Der Alexanderplatz

 

 

 

von Christian Schaller

Der Alexanderplatz

 

 

von Christian Schaller

Der berühmteste Platz Berlins und der größte Platz Deutschlands

 

Jeder Stadt ihren berühmten Platz: New York hat den Times Square, Venedig den Markusplatz und Berlin besitzt mit dem Alexanderplatz nicht nur einen historisch ungemein faszinierenden Ort und eine touristische Hauptsehenswürdigkeit, sondern zugleich auch den größten Platz Deutschlands. Im Lauf seiner Geschichte wurde er in zahlreichen Gemälden und Gedichten, Romanen und Filmen verewigt. Denkt man an Berlin als pulsierende, moderne Großstadt, so denkt man in aller Regel an den quirligen Alexanderplatz, über den seit über 200 Jahren tagein und tagaus zahllose Menschen strömen.

Ursprünglich lag das Areal noch vor den Toren des frühneuzeitlichen Berlins. Hier liefen alle wichtigen Straßen aus dem Norden zusammen, die beispielsweise zur Ostsee und den dortigen Hansestädten führten. Als Berlin zur Hauptstadt Preußens wurde, benannte man das Tor an dieser Stelle in Königstor um, da der frisch gekrönte Herrscher, Friedrich I., an dieser Stelle in seine neue Residenz einzog. Im 18. Jahrhundert wurde die Stadtmauer abgetragen und Berlin wuchs stark in alle Himmelsrichtungen.

Der „Königs Thor Platz“ befand sich nun inmitten der florierenden Metropole. In den frühen 1750er Jahren lebte sogar der berühmte aufklärerische Dichter Gotthold Ephraim Lessing in einem Haus am Platz. Im Jahr 1800 wurde eine Militärhalle errichtet, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bestehen sollte. Rund um das Exerzierhaus samt Paradeplatz siedelten in der Folge ehemalige Soldaten, aber auch Handwerker und Manufakturarbeiter. Während der südliche Teil der unregelmäßigen Freifläche als Paradeplatz genutzt wurde, fand im nördlichen Teil auch weiterhin Markttreiben statt, so unter anderem auch jeden Juni die wichtigste Wollmesse Deutschlands.

Nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm III. hier im Jahr 1805 den russischen Zaren Alexander I. empfangen hatte, benannte er den Ort kurzerhand in Alexanderplatz um. Im gesamten 19. Jahrhundert wuchs die Bedeutung des Platzes als Verkehrsknoten innerhalb der pulsierenden Residenzstadt Berlin immer weiter an.

Dies zeichnete sich auch in der nach und nach neu entstehenden Wohnbebauung ab, die immer höher ausfiel und allmählich die ansässigen Manufakturen und Militärgebäude verdrängte. Zugleich siedelten sich auch die bis in die Gegenwart charakteristischen Kaufhäuser und Konsumtempel vor Ort an. Nach den deutschen Einigungskriegen bis 1871 begann die eigentliche Blütezeit des Alexanderplatzes, der innerhalb der Reichshauptstadt Berlin rasch zu einem Inbegriff des großstädtischen, mondänen Lebens avancierte.

Große Warenhäuser entstanden rund um die Freifläche, so etwa das berühmte Kaufhaus „Tietz“ oder auch das „Wertheim“ und das „Hahn“. Mit dem Aufkommen der Elektrizität tauchten bunte, beleuchtete Reklametafeln auf, die den weltstädtischen Eindruck nur noch intensivierten.

Foto privat

Die Bedeutung des „Alex“ setzte sich auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fort. In der Weimarer Republik war der lebendige, moderne und menschenreiche Platz geradezu ein Symbol der quirligen Goldenen Zwanziger. Da der Verkehr allmählich zunahm, projektierten die Behörden auch immer wieder Eingriffe und Umbauten, die jedoch nur teilweise umgesetzt wurden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges, während der finalen Schlacht um Berlin, wurde der Alexanderplatz weitgehend zerstört. In der Wiederaufbauzeit erfolgte darum die großangelegte Enttrümmerung des Areals. Zugleich konnten nun die alten Ideen eines autogerechten Platzes angewandt werden. Der Alexanderplatz veränderte abermals sein Gesicht.

Da der Osten Berlins schließlich Teil der neugegründeten DDR wurde, geriet der nach wie vor bedeutsame und zentrale Platz schnell ins Visier der sozialistischen Regierung. Sie wollte den Platz nach den Idealen ihrer Ideologie gestalten. Dies beinhaltete nicht nur weitere Abrisse und neue Gebäude, sondern auch eine Verkehrsführung um den Platz herum. Die Freifläche selbst sollte zu einer Fußgängerzone werden. Das berühmteste Relikt dieser Zeit ist sicherlich die zehn Meter hohe Urania-Weltzeituhr, die 1969 aufgestellt wurde und auf ihrer Metallrotunde die aktuelle Zeit von 146 Orten anzeigt.

Nach der Wende um 1990 erfasste der Bauboom den Platz erneut und es kam – vor allem auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts – ein weiteres Mal zu Umgestaltungen und Renovierungen. Heute ist der Alexanderplatz immer noch ein zentraler Knotenpunkt im Berliner Stadtgefüge. Bewohner und Touristen tummeln sich hier, um die zahlreichen Geschäfte und Kaufhäuser zu besuchen. Hier kreuzen sich Linien der S-Bahn und U-Bahn und zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten wie der Fernsehturm sind nur einen Steinwurf entfernt. Der Alexanderplatz gilt gegenwärtig als der meistbesuchte Ort Berlins und als einer der belebtesten Plätze Europas.

Literatur
  • Gernot Jochheim: Der Berliner Alexanderplatz. Berlin 2006.

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