Die Fleischbrücke in Nürnberg

von Anja Weinberger

Die Fleisch-brücke in Nürnberg

von Anja Weinberger

Einige Brücken verbinden in Nürnberg die Sebalder und die Lorenzer Seite. Die Vorgänger der Fleischbrücke wurden schon um das Jahr 1200 an dieser Stelle erbaut, denn hier war die Pegnitz am schmalsten.

Nach mehreren Bränden und Hochwassern entschied man sich schließlich für eine steinerne Brücke ohne Mittelpfeiler. Die Bauarbeiten begannen am 1. März 1596 und konnten 1598 bendet werden. Heute gilt die Fleischbrücke als bedeutenstes Brückenbauwerk der Renaissance in Deutschland. Das sieht man dem doch recht schlichten Bauwerk auf den ersten Blick gar nicht an.

Und auch, dass die Fleischbrücke eine deutliche Verwandschaft zur Rialtobrücke in Venedig vorzuweisen hat, wird kaum einem ins Auge springen.

Fleischbrücke, © pixabay

Ein regelrechter Architekturwettbewerb wurde vom Rat der Stadt Nürnberg ausgerufen. Der siegreiche Plan sah einen Bogen mit nur viereinhalb Meter Höhe vor, über den bequem Fuhrwerke zwischen den beiden Stadtteilen hin und her fahren könnten.

Daraufhin wurden 2.123 Eichenpfähle mit einer Länge von bis zu 6 m in den sumpfigen Boden gerammt, um ein solides Fundament zu erstellen – ebenso wie bei den Bauwerken der Lagunenstadt Venedig.

Weiterhin erbauten die Konstrukteure ein hölzernes Lehrgerüst und verstärkte in den Folgemonaten den langsam, aber sicher entstehenden Sandsteinbogen mit schweren Eisenstangen, die unsichtbar in den Bau einbezogen wurden. Der kritische Moment, in dem das Lehrgerüst schließlich entfernt werden konnte, wurde von zahlreichen, recht skeptischen Nürnbergerinnen und Nürnbergern verfolgt.

29 Pegnitz-Meter überspannt der elegante Bogen nun also bis heute. Als einziger Schmuck dienen auf der Scheitelhöhe zwei Kanzeln, die über den Fluss ragen. Heute werden diese beiden als günstige Foto- und Selfiestandorte genutzt. In der Erbauungszeit waren die außen angebrachten, nur vom Fluss aus zu erkennenden Wappen der Mitglieder der Stadtvordersten interessanter.

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Ihre mittelalterliche Nachbarschaft hat die Schöne im 2.Weltkrig verloren, selbst jedoch kaum Schaden genommen. Die typischen Ansichten des alten Nürnberg sind seitdem nur noch in Fotoalben zu finden. Heute säumen Nachkriegsbauten die Pegnitz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wäre die Fleischbrücke beinahe dem Hochwasserschutz zum Opfer gefallen. Glücklicherweise fand man im Bau eines unterirdischen Entlastungstunnel eine andere Lösung; und so konnte die Brücke, die mehrere Kriege überdauert hat, 1974 unter Denkmalschutz gestellt werden.

Seit dem späten 19. Jahrhundert orientiert sich die Vergabe der Hausnummern aller Nürnberger Straßen übrigens an der Fleischbrücke: die Zählung beginnt an dem Ende der Straße, das der Renaissancebrücke näher liegt.

Ihren Namen erhielt die Fleischbrücke vom damals direkt angrenzenden Fleischhaus. Als Eingangstor zu diesem wurde 1599 – ebenfalls sehr fotogen – das Ochsenportal errichtet.

So manch Nürnberger Ausspruch geht auf dieses Tor, das von einem liegenden Ochsen gekrönt wird, zurück. Oftmals hört man z. B. – ins Hochdeutsche übersetzt – „Das hätte mir der Ochse auf der Fleischbrücke auch sagen können“ oder „Das hätte ich auch dem Ochsen erzählen können“. An dieser Stelle hatte die Unterhaltung wohl eine unbefriedigende oder wenig nutzbringende Richtung eingenommen.

Blick über die Fleischbrücke Richtung Burg, © pixabay

Die Fleischbrücke liegt im Herzen Nürnbergs. Von ihr aus erreicht man nach wenigen Metern den Hauptmarkt und auch die Lorenzkirche ist nicht weit. Sie war Teil der alten Via Triumphalis und wurde von den Nationalsozialisten als Kulisse bei ihren Aufmärschen überschritten.

Heute eilen Nürnbergerinnen und Nürnberger beim täglichen Einkauf auf einem der Wochenmärkte über sie und Touristen aus aller Herren Länder posieren gerne auf ihr für ein Erinnerungsfoto.

 

 

 

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