oktober
Mo – Fr 10:00 bis 17:00 Uhr
Sa + So + FT 14:00 bis 17:00 Uhr

November bis März
Mo – Fr 10:00 bis 16:00 Uhr
Sa + So + FT 14:00 bis 16:00 Uhr

Haus Schulenburg Gera
Straße des Friedens 120
07548 Gera
Tel.: 0365-82641-0
e-Mail: kontakt@haus-schulenburg-gera.de
web: www.haus-schulenburg-gera.de

Das Museum beherbergt heute mit etwa 100 Stücken eine der umfangreichsten Sammlungen von Buchgestaltungen Henry van de Veldes außerhalb der königlichen Bibliothek in Brüssel. Ergänzt wird die Sammlung durch Dokumente und Kunstwerke aus seinem geistigenen Umfeld in Europa und aus dem „Kosmos“ Weimar:

 

  • Eine große Sammlung von originalgrafisch gestalteten Bilderbüchern des englischen Arts and Crafts – Künstlers Walter Crane,
  • Bucheinbände des Bauhausbuchbinders Otto Dorfner, darunter etwa 10 Exemplare nach Entwürfen des Architekten und Kunstgewerblers Thilo Schoder,
  • Möbel des Werkbundarchitekten Albinmüller und des Bauhaustischlers Erich Dieckman; Gemälde von Curt Herrmann, der Bauhauskünstler Georg Muche und Werner Chomton, des Weimarer Künstlerehepaares Hilde Linzen-Gebhardt und Heinrich Linzen, Otto Herbig; Skulpturen von Constantin Meunier, Guillaume Charlier, Auguste Rodin, Jean Stursa, Richard Engelmann; Grafiken von Walter, Klemm, Ludwig von Hoffmann, Alexander Olbricht, Max Thalmann u. a.
  • Keramik aus Werkstätten in Bürgel, deren Design von van de Velde beeinflusst wurde.

Haus Schulenburg, Südseite, Foto © Bildarchiv Marburg

Der Park, bereits in den Grundrisszeichnungen als Fortführung des Hauses erkennbar, beeindruckt mit 100-jährigen Eibenhecken und Linden, einer prächtigen rosenumrankten Pergola und der am historischen Vorbild orientierten Bepflanzung. Freiflächen und Terrassen laden zum Verweilen ein und können für Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden. Ein großer Parkplatz mit Elektrotanksäule ist nebenan.

Bildquellen

Haus Schulenburg, Blick zur oberen Diele und Oberlicht, Foto Ramon Miller

Haus Schulenburg, Galerie, Foto Beate Arndt

Haus Schulenburg, Musikzimmer, Foto Karsten Friedrich

Haus Schulenburg, Speisezimmer, Ausstellung Georg Muche

Haus Schulenburg, Südseite, Foto Bildarchiv Marburg

Haus Schulenburg, Treppe und Diele, Foto Karsten Friedrich

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