Die Akropolis von Athen

 

 

 

von Christian Schaller

Die Akropolis von Athen

 

 

von Christian Schaller

Der berühmteste Hügel der Welt

 

Wenige Hügel besitzen eine so tiefgreifende kulturelle Bedeutung für Europa wie die weltberühmte Akropolis der griechischen Hauptstadt Athen. Das altgriechische Wort Akropolis bedeutet übersetzt in etwa Oberstadt – und genau das war der Ort jahrhundertelang für die Siedlung rundherum, lange bevor die berühmten Tempelbauten ausgeführt wurden.

Der über 150 Meter hohe Felsen zog wohl aufgrund seines strategischen Vorteils bereits seit der Steinzeit Siedler an. Bereits in mykenischer Zeit, also um 1500 vor Christus, existierte die Stadt Athen. Der Sitz eines Kleinkönigs lag dabei wohl auf dem Festungsberg der Akropolis. Von hier aus konnte er die Halbinsel Attika kontrollieren. Doch nach den dunklen Jahrhunderten und mit dem Beginn der Archaik ab etwa 800 vor Christus verlor der Berg zunehmend seine Verteidigungsfunktionen.

Athen hatte keinen König mehr und so wurde die eindrucksvolle Erhebung bald immer mehr als ein heiliger Tempelbezirk genutzt und ausgebaut. Vor allem die Schutzherrin und Namensgeberin der Stadt, Athene, wurde hier besonders verehrt und schon bald galt die Akropolis von Athen als ihr bedeutendstes Heiligtum. Sie war die Göttin der Strategie und des Kampfes, aber auch der Weisheit, des Handwerks und der Künste. Über die archaische Akropolis ist leider nicht allzu viel bekannt. Bis 550 vor Christus wurde ein großer Athenetempel aus Kalkstein erbaut, dem 30 Jahre später noch ein weiterer Sakralbau folgte.

Kaum eine Generation später brachen jedoch die verheerenden Perserkriege aus. Die Dynastie der Achämeniden schickte Truppen auf das griechische Festland. Um 490 war Großkönig Dareios durch den griechischen Sieg in der legendären Schlacht bei Marathon noch zurückgeschlagen worden. Zehn Jahre später, unter seinem Nachfolger, begann jedoch eine zweite Welle: Großkönig Xerxes ließ Athen um 480 vor Christus dem Erdboden gleichmachen. Die Athener waren in weiser Voraussicht geflohen und hatten ihre glanzvolle Metropole zurückgelassen. Die zehn Jahre der Kriegspause waren aber genutzt worden: Man hatte die athenische Flotte massiv ausgebaut. In der Seeschlacht von Salamis, in der Bucht vor Athen, konnten die Perser erneut geschlagen werden.

Der Kampf gilt, gemessen an der Zahl der Teilnehmer, als größte Seeschlacht der Antike. Xerxes befahl den Rückzug und Griechenland war wieder sicher. Die Athener konnten ihre geliebte Hauptstadt wieder aufbauen. Doch das war nicht alles: Während der Kriegszeit war Athen zur vorherrschenden Macht in der Ägäis aufgestiegen. Diesen Einfluss nutzte die Stadt, um ihr Herzstück, die Akropolis, zu einem repräsentativen Prachtort auszugestalten, wie ihn die griechische Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte. Unter dem berühmten Staatsmann Perikles wurde der Berg im fünften Jahrhundert umfassend gestaltet, sodass er seine bis heute erkennbare Prägung erhielt. Die Leitung erhielt der Bildhauer Phidias, damals eine anerkannte Koryphäe. Er wurde durch die Baumeister Iktinos, Mnesikles und Kallikrates unterstützt.

Als neuer Zugang zum Hügel wurde eine Rampe aufgeschüttet, an deren Ende die Propyläen entstanden, eine prächtige Eingangshalle. Sie integrierte mehrere Funktionen in sich, so etwa ein kleines Tempelchen der Athena Nike oder eine Pinakothek, also Gemäldegalerie, im Nordflügel. Umgeben von zahlreichen weiteren Tempel- und Kultbauten wie etwa dem Heiligtum des Zeus Polieus oder dem Heiligtum des Heros Pandion im Osten des Plateaus erhoben sich ab klassischer Zeit schließlich die beiden Haupttempel: der monumentale neue Athenetempel und knapp nördlich davon der prachtvolle, komplexe Bau des Erechtheions. In einer Sichtachse vom Haupteingang zu den Tempeln wurde zudem eine mächtige Bronzestatue der Athene errichtet.

Alle vier Jahre wurden in der Stadt die Panathenäischen Spiele – in Konkurrenz zu den Olympischen Spielen – ausgerichtet, bei denen eine festliche Prozession zur Akropolis hinauf schritt. Athen hatte mit dem Attischen Seebund ein mächtiges Bündnissystem geschaffen, dem es vorstand. Um 453 vor Christus wurde die Bundeskasse von der Insel Delos nach Athen verlegt – ein Zeichen der immensen Macht und des Reichtums der Stadt. In römischer Zeit wurde die Akropolis weiter ausgebaut. Verschiedene Kaiser förderten Athen als traditionelles Zentrum der Kultur im Römischen Reich, darunter vor allem Kaiser Hadrian im zweiten Jahrhundert.

Beim Leiermann gibt es auch einen Kulturblog – hier ist der direkte Weg dorthin

Im Übergang zum Mittelalter wurde die Akropolis so wie bereits in der Bronzezeit vermehrt als eine Festung genutzt und dahingehend umgebaut. Im byzantinischen Reich residierten dort die Provinzgouverneure auf dem Felsen. Das Erechtheion wurde zur Kirche. In osmanischer Zeit, ab 1456, wurde der Parthenon zu einer Moschee umgebaut. Die gut erhaltene Bausubstanz wurde schließlich erst während der venezianischen Belagerung der Stadt 1687 empfindlich beeinträchtigt. Das Parthenon wurde beschossen und ein Pulvermagazin explodierte. Der Tempel und die umliegenden Gebäude wurden schwer beschädigt. Im Jahr 1801 verbrachte dann noch der britische Botschafter in Istanbul, Lord Elgin, zahlreiche Skulpturen von der Akropolis nach London.

Erst nach der griechischen Unabhängigkeit 1829 wurde der Hügel zu einer archäologischen Stätte erklärt. In dieser Zeit des Nationalstolzes wurden alle nicht-antiken Bauten abgetragen. Die Forschungen ziehen sich bis in die Gegenwart fort. Seit den 1980er Jahren erfolgt auch ein Rekonstruktionsprogramm – bislang wurde allerdings nur das Erechtheion fertiggestellt. Im Jahr 2009 eröffnete am Fuße des Berges das Neue Akropolis-Museum, in dem originale Teile des Tempels präsentiert werden. Die Architektur des antiken Griechenlands und damit allem voran ihres Wahrzeichens, der Athener Akropolis, sollte eine große Wirkung auf die Entwicklung der europäischen Kunst und Architektur ausüben. Seit 1987 ist die Akropolis darum auch zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Literatur
  • Brommer, Frank: Die Akropolis von Athen. Darmstadt 1985.
  • Schneider, Lambert / Höcker, Christoph: Die Akropolis von Athen. Eine Kunst- und Kulturgeschichte. Darmstadt 1991.
  • Clair, William: The Classical Parthenon. Recovering the Strangeness of the Ancient World. Cambridge 2022.

Drei Bücher aus unserem Verlag – voller Kultur, Geschichte, Kunst und Musik – Kulturgeschichten eben. Die beliebte Sammelband-Reihe aus dem Leiermann-Verlag:

Wollen Sie immer über die neuesten Aktivitäten beim Leiermann informiert werden?

Der Leiermann wird zu 100% privat getragen, organisiert und voran gebracht. Mit Ihrer Unterstützung könnten wir noch mehr schaffen.

 

Der Leiermann-Kulturblog zu Kunst, Musik und vielem mehr

Die Leiermann-Stadtschreiber

Der Leiermann Buchverlag

Kalender-geschichten

365 +1 fesselnde Einblicke in unsere Kulturgeschichte

Ein inspirierender Begleiter für jeden Tag – entdecken Sie Geschichte, Musik, Literatur, Kunst und mehr. Ein zeitloser Kalender, der unterhält und überrascht. Ein Buch für alle, die die Vielfalt unserer Kultur schätzen.
Zum Buch
close-link

Pin It on Pinterest

Share This