Der Spanische Platz

von Thomas Stiegler

Östlich des Tibers, genauer gesagt im Stadtviertel Campo Marzio, befindet sich einer der schönsten Plätze Roms. Es ist dies die „Piazza di Spagna“, die ihren Namen nach dem gleichnamigen Palazzo trägt, in dem sich die Botschaft Spaniens beim Heiligen Stuhl befindet.

Wenn man sich die Zeit nimmt, dann hat dieser Platz eine bewegte Geschichte zu erzählen. Sie zeigt sich nicht zuletzt an einer Reihe von Kulturdenkmälern, in deren Antlitz sich die verschiedensten Jahrhunderte spiegeln, die aber trotzdem ein harmonisches Ganzes bilden, ganz so, als wären sie der Hand eines einzigen Schöpfers entsprungen.

Wenn man es genau nimmt, dann besteht der Spanische Platz sogar aus zwei Plätzen ganz unterschiedlichen Charakters, die sich hier nur an ihren Spitzen berühren, und es war ursprünglich allein der südliche Teil, den man als Piazza de Spagna bezeichnete. Der nördliche Teil hingegen hieß seit jeher „Piazza di Francia“, und zwar der Kirche „Trinità die Monti“ wegen, die hier vom französischen König Ludwig XII. errichtet wurde. Erst langsam sollte sich dann Spanien, wenigstens dem Namen nach, über den gesamten Platz hinweg ausbreiten.

Blick von der Spanischen Treppe, © maksim_e

Trotz seiner langen Geschichte erhielt dieser Ort sein endgültiges Aussehen erst Anfang des 18. Jahrhunderts. Denn noch zur Zeit Papst Innozenz XIII. befand sich hier ein wild bewachsener Hügel, den man zwar als unpassenden Abschluss des dicht bebauten Stadtgebietes empfand, zu dessen Umgestaltung man sich aber nicht aufraffen konnte.

Einer der Gründe war, dass es hier verschiedene Gruppen gab, die um Einfluss rangen und ihre je eigenen Ideen durchzusetzen suchten. Auf der einen Seite waren es natürlich die römischen Bürger selbst (und an ihrer Spitze der Papst), die den Wunsch hatten, diesen Hügel in ihrem Sinne zu gestalten. Doch gleichzeitig hatte auch der französische König ein Interesse daran, diesem Platz seinen Stempel aufzudrücken. Denn schließlich waren es die Bourbonen, die hier ihre berühmte Kirche errichtet hatten und mit einer prächtigen Treppe wollte man den Platz ganz in ihrem Sinne abschließen.

So kam es, dass, obwohl bereits 1661 der Großteil der Finanzierung gesichert war (durch eine Spende des französischen Gesandten Etienne Gueffier), es noch 60 Jahre dauern sollte, bis die Arbeit wirklich in Angriff genommen wurde. In einer Inschrift heißt es dazu lapidar, dass das mit „dem Dazwischenkommen verschiedener Dinge“ zu tun hatte, was im Grunde nichts anderes bedeutet, als dass es zu einem handfesten Krach zwischen der französischen Krone und der römisch-katholischen Kirche kam.

Denn Ludwig XIV., auch bekannt als der „Sonnenkönig“, wollte hier, im Herzen der ewigen Stadt, ein Symbol seiner Macht errichten und plante dazu, eine einfache Treppe mit einem glorifizierenden Reiterstandbild seiner Selbst abzuschließen. Diese Machtdemonstration innerhalb seines engsten Wirkungskreises konnte der Vatikan natürlich nicht hinnehmen und nach langem Streit konnte sich schließlich Benedikt XIII. durchsetzen. Aus dem französischen Plan einer einfachen Treppe und der Statue Ludwigs XIV. wurde die heute so berühmte „Spanische Treppe“ und der französische König musste sich schließlich mit einer Gedenktafel zufriedengeben.

Entworfen wurde die Treppe von Francesco de Sanctis, der sich in einem öffentlichen Wettbewerb gegen seine Konkurrenten durchsetzen konnte.

Es war auch ganz gut, dass man sich auf seine Erfahrung verlassen hatte, denn er zeigte sich allen Schwierigkeiten gewachsen und schuf ein Bauwerk, das sich elegant über eine Seite des Hügels ergießt und sich äußerst harmonisch zwischen die Kirche und den Spanischen Platz einfügt.

Spanische Treppe und Kirche Trinità dei Monti , © EnginKorkmaz

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Vielen Menschen ist die Treppe nur zu gut bekannt, gehört sie doch mit zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Deshalb werde ich hier nur eine kleine Beschreibung versuchen. Beginnend auf der Piazza de Spagna besteht die „Spanische Treppe“ aus einem zentralen Aufgang mit zwei seitlichen Läufen. Nach einem Drittel der Steigung treffen diese auf einer ersten Terrasse zusammen, um sich wieder zu trennen und die zweite Terrassenmauer zu umfließen. Danach folgt eine sich verengender, mittig gelegener Treppenteil, der sich vor der letzten Terrassenmauer wieder teilt und endlich zur Kirche Trinità dei Monti führt.

Hat man die Kirche besucht und macht sich auf den Rückweg, dann stößt man am unteren Ende der Treppe unweigerlich auf einen kleinen Brunnen, der hier aus dem Boden zu wachsen scheint. Es ist das der berühmte „Fontana della Barcaccia“, der zwischen 1627 und 1629 von Pietro Bernini erbaut wurde.

Er schuf dieses Bauwerk in Erinnerung an das Hochwasser des Jahres 1598 an, als der Tiber über seine Ufer trat und die Heilige Stadt verwüstete. Doch an Heilig Abend soll das Wasser langsam abgeflossen sein und an der Stelle, an der heute der Brunnen steht, strandete ein Fischerboot.

Berninis ist es in seiner Meisterschaft gelungen, die perfekte Illusion eines Bootes zu erschaffen, das trotz seiner barocken Pracht etwas Tragisches an sich hat. Denn umgeben von einem flachen Wasserbassin sprudelt aus seinem Inneren stetig Wasser, das sich über die Bootswand ergießt und so die Illusion erschafft, als würde es das Schiff über die Jahrhunderte hinweg fest in seinen Händen halten.

Doch das Motiv des gesunkenen Kahnes wurde nicht nur wegen seiner Geschichte gewählt, sondern es gab dafür auch profanere Gründe.

Barcaccia Brunnen, © jopstock

Denn der Brunnen wurde von der „Aqua Virgo“ mit Trinkwasser versorgt, der wegen seines schwachen Wasserdruckes ungeeignet gewesen wäre, die Strahlen und Wasserfälle eines höher gelegenen Brunnens zu versorgen. So war Bernini gezwungen, seiner Phantasie mehr Raum zu lassen und er fand die Lösung, die wir noch heute bewundern können.

Übrigens kann man an Bug und Heck einige kleine Symbole erkennen. Es sind dies die Sonne und Bienen als heraldisches Symbol des Papstes Urban VIII. Barberini, der den Brunnen in Auftrag gab und dem wir dieses wunderbare Kleinod aus der Hand Pietro Berninis verdanken.

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