Die Steinerne Brücke in Regensburg

 

 

von Christian Schaller

Ein mittelalterliches Weltwunder

Die wohl berühmteste Brücke Deutschlands ist sicherlich die Steinerne Brücke, die sich in Regensburg über den mächtigen Strom der Donau spannt – und das schon seit fast 1000 Jahren! Als das Bauwerk Mitte des 12. Jahrhunderts fertiggestellt wurde, galt es als ein Weltwunder des Mittelalters, so beeindruckend war die Baukunst für die damaligen Zeitgenossen. Sie ist die älteste erhaltene Brücke Deutschlands und zugleich eines der Wahrzeichen Regensburgs.

Die Donau ist einer der größten Flüsse Europas, der durch zahlreiche Länder fließt, ehe er weit im Osten in das Schwarze Meer mündet. Seinen nördlichsten Punkt erreicht der altehrwürdige Strom jedoch bei Regensburg. Hier beschreibt er einen weiten Bogen, der durch seine fruchtbaren Böden schon früh Besiedlung anzog und das Gebiet zu einem Kreuzungspunkt zahlreicher Verkehrswege – zu Land und zu Wasser – machte. Das heutige Regensburg hat seine Ursprünge in einem römischen Legionslager, denn auch die antiken Kaiser erkannten die strategische Bedeutung des Donaubogens.

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Hier befand sich die Grenze zwischen dem Imperium und dem freien Germanien. Im frühen Mittelalter halfen die massiven Steinmauern des alten Römerlagers dabei, dass Regensburg durchgängig besiedelt blieb und zu einem wichtigen Ort im Herzogtum der Bajuwaren wurde. Durch die ideale Lage und die Siedlungskontinuität fiel es Regensburg im Laufe des Mittelalters leicht, eine wichtige Handelsmetropole und schließlich auch freie Reichsstadt zu werden. In der florierenden Siedlung mit ihrem bedeutenden Donauhafen wurde bald auch ein sicherer Flussübergang notwendig.

Von 1135 bis spätestens 1146 wurde die Steinerne Brücke erbaut – in einer fast legendär kurzen Zeit von nur 11 Jahren. Sie stellte den einzigen festen Flussübergang zwischen dem obersten Donauhafen in Ulm und Wien weit im Südosten dar. Über Jahrhunderte blieb sie auch die einzige Brücke in Regensburg, wenngleich sich ihr Aussehen und ihre Anbauten immer wieder veränderten.

© ChristianSchaller

Die Brücke war in der Reichsstadtzeit ein Wirtschaftsraum. An ihr waren Mühlen angebaut, auf ihr wurden Zölle erhoben und an ihr wurde Salz gelagert, das mit Booten über die Donau kam. Gleichzeitig war der Übergang jedoch auch eine politische Grenze: Wer durch den Brückturm schritt und die Donau überquerte, beging eine Auslandsreise. Denn das Örtchen Stadtamhof am anderen Flussufer gehörte damals zu Bayern, während Regensburg als Reichsstadt des Heiligen Römischen Reicehs ja ein souveräner Stadtstaat war.

Im Laufe der Jahrhunderte kam es auch immer wieder zu Reibereien mit den bayerischen Herrschern, bis Regensburg nach der Auflösung des Alten Reiches endgültig als Provinzstadt an das junge Königreich Bayern geriet.

Im 20. Jahrhundert wurde die mächtige Brücke auch zunehmend vom Verkehr genutzt. Bis in das frühe 21. Jahrhundert fuhren Autos und Busse über die mittelalterlichen Bögen. Einlagerungen von Streusalz führten über die Jahre zu einer zunehmenden Belastung der Bausubstanz, sodass die Brücke grundlegend saniert und für den Verkehr gesperrt wurde. Als Regensburg 2006 seinen UNESCO-Welterbetitel erhielt, fiel der Brücke eine besondere Bedeutung zu: Sie war nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Weltkulturerbes, sondern verbindet über die Donau hinweg auch die beiden Schutzgebiete der Altstadt im Süden mit Stadtimhof im Norden.

Verwendete Literatur

 

Edith Feistner (Hrsg.): Die Steinerne Brücke in Regensburg (= Forum Mittelalter. Band 1). Regensburg 2005

 

 

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