Die Agorá von Athen

 

 

 

von Christian Schaller

Die Agora von Athen

 

 

 

von Christian Schaller

Antiker Mittelpunkt der Herrin über die Ägäis

 

Denkt man an Athen, so denkt man meistens auch direkt an die berühmte Akropolis, deren stolzer Hügel seit jeher weithin sichtbar über der Stadt thront. Sie wurde als Burg oder Oberstadt verstanden, weshalb hier auch wichtige kultische Gebäude erbaut wurden – allen voran der Tempel der Stadtgöttin Athene. Doch obwohl der Hügel natürlich ungemein wichtig für die Athener der Antike war, spielte sich das Alltagsleben viel eher am Fuße dieses heiligen Berges ab. Hier befand sich die Agorá, der zentrale Platz des florierenden und mächtigen Athens, das im fünften Jahrhundert vor Christus als Kopf des Attischen Seebundes die Ägäis beherrschte. Und dieser Status zeichnete sich auch in den repräsentativen Gebäuden rund um den Platz ab, die sich teilweise bis heute erhalten haben und einen spannenden Einblick in das antike Leben geben. Hier entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Tempel und Säulenhallen, aber auch wichtige Verwaltungs- und Infrastrukturbauten. Zudem fanden hier in der Frühzeit der Attischen Demokratie die Versammlungen des Volkes, aber auch der Gerichte und der Soldaten statt, ehe diese in der klassischen Zeit auf die Pnyx umzogen.

Foto privat

 

Obwohl die Gegend von Athen und um die Agorá schon seit der Jungsteinzeit besiedelt ist, wurde sie erst im sechsten Jahrhundert allmählich als öffentliche Freifläche markiert und ausgebaut. Als die Perser Athen 480 vor Christus eroberten und zerstörten, beschloss man nach der Vertreibung der Invasoren den sofortigen Wiederaufbau. Nun entstanden zahlreiche Gebäude, deren Ruinen bis heute erhalten werden konnten. Doch der Bauboom kam schnell wieder zum Erliegen, denn die Zeiten wurden zunehmend unsicher für das stolze Athen. Innere wie äußere Konflikte schmälerten den Einfluss und ließen die Bautätigkeiten stagnieren.

 

Foto privat

 

Glücklicherweise hatte Athen aber bereits damals den Ruf einer geistigen Hauptstadt erlangt, sodass in den drei vorchristlichen Jahrhunderten zahlreiche auswärtige Herrscher als Wohltäter auftraten und repräsentative Bauten in Athen finanzierten. Rund um die Agorá entstanden nun die bis heute gut ablesbaren, imposanten Säulenhallen. Besonders die im 20. Jahrhundert rekonstruierte Stoa des Attalos mit ihren über hundert Metern Länge beeindruckt heute die Besucher der archäologischen Ausgrabungen. Das ursprüngliche Gebäude war im zweiten Jahrhundert vor Christus von König Attalos II. von Pergamon gestiftet worden. Auch die Römer setzten diese „Stiftungen“ fort: Unter Kaiser Augustus war Griechenland römische Provinz und im nach wie vor berühmten Athen wurde ein neues Forum, die Römische Agorá, erbaut. Sie lag knapp östlich der alten Agora und machte den alten Platz weitgehend unnötig. In der Folge wurde die Alte Agorá, ehemals Mittelpunkt der Herrin über die Ägäis, teilweise bebaut, ehe sie in der Spätantike völlig aufgegeben wurde.

 

Literatur

John McK. Camp: Die Agora von Athen. von Zabern. Mainz 1989.

John McK. Camp / Craig A. Mauzy (Hg.): Die Agora von Athen. Neue Perspektiven für eine archäologische Stätte. Mainz 2009.

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