Der Johannisfriedhof

von Anja Weinberger

Der Johannis-friedhof

von Anja Weinberger

Der Nürnberger Johannisfriedhof wurde ursprünglich als Begräbnisstätte für einen 1234 an der Handelsstraße in Richtung Frankfurt eingerichteten Siechenkobel erbaut.

Damals griff die Lepra um sich und man verbannte die Kranken aus der Stadt hinaus vor die Stadtmauer. Nur so meinte man, sich vor der sehr ansteckenden Krankheit schützen zu können.

Natürlich gehört zu einem Friedhof eine Kapelle, und diese wurde im Laufe der Jahre zu einer stattlichen Kirche erweitert.

(Auf einem Aquarell Albrecht Dürers, vermutlich aus dem Jahr 1489, ist diese Kirche noch von einer ganzen Schar Häuser umgeben, die dort bis 1888 standen, ehe sie abgebrochen wurden.)

Die nur einige Jahrzehnte später wütende Pest ließ den Friedhof ab 1395 stetig anwachsen und man fügte ihm ein zweites Gotteshaus am Platz der heutigen Holzschuherkapelle bei.

 

 

A. Dürer, Johannisfriedhof, Kunsthalle Bremen, lizenzfrei

 

Ab 1518 durften schließlich innerhalb der Stadtmauern überhaupt keine Bestattungen mehr vorgenommen werden. Der Rat der Stadt Nürnberg versuchte so die Seuchengefahr einzudämmen. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle Toten der Sebalder Stadthälfte auf dem Johannisfriedhof beerdigt.

Heute gehört der Johannisfriedhof zu den schönsten und kulturgeschichtlich interessantesten Friedhöfen Europas. Die älteren Gräber sind mindestens seit 1520 mit liegenden, in der Größe genormten Grabsteinen, bedeckt. Ein häufiger Grabschmuck ist das am Kopfende gepflanzte Rosenbäumchen. Auf über 1500 der Grabsteine sind Bronze-Epitaphien angebracht, die im 16. Jahrhundert aus den berühmten Rotgießereien von Peter Vischer d. Ä., Benedikt Wurzelbauer oder Pankraz Labenwolf stammten. Die Epitaphien geben Auskunft über mancherlei Interessantes aus dem Leben der Verstorbenen und ihr kunstgeschichtlicher Wert wurde frühzeitig erkannt. Auch heute noch müssen alte Epitaphien bei einer Neubelegung des Grabes übernommen werden. So gleicht ein Spaziergang über den Johannisfriedhof dem Schmökern in der bürgerlichen Geschichte der Stadt Nürnberg.

Johannisfriedhof, im Hintergrund die Johanniskirche, Foto: privat

Johannisfriedhof, Kreuzwegsstation und Holzschuherkapelle, Foto: privat

Aus der Innenstadt führt ab dem Tiergärtnertor ein Kreuzweg zum Friedhof, dessen sieben Stationen zwischen 1506 und 1508 von Adam Kraft geschaffen wurden. Neben der 7. Station betritt man den Gottesacker durch eines der beiden Rundbogenportale aus dem 17. Jahrhundert.

Ein Spaziergang auf dem Nürnberger Johannisfriedhof ist in allen vier Jahreszeiten zu empfehlen. Die unterschiedlichen Bepflanzungen im Frühjahr und Herbst lassen immer wieder staunen ob der Blütenfülle.

Die Gräber wurden seit der Anlage des Friedhofes mit Nummern versehen, so dass jede Liegestätte anhand des vorhandenen Lageplans recht einfach entdeckt werden kann.

 

Mehr aus der Stadtschreiberei beim Leiermann

Eine kleine Auswahl bekannter Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben:

 

Theodor von Cramer-Klett, Unternehmer

Albrecht Dürer, Maler und Grafiker

Anselm Feuerbach, Maler

Veit Hirsvogel, Glasmaler

Wenzel Jamnitzer, Goldschmied und Kupferstecher

Martin Peller, Kaufmann

Willibald Pirckheimer, Humanist und Kaufmann

Hans Sachs, Schumacher und Sänger

Joachim von Sandrart, Maler, Kupferstecher und Kunsthistoriker

Veit Stoß, Bildhauer und Hilzschnitzer

Johann Christoph Volkamer, Fabrikant und Botaniker

William Wilson, erster Lokomotivführer Deutschlands

Benedikt Wurzelbauer, Erzgießer

Wieso fehlen in dieser Liste z. B. Johann Pachelbel und Peter Vischer, ebenfalls berühmte Bewohner Nürnbergs? Sie sind auf dem zweiten historischen Friedhof der Stadt beerdigt worden – auf dem Rochusfriedhof südlich der Pegnitz.

(Sehr liebevoll und aufwendig hat Volker Dittrich auf seiner Seite im Netz viele Epitaphien des Johannisfriedhofes beschrieben.)

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