Das Kapitol in Rom

 

von Christian Schaller

Das Kapitol in Rom

 

von Christian Schaller

Das Kapitol in Rom

– der wichtigste Hügel Europas?

Seit Jahrhunderten erhebt sich der Hügel des Kapitols trutzig über die ewige Stadt Rom. Er überblickt die antiken Ruinen des Forum Romanum bis hin zum Kolosseum im Süden, aber auch die von Renaissance- und Barockpalästen übersäte Altstadt im Norden bis hin zur Kuppel des Petersdoms in der Ferne. Woher der Name des Kapitols kommt, ist bis heute umstritten. Die Römer selbst machten es sich da leichter: Das Wort „caput“ bedeutet „Kopf“ im Lateinischen. Die Endung „-ol“ musste von einem Namen herrühren. Somit war der Fall in der Antike klar: In Urzeiten war das Kapitol einmal die Schädelstätte des etruskischen Herrschers Olus aus der Stadt Vulci. Tatsächlich wurde sein Schädel dort irgendwann auch einmal gefunden – soweit zumindest die Legende.

Zur Zeit der Königsherrschaft, als Rom noch jung und klein war, wurde die Südspitze des unbebauten Kapitols, der sogenannte Tarpejische Felsen, angeblich zur Vollstreckung von Todesurteilen genutzt. Der Hügel selbst besaß zwei Kuppen, getrennt durch eine kleine Senke. Auf der nördlichen Erhebung befand sich ab dem sechsten Jahrhundert eine kleine Fluchtburg. Auf der südlichen Kuppe stand seit dieser Zeit auch das Capitolium, der zentrale Tempel Roms, in dem die Kapitolinische Trias, bestehend aus Jupiter, Juno und Minerva, verehrt wurde.

Hier endeten die Triumphzüge über das Forum und hier wurden Konsuln in ihr Amt eingesetzt. Mit der Zeit wurden immer mehr Tempel und Altäre errichtet. Das Kapitol war damit ab der Zeit der Republik einer der wichtigsten religiösen Orte des Imperiums. Diese Stellung sollte er auch über die gesamte Kaiserzeit hinweg und bis in die Spätantike hinein behaupten.

© Christian Schaller

© Christian Schaller

Nach dem Ende der Antike verfiel der Hügel etwas, doch er war immer noch von großer Bedeutung für das geschrumpfte, jedoch immer noch berühmte Rom. Im Mittelalter wurden die Stadtrömer wieder selbstbewusst und richteten nach und nach eine kommunale Verwaltung ein. Auf dem südlichen Kapitol stand nun das Verwaltungsgebäude der sogenannten comune. Nördlich davon entstand die Kirche Santa Maria in Ara Coeli.

Ein erster Senatorenpalast wurde nun auf dem Kapitol errichtet, der baulich bereits den neuen urbanen Realitäten entgegenkam: Der Neubau wandte sich nach Norden, denn hierher hatte sich der neue Schwerpunkt der Stadt verlagert und hier wohnten die Menschen des Mittelalters. Südlich des Hügels lagen die weniger besiedelten Ruinen der römischen Antike.

Nach dem verheerenden Sacco di Roma im Jahr 1527 war auch das Kapitol in einem desolaten Zustand. Etwa zehn Jahre später entwarf der berühmte Künstler Michelangelo dann eine neue Platzanlage auf dem Kapitol, ganz nach den Formen und Ideen der Renaissance. Er plante einen repräsentativen Platz, der von drei streng gegliederten, ehrwürdigen Bauten umgeben ist. Die Ausführung von Michelangelos Plänen zog sich jedoch bis in das 17. Jahrhundert hin. Seitdem präsentiert sich der Ort in seiner bis heute charakteristischen Form: Auf einem rechteckigen Platz steht das antike Reiterstandbild von Kaiser Mark Aurel.

Dahinter erhebt sich das Rathaus der Stadt Rom, der sogenannte Senatorenpalast. Er wird flankiert vom Konservatorenpalast sowie dem sogenannten Neuen Palast. Eine breite Treppe führt vom Fuße des Hügels hinauf auf die symmetrisch gestaltete Freifläche. Das Kapitol stellt auch in der Gegenwart noch eine wichtige Sehenswürdigkeit Roms dar, nicht zuletzt, weil sie einen wunderschönen Blick über das angrenzende Forum Romanum bietet.

Literatur

Filippo Coarelli: Rom. Ein archäologischer Führer. Mainz 2000, S. 44–55.

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