Der Trevibrunnen in Rom

 

 

von Christian Schaller

Der berühmteste Brunnen der Welt

Kaum ein Brunnen ist berühmter als die Fontana di Trevi in Rom. Der prachtvolle Monumentalbrunnen darf auf keinem Besuch in der ewigen Stadt fehlen. Doch warum ist das eigentlich so?

Zunächst einmal kann der Ort, an dem sich der Brunnen heute befindet, auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblicken. In Rom ist das natürlich eher die Norm als ein Alleinstellungsmerkmal. Im Jahr 19 vor Christus ließ Marcus Agrippa, der Feldherr, enge Freund und Schwiegersohn des ersten Kaisers Augustus, in der Nähe Thermen erbauen. Hierzu benötigte man natürlich auch eine Wasserversorgung, weshalb die sogenannte Aqua Virgo erbaut wurde. Dieses Aquädukt sollte letztendlich das einzige sein, das vom Übergang von der römischen Antike zum Mittelalter ungebrochen in Benutzung bleiben sollte. Für das 12. Jahrhundert sind drei bestehende Wasserausgänge bekannt, welche Brunnen in diesem römischen Stadtviertel, unweit des Pantheons, versorgten. Vielleicht rührt schließlich auch der Name des Distrikts – Trevi – von diesen drei Quellen her.

© Christian Schaller

Um 1453 wurde die alte Aqua Virgo grundlegend restauriert. Papst Nikolaus V. ließ den neuen Endpunkt der Wasserleitung dabei vom berühmten Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti gestalten: Drei Speier ergossen sich fortan in ein einfaches, rechteckiges Becken. Der Trevibrunnen hatte nun endlich seinen heutigen Standort eingenommen, aber noch nicht seine heutige, prachtvolle Form. Bereits um 1640 wollte man den Ort umbauen, wozu sogar der berühmte Gian Lorenzo Bernini beauftragt wurde. Doch wie immer reichte das Geld nicht. Der berühmte Bernini konnte also vorerst nur den umgebenden Platz etwas ausweiten. Die Bühne für einen größeren, beeindruckenderen Brunnen war bereitet. Nach etlichen Anläufen wurde das Projekt dann schließlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts endgültig in Angriff genommen. Papst Clemens XII. veranstaltete einen Wettbewerb, in dem der noch relativ unbekannte Nicola Salvi als Gewinner hervorging.

Ab 1732 formte er den Trevibrunnen und seine Umgebung in die heutige Form um. Er nutzte dafür die volle Länge des angrenzenden Palazzo Poli – sehr zum Leidwesen des dort lebenden Grafen Poli. Obwohl sich der Adlige beschwerte, dass der Neubau die Geschosshöhen seines Palastes ignorierte, wurde er abgewiesen. Im Jahr 1735 wurde der Brunnen eingeweiht, obwohl er sich noch voll im Bau befand. Erst 1762, und damit ganze elf Jahre nach Salvis Tod, wurde der Trevibrunnen fertiggestellt. Gründe dafür waren erneut das liebe Geld, doch auch die gesundheitlichen Probleme und die penible Arbeitsweise des Architekten. Mehrere Male ließ er Teile der markanten Felslandschaft im Brunnen neu fertigen.

Schließlich zeigte sich der Trevibrunnen jedoch in all seiner spätbarocken-frühklassizistischen Pracht: Einer Palastfassade ist mittig ein Triumphbogen vorgesetzt, in dessen Mitte eine Figur des Okeanos, des Vaters aller Flüsse, zu sehen ist. Das Wasser sprudelt wild über eine Felslandschaft, in der zahlreiche Meeresgestalten vorzufinden sind, um schließlich in ein flaches Becken zu münden. Doch warum ist dieser hübsche Brunnen nun so berühmte geworden? Die Antwort ist wohl in Hollywood zu suchen. Allen voran der Filmklassiker „La Dolce Vita“ von 1960 erhöhte die weltweite Popularität.

Die Hauptdarsteller Anita Ekberg und Marcello Mastroianni nahmen darin ein nächtliches Bad im Brunnen. Schon Jahre zuvor hatte sich durch den Film „Drei Münzen“ im Brunnen von 1954 die Tradition entwickelt, Münzen über die Schultern in das Wasser zu werfen: Eine Münze führe zur sicheren Rückkehr nach Rom, zwei Münzen sollten eine Liebesbeziehung zu einem Römer oder einer Römerin sicherstellen und drei Münzen sollten eine Hochzeit mit der entsprechenden Person heraufbeschwören.

Literatur
  • Fehrenbach, Frank: Compendia Mundi. Gianlorenzo Berninis Fontana dei Quattro Fiumi (1648-51) und Nicola Salvis Fontana di Trevi (1732-62). Berlin 2008.
  • Fischer, Heinz-Joachim: Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt. Köln 2001, S. 210–211.
  • Henze, Anton: Kunstführer Rom. Stuttgart 1994.

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