Caspar Walter

 

 

 

von Christian Schaller

Caspar Walter (1701-1769) – der bedeutendste Brunnenmeister der Wasserstadt Augsburg

Wasser ist ein kostbares Gut und eine knappe Ressource – das gilt nicht nur weltweit, sondern auch durch alle historischen Epochen hindurch. In der Stadt Augsburg wurde das ebenfalls schon sehr früh erkannt. Doch nicht nur das: Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war die Reichsstadt geradezu ein europäisches Mekka der Wasserkunst und -technik. Ein Protagonist dieses komplexen Wassersystems war in der Barockzeit der Brunnenmeister Caspar Walter. Er trug maßgeblich zu Augsburgs Ruf als Stadt des Wassers bei. Im Jahr 2019 erhielt die Stadt dann sogar einen offiziellen UNESCO-Titel: Das weltweit einzigartige Wassermanagement-System mit insgesamt 22 Monumenten quer durch alle Epochen und verteilt über das gesamte Stadtgebiet ist nun ein eingetragenes Weltkulturerbe.

Caspar Walter wurde 1701 in eine Augsburger Zimmermannsfamilie hinein geboren. Das 18. Jahrhundert hatte gerade begonnen und es läutete sowohl in Augsburg als auch im gesamten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation eine Epoche ein, die von der Aufklärung, aber auch dem Totentanz dieses Alten Reiches geprägt sein sollte. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges sah sich die altehrwürdige Reichsstadt Augsburg zunächst einer Katastrophe gegenüber. Bereits vor dem Krieg war der Stern der Stadt gesunken. Die Zeit der kapitalstarken Handelshäuser und der Reichstage war vorüber.

Augsburg war wirtschaftlich, politisch und damit eigentlich auch kulturell unwichtig geworden, während andere, neue Zentren aufstiegen. In der Barockzeit kompensierte die Stadt Augsburg den Verlust ihrer Relevanz deshalb, indem sie sich zu einer europaweit wichtigen Kunstmetropole mauserte – im Bereich der Malerei, aber auch des Kunsthandwerks. Gold- und Silberschmiedearbeiten aus Augsburg waren an den Höfen Europas bald begehrt und Kunstagenten sorgten dafür, dass der Ruf der Stadt immer weiter stieg. Augsburg war auch immer noch ein wichtiger Ort des Druck- und Verlagswesens. Die Schriften der Aufklärung kamen in die Stadt und wurden nicht nur publiziert, sondern auch begierig gelesen.

In dieser Zeit wuchs Caspar Walter auf und machte sich schon früh einen Namen als fähiger Handwerker. Bereits 1728, also mit 27 Jahren, wurde er zum Brunnenmeister des Unteren Brunnenwerks im Domviertel ernannt. Er baute die Anlage um und verbesserte sie, womit er sein Können einwandfrei bewies. Brunnenmeister galt in dieser Zeit als eine ungemein angesehene und anspruchsvolle Stellung in Augsburg. Einem solchen Brunnenmeister oblag die Aufsicht über die öffentlichen Brunnen, Wasserleitungen und Wasserkünste eines Ortes.

Die funktionierende Trinkwasserversorgung war im Mittelalter und der frühen Neuzeit von zentraler Wichtigkeit für das Überleben und Florieren einer Stadt und ging mit großer Verantwortung einher. Bereits 1741 wurde Walter dann zum Obersten Brunnenmeister ernannt. Von nun an residierte er direkt am Hauptbrunnenwerk der Stadt, der großen Anlage um die Wassertürme am Roten Tor.

Caspar Walter bemühte sich auch stets um die Vorführung und Vermittlung der technischen Entwicklungen. Er setzte sich nicht nur mit Technik und der humanitär begründeten Verbesserung der Wasserversorgung auseinander, sondern auch mit der Theoriebildung. Dies beweist die Veröffentlichung zahlreicher Fachbücher und Instruktionen über Zimmerei, Brückenbau und Brunnenwerke. Im Jahr 1754 veröffentlichte er die Hydraulica Augustana, im Jahr 1765, nur vier Jahre vor seinem Tod, folgte dann die Architectura Hydraulica.

Augsburg © Christian Schaller

Caspar Walter war somit zusammenfassend für den Umbau und die Effizienzsteigerung der Brunnenwerke am Domviertel, versorgt durch das sogenannte Unteres Brunnenwerk, und nachfolgend für das große Brunnenwerk mit den drei Wassertürmen am Roten Tor verantwortlich. Er entwickelte das jahrhundertealte System vom frühneuzeitlichen bis zu einem protoindustriellen Maßstab weiter und adaptierte es für eine gesteigerte Wasserversorgung.

Augsburg war für sein Wissen um das Wasser weltberühmt. Die Stadt besaß ab dem späten Mittelalter eine exzellente Wasserversorgung und beschäftigte qualifizierte Handwerker und Meister für den Unterhalt und die Weiterentwicklung. Augsburger Pumpenkonstrukteure waren teilweise sogar europaweit tätig und die städtischen Wasserwerke wurden von prominenten Besuchern aus ganz Europa besichtigt.

Das Buch „Augsburger Kulturgeschichten“ soll eine Mischung aus klassischem Stadtführer und geschichtswissenschaftlichem Essay sein. Es möchte die zahllosen Facetten der Augsburger Kulturgeschichte in Form von kleinen Anekdoten widerspiegeln, die wiederum auf die großen Entwicklungslinien der Stadtgeschichte verweisen und chronologisch durch 2000 Jahre Historie von den Römern bis zur Gegenwart führen.

Verwendete Literatur
  • Kluger, Martin: Historische Wasserwirtschaft und Wasserkunst in Augsburg. Kanallandschaft, Wassertürme, Brunnenkunst und Wasserkraft. Augsburg 2012.
  • Ruckdeschel, Wilhelm: Technische Denkmale in Augsburg. Eine Führung durch die Stadt. Augsburg 1984.
Wollen Sie immer über die neuesten Aktivitäten informiert werden?

Das Buch zur Stadt Augsburg

Alle Artikel zu Augsburg

Der Leiermann Buchverlag

Der Leiermann

Nur eine E-Mail

Erhalten Sie unseren Newsletter und lesen Sie Interessantes aus der Welt der Kunst und Kultur, Beiträge aus der Geschichte und immer das Neueste vom Leiermann.
Zur Anmeldung
close-link

Pin It on Pinterest

Share This