Einführung in die Geschichte der Stadt Berlin

 

von Christian Schaller

Berlin ist eine Stadt der Superlative. Vor allem im 20. Jahrhundert stieg die glitzernde Metropole zu einem Symbol für das zerrissene 20. Jahrhundert auf: Glanz und Glamour der goldenen Zwanziger, gefolgt von der furchtbaren Zeit des nationalsozialistischen Regimes und der Kriegszerstörungen.

Doch hinter diesem Image liegt noch viel mehr: Eine lebendige und bunte Hauptstadt Deutschlands, eine geschichtsträchtige Residenzstadt und ein Ort, der völlig zurecht immer wieder als ein Spree-Athen bezeichnet wird.

Berlin war genau genommen ein Spätzünder. Die Siedlung war nämlich eine hochmittelalterliche Gründung in einem sumpfigen Gelände, das wiederum in einer damals noch spärlich besiedelten und unsicheren Region lag, der sogenannten Nordmark, aus der sich im Laufe des Mittelalters die spätere Mark und schließlich das Kurfürstentum Brandenburg entwickeln sollte.

Der Ort war dennoch günstig gewählt, denn hier befand sich eine leicht zu verteidigende Halbinsel im Fluss Spree, die zugleich einen guten Übergang über den Strom ermöglichte. Die mittelalterliche Siedlung, die hier gegründet wurde, war eigentlich eine Doppelstadt: Auf der späteren Spreeinsel und südöstlich davon entwickelte sich das 1237 erstmals urkundlich erwähnte Kölln, während östlich des Flusses die Siedlung Berlin heranwuchs. Das heutige Ostdeutschland lag damals noch im Einflussgebiet westslawischer Stämme. Von ihnen rührt auch der Name der Siedlung, der so viel wie „Ort in sumpfigem Gebiet“ bedeutet.

Das Stadtwappen mit dem Bären kam erst später auf und kann als Versuch gedeutet werden, die Ortsbezeichnung durch ein redendes Wappen zu erklären. Und auch Kölln ist einfach erklärt: Ähnlich wie in Köln am Rhein wird der Name vom lateinischen Wort colonia hergeleitet, was im Mittelalter bereits in etwa so viel wie „Kolonie“ bedeutete.

Berlin-Kölln wuchs bis zum Ende des Mittelalters beträchtlich an: Im Jahr 1307 erhielt die Doppelstadt ein gemeinsames Rathaus und 1375 besaß der Ort bereits eines der höchsten Steueraufkommen in Brandenburg und wurde schließlich auch kurzzeitig Mitglied im Bund der Hanse. Seit 1356 galten die Herrscher dieser Region als einer von sieben Kurfürsten im Reich, die den deutschen König wählen durften. Von dieser herausgehobenen Rolle profitierte natürlich auch die Stadt Berlin-Kölln.

Im Jahr 1415 wurde Friedrich I. von Hohenzollern vom König mit Brandenburg belehnt – eine Herrschaft, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges andauern sollte. In der Mitte des 15. Jahrhunderts erkor der hohenzollersche Kurfürst Berlin dann zur Hauptresidenz des Fürstentums. Die protestierende Bürgerschaft verlor dabei zahlreiche Privilegien und Freiheiten. Während der Reformation wurde der Protestantismus ohne größere Gewalttaten eingeführt. Der Dreißigjährige Krieg setzte der Stadt dann noch einmal schwer dazu, danach begann jedoch der bislang glanzvollste Aufstieg und Ausbau, befeuert durch ehrgeizige Hohenzoller-Herrscher.

© Ch. Schaller

So wurden noch gegen Ende des Krieges, in den 1640er Jahren, durch Friedrich Wilhelm, später bekannt als der „Große Kurfürst“ zahlreiche Vorstädte geplant und begonnen. Gleichzeitig wurde religiöse Toleranz an den Tag gelegt, um Einwanderer anzuziehen. Um das Jahr 1700 lebten bereits tausende französische Protestanten, bekannt als Hugenotten, in Berlin. Die in alle Himmelsrichtungen expandierende Metropole wurde in der gleichen Zeit auch zu einer mächtigen Festungsstadt ausgebaut.

Im Jahr 1701 wurde Friedrich I. zum König in Preußen gewählt, sodass Berlin nun auch noch Hauptstadt Preußens war. Ab 1710 ging die alte Doppelstadt Berlin-Kölln dann mit vier weiteren Gemeinden in der der Residenzstadt Berlin auf. Noch immer war religiöse Toleranz an der Tagesordnung und Berlin wuchs beständig an. Gleichzeitig entwickelte es sich zu einem mitteleuropäischen Zentrum der Gelehrsamkeit und des Kulturlebens. Im Zuge der Napoleonischen Kriege und der nachfolgenden Auflösung des Heiligen Römischen Reiches durchlebte auch Berlin größere Umwälzungen und Reformen. 1808 trat die durch freie Wahlen entstandene Stadtverordnetenversammlung zusammen. Zwei Jahre später wurde die erste Berliner Universität gegründet.

In Berlin wurden schon sehr früh Gewerbesteuern eingeführt, Wirtschaft und Militär wurden fortwährend optimiert und auch das Judentum wurde rechtlich gleichgestellt – in der damaligen Zeit alles bahnbrechende Innovationen. Im späteren 19. Jahrhundert erfolgten auch noch zahlreiche Eingemeindungen, so unter anderem von Moabit, Wedding, Tempelhof und Spandau. Es kam immer mehr zu furchtbaren Wohnverhältnissen in der riesigen Stadt. Die schmutzigen, finsteren und feuchten Mietskasernen mit ihren engen, mehrfach gestaffelten Hinterhöfen wurden zum Inbegriff der Sozialen Frage während der Industrialisierung.

© Ch. Schaller

Im späteren 19. Jahrhundert war Berlin dann immer wieder zentraler Schauplatz von gesamtdeutschen Entwicklungen und Bewegungen, Auseinandersetzungen und Revolutionen. In die Geschichte gingen etwa die Märzrevolution von 1849/1850 ein. Im Jahr 1871 wurde Berlin dann nach dem Deutsch-Französischen Krieg zur Hauptstadt des Deutschen Reiches. Die Hohenzollern stellten nun auch die Kaiser dieses neuen, deutschen Nationalstaates. Für Berlin wie das ganze Land folgte die Gründerzeit, in der Bauwesen, Wirtschaft und Kultur florierten.

Die Hauptstadt stieg nun zur Weltstadt auf. Im Jahr 1877 überschritt die Einwohnerzahl die Millionengrenze, während bereits 1905 die Zweimillionenmarke geknackt wurde. In der Weimarer Republik, die nach dem Ersten Weltkrieg ausgerufen wurde, begann für Berlin eine wahrhaft goldene, rauschhafte Epoche. In den „goldenen 20er Jahren“ war Berlin nach London und New York die größte Stadt der Welt, in der Wissenschaften und Künste zu ungeahnter Blüte kamen

© Ch. Schaller

Nach dem nationalsozialistischen Regime und dem Zweiten Weltkrieg wurde das weitgehend zerstörte Berlin zwar wieder aufgebaut, jedoch über Jahrzehnte geteilt. Die Berliner Mauer durchschnitt fortan das Stadtgebiet. Erst 1989 kam es zur politischen Wende: Die DDR wurde aufgelöst und Deutschland wurde wieder vereinigt.

Die westdeutsche Hauptstadt war bis dahin Bonn, die Regierung wanderte jedoch schrittweise wieder nach Berlin. In den 1990er Jahren wurde die gesamtdeutsche Bundeshauptstadt Berlin – vor allem im Bereich des Regierungsviertels rund um den Reichstag – noch einmal stark umgebaut und mit zahlreichen repräsentativen Neubauten versehen. Im 21. Jahrhundert präsentiert sich Berlin nun als bunte und weltoffene Metropole mit einem immer noch regen und abwechslungsreichen Leben und einem schier endlosen kulturellen Angebot.

Verwendete Literatur

 

Härtel, Christian: Berlin. Eine kleine Geschichte. Berlin 2003.

 

 

 

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