Die Schweizer Garde

 

 

 

von Stefan Havlik

Die Schweizer Garde

 

 

 

von Stefan Havlik

Tapfer und treu seit über 500 Jahren

»Der Papst? Wie viele Divisionen hat der denn?«, fragte Diktator Josef Stalin 1935, höhnisch und verachtend. Für den Herrscher über Millionen von Soldaten der Sowjetunion war der Vatikan kein ernstzunehmendes politisches Gegenüber, da diesem offensichtlich die Divisionen fehlten.

Foto: pixabay

Dennoch ist die »Armee« des Papstes – die formal keine solche ist, sondern lediglich eine Schutzgarde – bis heute wohl eine der bekanntesten militärischen Einheiten weltweit. Welcher Rom-Reisende kennt sie nicht, die Herren in ihren aus Renaissance-Zeiten stammenden Uniformen, die über den Petersplatz und die sich daran anschließenden Gebäude wachen? Es ist die seit der Gründung am 22. Januar 1506 dritte Schweizer Garde und seit 1970 auch die einzige militärische Formation des Heiligen Stuhls.

 

1505 beantragt Papst Julius II. bei einer Versammlung der Schweizer Eidgenossenschaft die Entsendung sogenannter »Reisläufer« zum Schutze des Vatikans. Sie erreichen am 22. Januar des folgenden Jahres Rom, und wenige Monate später wird auf Wunsch des Papstes der Grundstein für den Bau des Petersdoms gelegt. Schweizer Söldner – die »Reisläufer« waren gut ausgerüstete Infanteristen – waren in diesen bewegten europäischen Zeiten begehrte Soldaten, denen Zuverlässigkeit, Mut und Treue als Attribute zugeschrieben wurden. Die ersten 150 Gardisten, die von nun an den Papst zu verteidigen hatten, wurden indes nicht von der Kirche, sondern von einem der größten Bankkonzerne der Renaissance finanziert – von der Familie Fugger aus Augsburg.

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Zwanzig Jahre später erlebt die Garde aus der Eidgenossenschaft eine ihrer dunkelsten Stunden: Bei der Plünderung Roms durch deutsche, spanische und italienische Soldaten verlieren 147 von 189 ihrer Soldaten inklusive des Kommandanten ihr Leben. Nachdem die zweite Schweizer Garde ihr Ende mit der Besetzung Roms durch Truppen der französischen Revolution gefunden hatte, war es im Jahre 1800 die Initiative der Pfyffer von Altishofen, einer der mächtigsten Patrizierfamilien der Stadt Luzern, die die Garde ein drittes Mal ins Leben rief. Bis heute sind es katholische Schweizer zwischen 18 und 30 Jahren, denen das Privileg zukommt, Teil dieser besonderen Einheit zu sein, die zwar durch ihre Uniformen museal wirkt, der aber gleichzeitig auch der konkrete Schutz des Vatikans im Allgemeinen und des Papstes im Besonderen zukommt.

 

»Ich schwöre, treu, redlich und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst …«, beginnt ein Rekrut der Garde am 6. Mai jeden Jahres seine Eidesformel, wobei aufgrund der Schweizer Landessprachen der Eid auch in Italienisch, Französisch und Rätoromanisch zulässig ist. In ihrer Schweizer Heimat ist es der »Schlafende Löwe«, ein sechs mal zehn Meter großes Denkmal in Luzern, das an die in den Kämpfen der französischen Revolution gefallenen Gardisten erinnert, aber die Rekruten auch stets an die den Löwen in besonderer Weise zugewiesene Tapferkeit gemahnt.

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»Acriter et fideliter«, tapfer und treu, lautet der Wappenspruch der Schweizer Garde – auch noch lange Zeit, nachdem Josef Stalin längst seine Reise zunächst in sein Mausoleum, dann an die Kremlmauer angetreten hat.

Quellen

https://verfassungsblog.de/wie-viele-divisionen-hat-papst-eu-putins-russland-und-lange-atem-normativer-aussenpolitik/

Meyers Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1892, S. 706 ff.

Ankli, Remo: Die Schweizergarde in den Jahren vor dem Sacco di Roma (1518–1527). In: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte. 99. 2005, S. 251–266.

Benigni, Glauco: Die Schutzengel des Papstes. Leipzig 2005.

Nersinger, Ulrich: Soldaten des Papstes. Ruppichteroth 1999.

Rossi, Fabrizio: Der Vatikan. München 2004.

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