Das Brandenburger Tor

 

von Christian Schaller

Das Brandenburger Tor in Berlin

Denkt man an Berlin, so denkt man an das Brandenburger Tor. Die deutsche Hauptstadt hat sicherlich viele Sehenswürdigkeiten und wertvolle Architektur zu bieten, doch mit keinem Ort verbindet man Berlin mehr als mit dem schlichten, würdevollen Triumphtor, das seit über 200 Jahren Bewohner und Besucher gleichermaßen in seinen Bann zieht.

Der Vorgänger des Tores war tatsächlich exakt das: ein Durchgang in der Stadtbefestigung. Natürlich waren das ab dem 18. Jahrhundert keine Stadtmauern im eigentlichen Sinne mehr, sondern nur eine niedrige Zollmauer, die sich um die wachsende Metropole zog. Doch König Friedrich Wilhelm hatte am Ende des Jahrhunderts hochtrabendere Pläne. Berlin musste vorzeigbar sein und das umfasste natürlich auch vor allem die Eingänge in die Stadt. Dennoch wurde das Tor nicht nach außen, zum Besucher hin, ausgerichtet, sondern stadteinwärts. Gerade den Bewohnern der Hauptstadt sollte die Macht und Pracht vor Augen geführt werden.

In Preußen hatte mittlerweile der auf die Antike bezugnehmende Klassizismus den Barock abgelöst und so war auch schnell ein direktes Vorbild für das Projekt gefunden: die Propyläen, also das Eingangstor der Athener Akropolis. Friedrich Wilhelm sah sich damit in einer Linie mit dem großen antiken Staatsmann Perikles und benannte sein Projekt auch dementsprechend als „Friedenstor“. Natürlich war es aber immer noch das Zeitalter des Absolutismus und besagter „Friede“ bedeutete gleichzeitig auch eine angestrebte und symbolisch zur Schau gestellte Vormachtstellung Preußens in Europa.

© Christian Schaller

Das Ensemble wurde bis 1793 fertiggestellt und bestand aus einem zentralen Tor mit aufgesetzter Quadriga sowie zwei kleineren Flügeln an den Seiten. Der Entwurf stammte von Carl Gotthard Langhans, während der Bildhauer Johann Gottfried Schadow den Streitwagen mit der Siegesgöttin gestaltete. Mit dem Brandenburger Tor war der Startschuss für die Etablierung des Klassizismus als der staatstragenden Architektur in Berlin und Preußen gegeben. Eine lange Straße durchschnitt den Tiergarten, damals noch vor der Stadt gelegen, durchquerte das offene Tor und führte als Prachtmeile Unter den Linden weiter zur Spreeinsel, wo sich alle wichtigen Repräsentationsbauten, der Dom und das Stadtschloss befanden.

Das Tor entwickelte sich im Lauf der letzten 200 Jahre zum unangefochtenen Wahrzeichen Berlins, aber auch zum Symbol Deutschlands, mit dem man viele historische Ereignisse verband. Wenige Jahre nach seiner Errichtung symbolisierte es etwa die Überwindung der napoleonischen Herrschaft durch die bis 1815 ausgetragenen Befreiungskriege. Die von den Franzosen entwendete Quadriga konnte daran anschließend wieder nach Berlin zurückgeführt werden.

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Doch auch in der Kaiserzeit ab 1871, der Weimarer Republik und während des nationalsozialistischen Regimes wurde das Tor immer wieder für öffentlichkeitswirksame Feiern und Aufmärsche genutzt. Nach der Einrichtung der Berliner Mauer stand das Tor direkt an der Grenze zwischen West- und Ost-Berlin. Nach der Wiedervereinigung wurde es somit rasch zum Symbol des wiedervereinten Deutschlands. Nicht zuletzt ziert es die Rückseiten der 10-, 20- und 50-Cent-Münzen.

Literatur

Pöthe-Elevi, Zitha: Das Brandenburger Tor. Geschichte eines Berliner Urgesteins. Berlin 2021.

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