Barocke Petticoats in Düsseldorfs Hofgarten

 

von  Marion Rissart

Was der Prater für Wien ist der Hofgarten für Düsseldorf.

Die grüne Lunge unserer rheinischen Metropole lädt früher wie heute zum Verweilen ein. Vor gut 300 Jahren galt das „Spazierengehen“ als das Privileg des Adels. Der Hochherrschaftliche besaß Zeit, während seine Untertanen von A nach B stauchten, um ihre Arbeit zu erledigen. Promenieren war ein Ausdruck der Freiheit und des Genusses. Etwas, was das Bürgertum nach der französischen Revolution begierig aufsog und für zu nutzten verstand.

Der Hofgarten für den Adel – und fürs Volk

Doch zurück zum Hofgarten. Schon vor der Revolution war ein Teil des Parks dem einfachen Volk vorbehalten und avancierte sich zum ersten deutschen Volksgarten (20 Jahre vor dem Englischen Garten in München). Wer heute allerdings genauer hinschaut, entdeckt dort eine Gruppe barocker Üppigkeit in Form von 250 Kilogramm schweren bronzenen Skulpturen.

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Las Meninas- Bronzener Barock

Die Rede ist von den Las Meninas, auch Hoffräuleins genannt.  Der spanische Künstler Manolo Valdes ließ sich von dem berühmten Gemälde des Malers Diego Velazquez inspirieren, der die 1656 die spanische Königsfamilie porträtierte.

Petticoats und geschnürte Korsetts

Und wie iberische Royal Family lustwandeln die Statuen mit hochgerafften Röcken (mehrere Lagen Petticoats übereinander) und fest geschnürtem Korsett (Wespentaille ist angesagt) in der Nähe des Schloss Jägerhof.  Das Jagdschlösschen, das heute das Goethe Museum birgt und auf seiner Visitenkarte Jacobistraße 2 im Prägedruck trägt, liegt heute im innenstädtischen Pempelfort.

Kunstmäzen Kurfürst Karl Theodor

Die bronzenen Las Meninas vom Künstler Manolo Valdez; © Marion Rissart

Damals lag es vor den Toren Düsseldorfs. Zu dem Zeitpunkt seiner Erbauung (1752-1763) wollte der damalige Kurfürst Karl Theodor seinen persönlichen Wellness Bereich vor der ehemaligen Stadtmauer. Der Kurfürst liebte neben der Kunst die Jagd. Und was er in seiner Mannheimer Hauptresidenz Parforcejagden auskostete, wollte er auch in Düsseldorf tun.

In guter Gesellschaft mit Schloss Jägerhof

Die heutigen Meninas befinden sich, umgeben vom Jagdschloss und der Düssel durchflossenen Hofgarten, miteinander in ewiger Gesellschaft. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Skulpturengruppe nicht alleine steht. Wie in dem Gemälde von Velazquez sind die Mitglieder der königlichen Familie (insbesondere die weiblichen) immer von Hoffräuleins umgeben.

 

Alte Bäume um Schloß Jägerhof; © Marion Rissart

Zusammen sind sie nie allein

Die Frauen der königlichen Familie wurden gerne in dieser Form „bewacht“. Sie hatten nicht nur zur repräsentieren, sondern auch für den biologisch einwandfreien Nachwuchs zu sorgen.  Die richtige Abstammung war das Kapital, aus der sich deren Reputation speiste. Zum anderen durften sich die Hoffräuleins sich selbst glücklich schätzen, denn nur wenige Menschen hatten das Privileg, der königlichen Familie so nahe zu sein. Auf dem Gemälde wird diese besondere Form des Hofzeremoniells dargestellt: Eine Hofdame reicht der Infantin einen Krug. Sie darf dieses Vorrecht allerdings nur ausüben, wenn ihre Knie den Boden berühren. Ob die Bronze-Meninas auch für uns in die Knie gehen würden?

 

Kulturgeschichten aus Europa

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Französische Kulturgeschichten 

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Mehr Texte von Marion Rissart gibt es unter: Die Ahnin – Das Leben unserer Ahnen

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