Die Heilandskirche von Sacrow

 

 

von Majda Schmidt

„Da berühren sich Himmel, Wasser und Erde“ (frei nach Markus 1, Verse 9-11)

Wenn man über die Glienicker Brücke aus unserer Landeshauptstadt nach Berlin fährt, entdeckt man
am nördlichen Havelufer ein außergewöhnliches Gebäude. Es steht so dicht am Wasser, dass es den
Anschein erweckt, ein Schiff hätte gerade am Kai angelegt. Die Heilandskirche von Sacrow liegt am
Rande des ältesten Naturschutzgebietes Potsdams und gehört seit 1992 zur UNESCO-Welterbestätte
„Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“

© Majda Schmidt

 

Die Kirche im kleinsten Potsdamer Stadtteil verkörpert den Italien-Traum eines Regenten, der
eigentlich Architekt statt König hätte werden sollen. Wie groß die Leidenschaft für die Kunst des
späteren Monarchs Friedrich Wilhelm IV. gewesen ist, bezeugen über 7000 Blätter mit eigenen
Skizzen und Entwürfen in seinem Nachlass. Die künstlerische Begabung wurde schon früh entdeckt
und so gehörte das Zeichen neben Militär, Geschichte, Religion und Recht zum festen Bestand seines
Unterrichts. Aber erst im Jahr 1828 erlaubte ihm sein damals regierende Vater Friedrich Wilhelm III
endlich eine 10-wöchige Italienreise anzutreten. Voller Begeisterung schrieb der Kronprinz täglich
Briefe an seine Gemahlin Elisabeth Ludovika von Bayern und schwärmte von der Architektur, die er
zwischen Venedig, Rom und Neapel nun „live“ ausgiebig studieren konnte.

Friedrich Wilhelm IV., ca. 1841, Potsdam Museum-Forum für Kunst und Geschichte / Michael Lüder, mit freundlicher Genehmigung durch das Museum

 

Die Kirche im kleinsten Potsdamer Stadtteil verkörpert den Italien-Traum eines Regenten, der
eigentlich Architekt statt König hätte werden sollen. Wie groß die Leidenschaft für die Kunst des
späteren Monarchs Friedrich Wilhelm IV. gewesen ist, bezeugen über 7000 Blätter mit eigenen
Skizzen und Entwürfen in seinem Nachlass. Die künstlerische Begabung wurde schon früh entdeckt
und so gehörte das Zeichen neben Militär, Geschichte, Religion und RAngesichts seiner Begeisterung für die Architektur pflegte Friedrich Wilhelm IV. seit seiner Jugend
freundschaftliche Beziehungen zu den besten Baumeistern und Gartenarchitekten, die damals in
Brandenburg sowie Berlin tätig waren: Friedrich Schinkel, Friedrich August Stüler, Ludwig Persius und
Peter Joseph Lenné. Mit so einem Team und mit dem Zugang zu der Staatskasse nach der
Thronübernahme im Jahr 1840 war es ziemlich einfach, ein Land der Glückseligkeit auf dem
märkischen Sand zu schaffen! echt zum festen Bestand seines
Unterrichts. Aber erst im Jahr 1828 erlaubte ihm sein damals regierende Vater Friedrich Wilhelm III
endlich eine 10-wöchige Italienreise anzutreten. Voller Begeisterung schrieb der Kronprinz täglich
Briefe an seine Gemahlin Elisabeth Ludovika von Bayern und schwärmte von der Architektur, die er
zwischen Venedig, Rom und Neapel nun „live“ ausgiebig studieren konnte.

Heilandskirche von Sacrow, 1849, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte / Michael
Lüder; mit freundlicher Genehmigung durch das Museum

 

Angesichts seiner Begeisterung für die Architektur pflegte Friedrich Wilhelm IV. seit seiner Jugend
freundschaftliche Beziehungen zu den besten Baumeistern und Gartenarchitekten, die damals in
Brandenburg sowie Berlin tätig waren: Friedrich Schinkel, Friedrich August Stüler, Ludwig Persius und
Peter Joseph Lenné. Mit so einem Team und mit dem Zugang zu der Staatskasse nach der
Thronübernahme im Jahr 1840 war es ziemlich einfach, ein Land der Glückseligkeit auf dem
märkischen Sand zu schaffen!

© Majda Schmidt

 

Im Preußisches Arkadien bewundern wir heute nicht nur die wunderschönen Villenbauten im
toskanischen Stil, sondern fühlen uns auch beim Anblick einiger Kirchen nach Italien versetzt. Die
Bauform einer frühchristlichen Basilika symbolisierte nämlich für den König, den man „Romantiker
auf dem Thron“ nennt, das Idealbild des christlichen Kirchenbaus und wurde zur Grundform der
sakralen Bauten seiner Regentschaft.
Nach den selbstangefertigten Zeichnungen des Königs erstellte der Hofarchitekt Ludwig Persius 1841
den Entwurf für die erste Basilika in Potsdam. Bei der Entscheidung für den Standort in der Bucht des
Sacrower Parkanlage spielte auch die Symbolik eine Rolle. An dieser Stelle hatten die Fischer schon
immer den Schutz vor dem aufkommenden Unwetter gesucht. So sollte auch diese Kirche ein
Bollwerk gegen die Stürme des Lebens darstellen.

Die ausgewählte Lage besitz noch heute eine großartige optische Wirkung. Nach der Fertigstellung
des Pfahlrostes für den Unterbau des Hauptschiffes waren aber schon 1/3 der bereitgestellten Mittel
verbraucht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der Bau einer 3-schiffigen Basilika an
diesem Ort nicht möglich sein wird. Aber Ludwig Persius enttäuschte seinen Auftraggeber nicht und
ließ den Hauptbau mit einem offenen Arkadengang umgeben, der wie ein seitliches Kirchenschiff
wirkt und dem Gebäude eine ausgesprochene Leichtigkeit verleiht.

© Majda Schmidt

 

Das Innere des Hauptschiffes wurde schlicht gehalten und wirkte mit wenigen Akzenten. Fast die
komplette heutige Ausstattung musste nach der Wende nach alten Vorlagen neu angefertigt werden.
Nur das Bild in der Apsis, das als ein echtes „al fresco“ schon im Jahr 1845 geschaffen wurde,
überstand die Zeit der Verwüstung und der Verwahrlosung erstaunlich gut und zeigt den segnenden
„Heiland“ (Jesu Christi als Retter und Erlöser), umgeben von 4 Evangelisten.

Auf den Podesten zwischen den Rundbogenfenstern sind die Statuen der 12 Aposteln platziert. Fünf
davon sind restaurierte Originale aus dem 19. Jahrhundert. Zwischen den Balken der sichtbaren
Dachkonstruktion ist ein blaues Tuch gespannt, geschmückt mit 2048 Sternen.

© Majda Schmidt

 

Zur Orgelweihe im Juni 2009 wurden die ersten fünf Holzpfeifen über die Havel mit einem Segelschiff
angeliefert. Dank einer großzügigen Spende erhielt die neue Orgel aus der Dresdener Werkstatt
Wegscheider acht Monate später das historische Gewand ihrer Vorgängerin, die 1961 zerstört wurde.

© Majda Schmidt

 

Die Außenfassade aus dem Backstein in einem blassen Rosaton wird durch die Streifen mit den
blauen Kacheln aufgelockert. Die hellen Blüten sind fast alle beschriftet. Im ersten Moment denkt
man an das Vandalismus der heutigen Tage, bei genauem Hinsehen entdeckt man aber die Einträge
mit Datierungen, die sogar über 100 Jahre alt sind. Die Fliesen dienten seit eh und je dazu,
verschiedene Nachrichten zu übermitteln. Die Liebesbotschaften, politische Bekundungen oder ganz
einfache Gedanken sind in Deutsch, Russisch oder Französisch verfasst und erzählen viele berührende
Geschichten, die sogar in einem Buch veröffentlicht wurden (Ulrike Willingmann, Lars Wiedemann,
Dietmar Peikert: „Short Messages. Die Fliesen der Heilandskirche Sacrow“).

© Majda Schmidt

 

Der freistehende Glockenturm ist ein echter Kampanile (oder „Campanile“) und bekam am Ende des
19. Jahrhunderts eine ungewöhnliche Bekrönung. Die Physiker Adolf Slaby und Georg Graf von
Arco installierten in 20m Höhe eine Antennenanlage. Am 27. August 1897 gelang den beiden
Wissenschaftlern die erste drahtlose Signalübertragung zur 1,6 km entfernter Matrosenstation, was
heute als Geburtsstunde der deutschen Funk-Übertragung gilt.

© Majda Schmidt

65 Jahre später begann das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Heilandskirche von Sacrow. In der
Nacht vom 13. August 1961 sperrte die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik die
Grenze zu West Berlin und machte sie auf der gesamten Länge von 155 km durch den Bau der
„Berliner Mauer“ unpassierbar. Eine der Grenzanlagen wurde auch am Sacrower Ufer errichtet. Die
Kirche befand sich nun im „Niemandsland“ und der Todesstreifen verlief direkt über das Gelände.
Heute erinnert an der Heilandskirche nichts mehr an diese schreckliche Zeit. Durch die idyllische Lage
und viele nette Events gehört sie zu den beliebtesten Ausflugszielen Potsdams. Manchmal kann man
auf der Picknickdecke einer Jazz-Band lauschen, die unter den Arkaden spielt, ein anderes Mal
werden die Konzertbesucher von dem Organisten persönlich zu einer Kostprobe des Gins aus seiner
eigenen Herstellung eingeladen.

Wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt, kann man erleben, wie eng die Tradition des Wassersports
in Potsdam mit der Heilandskirche verknüpft ist. Zum „Sportschiffergottesdienst“ im September
finden sich die Wassersportler aus nah und fern zusammen, werfen den Anker im „Port von Sacrow“
und folgen als Päckchen vertäut der Andacht, die über die Lautsprecher übertragen wird.

© Majda Schmidt

Ab Oktober ist die Sommersaison vorbei und die Wassertaxis, die nach einem festen Fahrplan
mehrere Monate auch die Anlegestelle in der Nähe der Heilandskirche bedienen, verabschieden sich
in die „Winterpause“. Spätestens jetzt wird das Dorf im Königswald seiner Benennung gerecht – der
Name wird von der slawischen Bezeichnung „za krowje“ abgeleitet und bedeutet „hinter dem
Gebüsch“. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist man nach Sacrow über 1 Stunde unterwegs. Aber
die prominenten Bewohner des 145-Seelen-Dorfes wissen diese Abgeschiedenheit zu schätzen.

Im Herbst werden auch die Gedanken an die deutsche Wiedervereinigung lebendig. Bundesweit
lassen der 3. Oktober und der 9. November die Erinnerungen an die „Friedliche Revolution“ aufleben,
die zum Fall der Berliner Mauer führte. Aber viele Potsdamer denken gerne an ein wunderschönes
Ereignis zurück, was sie als „Sacrower Weihnachtswunder“ bezeichnen.
Am Heiligen Abend 1961 durfte der Pfarrer Joachim Strauß mit einer Sondergenehmigung in der
Heilandskirche noch einen letzten Gottesdienst für seine Gemeinde abhalten. Erst am 24. Dezember
1989 wurde dort erneut eine Christmesse gefeiert und inzwischen pensionierte 77-jährige Pfarrer
Strauß stand vor dem Altar und hielt nach 28 langen Jahren wieder eine Predigt in seiner ehemaligen
Gemeindekirche.

Es gibt keinen besseren Ort in Potsdam, um zu spüren, wie aus der Trauer der Trennung und der
Hoffnung des Wartens am Ende die Freude der Wiedervereinigung hervorgegangen ist. Auch deshalb
wird die Heilandskirche inzwischen von den Brautpaaren geliebt und gehört zu den meist gebuchten
Potsdamer Hochzeitslocations.

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