Die Nürnberger Burg

von Anja Weinberger

Die Nürnberger Burg

von Anja Weinberger

Wie eine Krone liegt die Nürnberger Burg auf dem Häusermeer der mittelfränkischen Stadt.

Sie erhebt sich über den roten Ziegeldächern der dichtgedrängten Häuser, sogar über den Kirchtturmspitzen der beiden gotischen Juwele Sankt Lorenz und Sankt Sebald und über so manch anderem Turm der Nürnberger Innenstadt.

Nürnberg ohne seine Burg – das ist unvostellbar. Hier haben alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von Heinrich III. (1016?-1056) bis Maximilian II. (1527-1576)  einmal oder viele Male Hof gehalten. In der Goldenen Bulle von 1356 bestimmte Karl IV. gar, dass der erste Reichstag eines jeden neuen Kaisers hier auf der Nürnberger Burg stattzufinden hatte.

Hierher spaziert man, hat man ein bisschen Zeit und möchte die herrliche Aussicht über die Stadt und das Land genießen; und nirgendwo sonst kann man so gut die Geschichte der Stadt Nürnberg nachvollziehen.

(Dieser Text soll einen Überblick bieten über die Anlage der Nürnberger Burg. In weiteren Texten wird bald auf die einzelnen Gebäude der Burganlage eingegangen.)

 

Blick über den Nordwesten der Nürnberger Altstadt auf die Burg, © pixabay

Eine Aufzählung der Bauten in obigen Foto von links nach rechts: Am linken Bildrand ist groß der Schlayerturm zu sehen, der zur Stadtmauer gehört, wie der kleine Fachwerkgiebel unterhalb des Burgfelsens zum Pilatushaus am Tiergärtnertorplatz. Oberhalb beginnt dann die Burg mit dem langgestreckten, mehrstöckigen Palas, angebaut ist die Doppelkapelle und der Heidenturm, der der Chorturm der Kapelle ist. Bald folgt der runde Sinwellturm, etwas verdeckt der Fünfeckturm, halb rechts unter ihm mit zwei Fenstern samt Fensterläden in den fränkischen Farben rot-weiß die Überdachung des Himmelstors, schließlich hellrot das Steildach der Kaiserstallung, seinerseits am linken Rand verdeckt vom Turm der Walpurgiskapelle, die wiederum von einem Baum verdeckt wird, und am rechten Rand der Luginsland.

Blick „nach oben“ zur östlichen Seite der Burg von der Stadt aus: Sinwellturm und Walpurgiskapelle , © pixabay

Bei dieser so geschlossen und heute friedlich wirkende Ansammlung von Gebäuden handelt es sich genau genommen um drei Burgbereiche. Im Westen liegt die Kaiserburg, in der Mitte die Burggrafenburg und am östlichen Rand sehen wir die reichsstädtischen Burgbauten, von denen aus man ohne Hindernis in die Stadt gelangt.

Diese nahe Nachbarschaft unterschiedlicher Verwaltungshoheiten allein erklärt schon, warum die vergangenen Jahrhunderte hier oben auf dem Burgplateau nicht ohne Zwischenfälle ausgekommen sind.

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Über die frühesten Anfänge der Nürnberger Burg wissen wir sehr wenig. Klarer werden die Besitzverhältnisse unter den salischen Kaisern und ihren Nachfolgern, den Staufern, die die Burg vergrößerten und sicherten, so dass sie mit anderen Burgen den östlichen Rand des Reiches bildete. Ab nun war Nürnberg und die Burg ein gern genutzter Aufenthaltsort der ständig reisenden Herrscher.

Der weitläufige Palas aus dem 15. Jahrhundert, der der Krümmung des Bergrückens folgt, ist schon der zweite Bau an dieser Stelle; er ersetzte seinen romanischen Vorgänger, der wohl nicht mehr repräsentativ genug war. Im Palas befinden sich der Rittersaal im Erdgeschoss und darüber der Kaisersaal.

Direkten Zugang hat man vom Palas in die Doppelkapelle der Burg. Der tiefer liegende Teil, die Margaretenkapelle, stand dabei der Gefolgschaft offen, im oberen Teil, der Kaiserkapelle, traf man nur den Namensgeber und seine engsten Hofstaat an. Beide Kapellen sind durch das offene Mitteljoch verbunden.

Wer immer reist, der braucht jemanden, der für Ordnung sorgt, wenn er selbst unterwegs ist. Diese Aufgabe übernahmen die Burggrafen, und auch sie mussten untergebracht werden. Die Zweiteilung der Burg nahm ihren Lauf.

Der älteste Teil der heutigen Burg ist der Fünfeckturm. Er entstand um 1150, und direkt neben ihm erbauten die frühen Burggrafen gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen Wohnbau und eine Kapelle, die sich später zur Walpurgiskapelle vergrößerte. Die ersten Nürnberger Burggrafen waren die Herren von Raabs. Durch Heirat gelangte das Burggrafenamt an Friedrich III. von Zollern, der sich nun Friedrich I. von Nürnberg-Zollern nennen konnte. Zum ersten Mal trat diese Familie hier auf die politische Bühne. Als Hohenzollern werden sie noch oft in der Geschichtsschreibung auftreten.

Heidenturm, © pixabay

Nun wurde auch der Heidenturm erhöht, in dem sich Chor und Altar der Doppelkapelle befinden.

Im 14. Jahrhundert entwickelt sich die Stadt Nürnberg schnell. Die Rivalität zwischen der erstarkenden Reichsstadt, also den Bürgern, und den an mehr Macht interessierten Burggrafen wurde immer deutlicher.

In Nürnberg endete diese Streiterei anders, als anderswo, denn hier „gewannen“ die Bürger. Im Winter 1377 wurde der reichsstädtische Bau des Luginsland ganz im Osten des Burgplateaus zur Überwachung, genaugenommen Ausspionierung, der Burggrafenburg hochgezogen und das war nur der Anfang. 1420 wurde die Burggrafenburg endgültig bis auf die Walpurgiskapelle zerstört und die Hohenzollern verkauften die Ruinen einschließlich des Burggrafenamtes an die Reichsstadt Nürnberg. Seinen Wohnsitz hatte man schon lange zuvor auf die weiter westlich gelegenen Cadolzburg verlegt.

Im 14. Jahrhundert wird auch erstmals der Tiefe Brunnen erwähnt. Vermutlich ist er deutlich älter, jedoch lässt sich das nicht belegen. Über 50 Meter geht es hinunter, ehe der Wasserspiegel erreicht wird. Der Schacht misst an seiner breitesten Stelle beeindruckende 2,20 m und ist in den puren Fels getrieben.

Ende diesen Jahrhunderts ließ der Habsburger Kaiser Friedrich III. die Hängenden Gärten anlegen. Außerdem beauftragte die Stadt Nürnberg den Baumeister Hans Behaim, neben dem Luginsland die Kaiserstallungen zu erbauen, die hauptsächlich als Kornspeicher dienten und nur bei Reichstagen ihrem Namen alle Ehre machten.

Blick vom Sinwellturm auf das Brunnenhäuschen des Tiefen Brunnens im Vordergrund und den Heidenturm, auf dem der fränkische Rechen flattert, © pixabay

Die große Dachfläche der Kaiserstallungen und der Luginsland, © pixabay

Dieser Bau zeigte deutlich, wie die Reichsstadt ihren Einfluss deutlich machen konnte und wollte, denn die Kaiserstallungen sind auch optisch ein wesentlicher Bestandteil der Burg.

Über dem Spitzbogenportal an der südlichen Seite findet man ein Relief des kleinen Nürnberger Stadtwappens, das der Bildhauer Adam Kraft geschaffen hat und dessen Text uns die besonders kurze Bauzeit der Kaiserstallungen bestätigt.

Anfang des 15. Jahrhunderts hatte man die Burg in das Stadtmauer-Gefüge Nürnbergs miteinbezogen, und im 16. Jahrhundert sicherte man sich zusätzlich mit großangelegten Bastionen Richtung Norden und Westen.

Die Jahre vergingen. Kaiser Karl V. hielt seinen ersten Reichstag 1521 in Worms ab, die Reformation und ihre Glaubensstreitigkeiten verkomplizierten das Verhältnis der Kaiser zur Reichsstadt Nürnberg zusätzlich.

Im nächsten Jahrhundert dann hinterließ der Dreißigjährige Krieg eine verarmte Stadt. Zwar fand im Nürnberger Rathaus nach Kriegsende das Friedensmahl von 1649 statt, die Reichstage wurden nun aber in Regensburg abgehalten.

Ruhige, einsame Zeiten folgten für die Burgmauern. Nur noch wenige Kaiserbesuche schlugen zu Buch und ab 1806 gehörten Burg und Stadt zum Ärger vieler Franken zum Königreich Bayern.

Unter den bayerischen Königen wurde viel restauriert und so manches umgebaut, ehe der 2. Weltkrieg die Burg und die Stadt zu ihren Füßen in ein Trümmerfeld verwandelte. Glücklicherweise blieben auf dem Burgberg viele Grundmauern erhalten, so dass nach 1945 der Wiederaufbau beginnen konnte.

Blick auf die Nürnberger Burg mit der Sebalduskirche und dem Rathaus, © pixabay

Blick vom Tiergärtnertor auf die Burg, © pixabay

Blick von der Burg auf Rathaus, Chor der Sebalduskirche und Lorenzkirche, © pixabay

Blick von der Burg, © pixabay

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