Einführung in die Geschichte der Stadt Rom

 

 

von Christian Schaller

Einführung in die Geschichte der Stadt Rom

 

 

von Christian Schaller

Die Ewige Stadt, die Weltstadt am Tiber, die Hauptstadt Italiens – Rom ist etwas ganz Besonderes. In der Antike war es der Mittelpunkt eines mächtigen Imperiums, ab dem Mittelalter wurde es zum Sitz des Papstes und damit zum Zentrum der katholischen Kirche. Rom besitzt ein überreiches Kulturerbe aus sämtlichen Epochen und begeistert jedes Jahr Millionen von Touristen aus aller Welt.

Dabei waren der Glanz und die Größe im Altertum noch kaum abzusehen. Die Anfänge der Stadt am Tiber waren regelrecht bescheiden. Laut Legende wurde Rom 753 vor Christus von Romulus und Remus gegründet. Darin liegt wohl auch etwas historische Wahrheit: Tatsächlich lassen sich im achten Jahrhundert vor Christus erste Siedlungen auf den später so bekannten sieben Hügeln nachweisen. In den Tälern dazwischen war Sumpf – ideal zur Verteidigung. Der Fluss, der sich sanft an diesen Erhebungen vorbeischlängelte, wurde später zu einer Art Grenze. Rom lag damals am Rand der politischen und kulturellen Einflusssphäre der Etrusker, deren Kerngebiet in etwa der heutigen Toskana entspricht.

Die einzelnen Dörfer wuchsen im Laufe der Zeit zusammen und es entstand wohl auch eine Art Kleinkönigtum – in den römischen Mythen festgehalten durch die legendären sieben Könige, die dann jedoch 509 vor Christus vertrieben wurden. Rom war nun eine Republik. Diese Staatsform sollte fast 500 Jahre überdauern. Die frühe republikanische Phase wurde zunächst von Ständekämpfen überschattet. Für hundert Jahre standen die Plebejer, das freie aber größtenteils machtlose Volk, den Patriziern, einer Art mächtigem Erbadel, gegenüber. Die Plebejer erstritten sich wichtige Zugeständnisse, gleichzeitig etablierten sich die Patrizier als Oberschicht.

Das junge Rom war im fünften und vierten Jahrhundert vor Christus zunächst ein Stadtstaat unter vielen im Mittelmeerraum. Italien war ein Flickenteppich aus Stämmen und Städten, die Spitze des italienischen Stiefels war größtenteils griechisch besiedelt und geprägt und auch rund um das Mittelmeer existierten weitaus mächtigere Kulturen. Dennoch expandierte Rom fortwährend, immer mehr benachbarte Territorien wurden unterworfen und in ein Bündnissystem gezwungen. Spätestens im vierten Jahrhundert vor Christus wurde die aufstrebende Stadt am Tiber von einer Mauer umgeben. Während Alexander der Große im östlichen Mittelmeerraum sein kurzlebiges Weltreich schuf, stieg Rom allmählich zur vorherrschenden Macht Italiens auf.
© Ch. Schaller
Eine zentrale Zerreißprobe für die aufblühende Bedeutung stellten dann die berühmten Punischen Kriege dar, in denen Rom seinen Hauptkonkurrenten im westlichen Mittelmeer, das nordafrikanisch-punische Karthago, besiegte. Der Weg war nun geebnet: Im Zuge der drei ausufernden Kriege waren bereits erste Landstriche rund um das Mittelmeer an Rom gefallen. Sizilien, Sardinien und Korsika, bald auch Spanien und Illyrien waren nun Teil eines aufstrebenden Imperiums, in dem alle Macht von Rom, dessen Konsuln, Senatoren und Feldherren, ausging. Mit der Machtfülle wuchsen jedoch auch die politischen Spannungen. Gerade das letzte Jahrhundert vor Christus war stark von Bürgerkriegen gekennzeichnet, deren Höhe- und Endpunkt schließlich auch das Ende der Republik bedeuteten. Mit der erfolgreichen Machtergreifung des späteren Kaisers Augustus begann nun die Zeit der römischen Kaiser.
Rom war zu diesem Zeitpunkt schon eine prachtvolle Metropole, doch die höchste Blüte sollte nun erst noch kommen.

In den ersten zwei Jahrhunderten nach Christus war das Römische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Dies bedeutete auch ein umfassendes und nie dagewesenes Bauprogramm für die glanzvolle Haupstadt. Rom war in dieser Zeit eine Millionenstadt, wahrscheinlich die erste und damals einzige auf der Welt. Prachtvolle Tempel, Thermen und Theater schossen aus dem Boden, zahllose Paläste, Plätze, Gärten und Wohngebäude wurden errichtet und immer qualitätvoller ausgeführt. Fußbodenheizungen, Marmorstatuen und Mosaike zierten die Stadt. Aquädukte versorgten die Metropole mit frischem Wasser, während mit der Cloaca Maxima schon seit Jahrhunderten ein umfangreiches und funktioniertes Kanalsystem existierte.

Einen Einschnitt stellte dann der Große Brand unter Kaiser Nero im Jahr 64 dar, nach dem ganze Viertel neu errichtet werden mussten. Neben den beeindruckenden Kaiserforen und Basilikas, die unter den Imperatoren errichtet wurden, sticht sicherlich das Kolosseum hervor, das um 80 nach Christus erbaut wurde und das größte Amphitheater der Welt war. Doch auch der Circus Maximus, wortwörtlich die größte Arena des Reiches, brach alle Rekorde. Mit Beginn des vierten Jahrhunderts nach Christus erreichte Rom dann seinen städtebaulichen Höhepunkt: Nie war eine Stadt größer oder prächtiger gewesen. Die Repräsentationsbauten waren schier unzählbar geworden und die Bevölkerung war auf schätzungsweise 1,2 Millionen angewachsen. Monumentale Tempel, Thermen und Foren prägten das Stadtzentrum – ihre Ruinen stehen bis heute.

Gleichzeitig begann aber auch der Niedergang des Imperiums und damit auch seiner Hauptstadt. Obwohl das Weströmische Reich bis zum Ende des fünften Jahrhunderts bestehen sollte, geriet Rom immer mehr ins politische und wirtschaftliche Hintertreffen. Die Kaiser residierten immer häufiger an anderen Orten, etwa in Ravenna, Mailand, Trier oder gar Konstantinopel. Im Jahr 410 plünderten die Westgoten die Stadt – zu diesem Zeitpunkt war dies seit 800 Jahren niemandem mehr gelungen. Dies beschleunigte den Niedergang der alten Hauptstadt und des gesamten Weströmischen Reiches, das bereits im Jahr 476 unterging, nur noch.

© Ch. Schaller
Am Übergang zum frühen Mittelalter zerfielen viele großartige Leistungen der Römer. Die letzten Spiele im Kolosseum und dem Circus Maximus sind für die Mitte des sechsten Jahrhunderts belegt, danach begannen die eindrucksvollen Großbauten langsam zu verfallen. Die meisten Wasserleitungen versiegten allmählich, die Tempel wurden teilweise zu christlichen Kirchen, die Monumente wurden immer häufiger als Steinbrüche verwendet und die Bevölkerung schrumpfte rapide. Ein paar Tausend frühmittelalterliche Stadtbewohner lebten in den Ruinen einer Metropole, die für über eine Million ausgelegt war.

Dennoch wurde Roms vergangener Ruhm nicht vergessen und parallel dazu entwickelte sich in der Ewigen Macht schon bald auch eine neue Macht: das Papsttum.

Der Bischof von Rom, allen voran Gregor der Große um das Jahr 600, beanspruchte zunehmend als das Oberhaupt der katholischen Kirche angesehen zu werden. Immer mehr traten die frühen Päpste auch als weltliche Fürsten auf. Nach und nach bildete sich nun der Kirchenstaat heraus, der sich Territorien in Mittelitalien sicherte. Im geschrumpften, aber immer noch wichtigen Rom regten sich im Mittelalter wieder die Kräfte: Selbstbewusste Adelsfamilien kamen zu Macht und Reichtum, während Rom als wichtiges Pilgerzentrum endlich auch wieder wuchs. Über Jahrhunderte beherrschten Machtkämpfe die wieder erblühende Ruinenstadt. Die Adligen und der Papst nutzten die antiken Römerbauten als Festungen, so etwa die Engelsburg, eigentlich das Mausoleum von Kaiser Hadrian, und das Kolosseum.

Lange Zeit stellten ausschließlich stadtrömische Adelsfamilien den Papst. Lag das alte Stadtzentrum noch südöstlich des Kapitolhügels, so verlagerte sich der Mittelpunkt des mittelalterlichen Roms langsam nach Nordwesten, auf das alte Marsfeld und hin zum Vatikan. Hier entstanden auf römischen Ruinen allmählich die Gassen und Plätze der Altstadt, deren Verläufe bis heute existieren.

Trotz der Intrigen, Straßenkämpfe und die Verwicklung in die europäische Politik entwickelte sich Rom im späten Mittelalter und gerade in der Renaissance wieder zu einem strahlenden Zentrum der Kunst und Kultur. Vom armen Pilger bis zum gekrönten Haupt wurde die Stadt besucht – allen voran zahlreiche römisch-deutsche Könige, die sich hier vom Papst die Kaiserkrone über das Heilige Römische Reich versprachen. Der berühmte Sacco di Roma im Jahr 1527 stellte dann eine verheerende Zäsur dar, als Söldner Kaiser Karls V. die Stadt plünderten. Dennoch wurde Rom im späteren 16., vor allem aber auch im 17. und 18. Jahrhundert fortwährend renoviert, ausgebaut und verschönert. Immer prachtvollere Paläste und Kirchen schmückten die Straßen – allen voran sicherlich die Patriarchalbasilikas und der neu erbaute, durch Ablassbriefe finanzierte Petersdom. Man schlug neue Achsen in die Altstadtgassen, stellte damit schnelle Verbindungen und Sichtachsen her und zierte die entstandenen Plätze mit Brunnen und Monumenten.
Beim Leiermann gibt es auch einen Kulturblog – hier ist der direkte Weg dorthin
© Ch. Schaller
Nach der Französischen Revolution wurde Rom zunächst ein Spielball der Mächte. Nach dem Sieg über Napoleon kehrte der Papst jedoch endlich in den Vatikan zurück und restaurierte den 1798 aufgelösten Kirchenstaat. Doch das 19. Jahrhundert sollte weitere politische Wirren bereithalten, denn die Idee des Nationalismus hatte auch Italien erfasst. Seit der römischen Antike war die Halbinsel niemals mehr vereint gewesen. Dem damaligen Zeitgeist folgend war dies ein bedauernswerter Zustand, den man nun beheben wollte. Nach der Epoche des Risorgimento bildete sich 1861 schließlich das Königreich Italien, beherrscht vom Haus Savoyen.

Dessen erste Hauptstadt befand sich in Turin, später dann kurzzeitig in Florenz. Erst 1870 wurde der Kirchenstaat dann Teil dieses neuen, vereinten Italiens.

Dennoch bestand die sogenannte Römische Frage: Seit Jahrzehnten waren französische Truppen in Rom stationiert, die sich als Schutzmacht gegen das Risorgimento verstanden. Wie sollte nun der Kirchenstaat in dem Nationalstaat aufgehen? Eine Volksabstimmung wollte schließlich die Vereinigung. Bereits ein Jahr später, 1871, wurde die italienische Hauptstadt von Florenz nach Rom verlegt. Die weltliche Herrschaft des Papstes war beendet.

Rom erlebte nun das Schicksal aller großen europäischen Metropolen am Ende des 19. Jahrhunderts: Die neue Hauptstadt begann zu wachsen, in nie gekanntem Ausmaß wurden nun wieder neue Stadtviertel nötig. Zum ersten Mal seit der Antike überschritt Rom wieder die Millionenmarke. Im Jahr 1922 begann schließlich das faschistische Regime unter Benito Mussolini. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Regime beendet, auch das formal noch bestehende Königreich wurde aufgelöst und das teilweise zerstörte Rom konnte sich dem Wiederaufbau widmen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die italienische Hauptstadt einen riesigen Aufschwung der Wirtschaft, aber auch des Tourismus. Die Bevölkerungszahl wuchs von etwa einer Million in den 1930er Jahren bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts auf fast drei Millionen an. Es entstanden zahlreiche Großwohnsiedlungen in der urbanen Peripherie. Die historische Innenstadt Roms blieb von den Neubauprojekten jedoch größtenteils verschont.

Verwendete Literatur
Reinhardt, Volker / Sommer, Michael: Rom. Geschichte der Ewigen Stadt. Stuttgart 2008.

 

 

Spannende und unterhaltsame Lektüre beim Leiermann:

 

Der Leiermann wird zu 100% privat getragen, organisiert und voran gebracht. Mit Ihrer Unterstützung könnten wir noch mehr schaffen.

Wollen auch Sie Kulturförderer werden?

 

Oder wollen Sie immer über die neuesten Aktivitäten beim Leiermann informiert werden?

Ausgewählte Museen beim Leiermann

Bella Italia

Der Leiermann Buchverlag

Kalender-geschichten

365 +1 fesselnde Einblicke in unsere Kulturgeschichte

Ein inspirierender Begleiter für jeden Tag – entdecken Sie Geschichte, Musik, Literatur, Kunst und mehr. Ein zeitloser Kalender, der unterhält und überrascht. Ein Buch für alle, die die Vielfalt unserer Kultur schätzen.
Zum Buch
close-link

Pin It on Pinterest

Share This