Das Ulrichsviertel

 

von Christian Schaller

Das Ulrichsviertel in Augsburg – im Schatten der mächtigen Basilika

Das Ulrichsviertel entspricht in etwa dem südlichen Teil der Augsburger Altstadt. Es erstreckt sich rund um das namensgebende Münster, die Basilika St. Ulrich und Afra, deren über 90 Meter hoher Turm ein weithin sichtbares Wahrzeichen der ganzen Stadt ist. In der Kirche befinden sich die Grablegen der drei heiligen Stadtpatrone von Augsburg: neben Afra und Simpert ist das allen voran der berühmte Ulrich. Er war ein Bischof des zehnten Jahrhunderts, der die Stadt im Vorfeld der legendären Schlacht auf dem Lechfeld 955 gegen die Magyaren halten konnte, bevor König Otto (später: der Große) mit seinem vereinten Heer anrücken konnte. Ulrich war nach seinem Tod der erste kanonisierte Heilige der katholischen Kirche, also der Erste, der vom Papst offiziell heiliggesprochen wurde.

©ChristianSchaller

Das Ulrichsviertel wird bis in die Gegenwart durch seine idyllischen, engen Gassen und die kleinteiligen Häuschen bestimmt. Viele Dächer sind mit den traditionellen Biberschwanzziegeln eingedeckt, die seit dem Mittelalter typisch für die Behausungen der ärmeren Bevölkerung und der Handwerker waren. Im Viertel waren zur Zeit der Reichsstadt Augsburg viele Maler und Feilenhauer ansässig, aber die Gegend erfüllte durchaus auch andere wichtige Zwecke. So verweist der Straßenname Kitzenmarkt auf den ursprünglichen Rehmarkt, der hier abgehalten wurde. Im östlichen Ulrichsviertel liegen zugleich die Befestigungsanlagen rund um das Rote Tor. Hier befand sich einer der Hauptzugänge in die Stadt. Von hier aus führte die Straße Richtung Süden, nach Italien – über viele Jahrhunderte ein wichtiges Ziel für Händler, aber auch königliche Feldzüge. Gleichsam befand sich am Roten Tor ein großes Wasserwerk, dessen Wassertürme einen Großteil der florierenden Handelsmetropole mit dem wichtigen Trinkwasser versorgten.

 

Ähnlich wie das direkt benachbarte Lechviertel konnte auch im Ulrichsviertel über alle Epochen und Kriege hinweg sehr viel Bausubstanz erhalten werden. Das ruhige, aber durchaus von Gastronomie und kleinen Geschäften erschlossene Viertel bietet in unserer Gegenwart einen urigen und erholsamen Gegenpol zur nahen Maximilianstraße oder Annastraße, wo das urbane Leben pulsiert.

 

Literatur

 

Holzheu, Werner: Lechviertel und Ulrichsviertel: Geschichte und Kultur. Augsburg 2013.

 

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