Die St. Paul`s Cathedral in London

 

 

 

von Christian Schaller

Die St. Paul`s Cathedral in London

 

 

 

von Christian Schaller

Wie nach dem Großen Brand eine der größten Kirchen der Welt entstand

 

(alle Fotos privat)

Eines der schrecklichsten Jahre in der Londoner Stadtgeschichte war sicherlich 1666. Seit einem Jahr tobte die Große Pest in der britischen Metropole, die etwa 100.000 Todesopfer forderte, fast zwei Drittel davon in und um London. Anfang September suchte dann der Große Brand die Stadt heim. Die Epidemie hatte etwa ein Fünftel der Stadtbevölkerung das Leben gekostet, während das Feuer zwar nur wenige Leben auslöschte, dafür aber an die 100.000 Einwohner obdachlos machte – und das kurz vor dem Winter.

Trotz aller Schrecken sahen viele Gelehrte in dieser Katastrophe auch die einmalige Gelegenheit, das bislang über Jahrhunderte planlos gewachsene London endlich neu zu gestalten. Architekten wie Christopher Wren projektierten sofort ein auf dem Reißbrett geplantes neues Stadtzentrum mit weiten, geometrischen Plätzen und Straßenachsen. Fehlende Gelder und die Interessen der Grundbesitzer vereitelten diese Idee jedoch schnell. Dennoch wurden neue Bauvorschriften von König Karl II. proklamiert, denn dieser benötigte die Steuereinnahmen seiner Hauptstadt und ein rascher Wiederaufbau lag darum sehr in seinem Interesse. Überhängende Stockwerke wurden verboten und nur noch Ziegel oder Steine waren als Baumaterial erlaubt.

Im Herzen der wiederauferstehenden Stadt stand die ehrwürdige, gotische Paulskirche – wohl auf den Grundmauern der ersten Bischofskirche Londons aus dem Jahr 604. Doch auch diese alte Kathedrale war vom Großen Brand des Jahres 1666 nicht verschont geblieben. Christopher Wren, einer der für den Wiederaufbau tätigen Architekten, übernahm auch die Planungen für einen neuen Sakralbau im Stil der Zeit – einem nüchternen Klassizismus.

Seine Idee eines Zentralbaus über einem griechischen Kreuz wurde als zu teuer und auch radikal abgewiesen, doch im Laufe der Planungen konnte Wren dennoch die charakteristische Kuppel durchsetzen. Die Fertigstellung zog sich bis 1708 hin. Die säulengeschmückte Westfassade mit ihren beiden Türmen leitet den Besucher in das prachtvolle Innere.

Besonders beeindruckend ist sicherlich das Grab von Horatio Nelson, dem britischen Kriegshelden der Napoleonischen Kriege. In seiner letzten Schlacht bei Trafalgar besiegte er den französischen Kaiser und läutete damit seinen späteren Niedergang sowie den Aufstieg Britanniens zur vorherrschenden Seemacht der Welt ein. Sein 1806 in St. Pauls abgehaltenes Staatsbegräbnis war nur eines von zahlreichen historischen Ereignissen, die in der Kathedrale stattfanden.

Die Kirche ist zudem eine der größten Kirchen der Welt. Sie besitzt mit über 158 nach der Peterskirche im Vatikan das längste Kirchenschiff. Die Kuppel ist mit fast 31 Metern Innendurchmesser auch eine der größten Kirchenkuppeln und gilt zugleich als die technisch ausgereifteste. Sie ist heute für Besucher zugänglich und bietet einen Blick auf die Londoner Skyline.

Literatur

 

Leo Hollis: London rising. The men who made modern London. Walker, New York 2008.

 

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