Bruckner – der Musikant Gottes

von Christine Piswanger-Richter

Die Freude war sicherlich groß, als am 4. September 1824 Anton Bruckner als erstes Kind des gleichnamigen Lehrers und dessen Frau Theresia in Ansfelden zur Welt kam.

Ihm sollten noch elf Geschwister nachfolgen. Als Lehrer war Bruckners Vater auch für kirchenmusikalische Dienste zuständig, daher kam auch Anton Junior früh mit Klavier, Geige und vor allem der Orgel in Berührung. Mit zehn Jahren übernahm er bereits Orgeldienste. Nach dem frühen Tod des Vaters erhielt er im Stift Sankt Florian seine erste musikalische Ausbildung und wirkte als Sängerknabe. Wie schon der Vater wollte auch er Lehrer werden und besuchte daher das Lehrerseminar in Linz. Er wurde Schulgehilfe, aber bald kam es zu Problemen, denn der junge Bruckner hat mehr komponiert und an der Orgel improvisiert als sich um seine Schüler gekümmert.

1845 bestand er dann die finale Lehrerprüfung und wurde Hilfslehrer in Sankt Florian. In den folgenden zehn Jahren mutierte Bruckner vom Lehrer zum Musiker. Er perfektionierte mit größter Leidenschaft sein Orgelspiel und brachte es schließlich zum Stiftsorganisten in St. Florian. Die in dieser Zeit entstandenen Kompositionen – ein Requiem, eine Missa solemnis und einige Motetten und Psalm-Vertonungen – fanden Anklang. In Wien unterzog er sich erfolgreich einer Orgelprüfung und nahm Unterricht beim Musiktheoretiker Simon Sechter.

1855 wurde Bruckner Domorganist in Linz, obwohl er sich ursprünglich gar nicht dafür beworben hatte. Er war einfach unschlagbar an der Orgel, vor allem in Improvisation. Den Schullehrerberuf gab er auf und wirkte auch als Chormeister eines Männerchores, für den er ebenfalls komponierte. Bei seinem Abschluss der Musiktheoriestudien bemerkte der Dirigent Johann von Herbeck: »Er hätte uns prüfen sollen.«1 Trotz dieses Lobes nahm er weiterhin Unterricht in Linz bei dem um zehn Jahre jüngeren Theaterkapellmeister Otto Kitzler, der Bruckner darin bestärkte zu komponieren. Nun schrieb Bruckner seine ersten größeren Instrumentalwerke, u. a. ein Streichquartett und die Studiensinfonie. Damit betrachtete Kitzler Bruckners Studien als erfolgreich absolviert.

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Ab 1864 schrieb Bruckner drei große Messen und die Sinfonie Nr. 1 in c-Moll. Diese wurde 1868 uraufgeführt und kam beim Publikum und sogar beim gestrengen Rezensenten Eduard Hanslick gut an. Im selben Jahr übersiedelte Bruckner nach Wien und trat die Stelle seines vormaligen Mentors Sechter am Wiener Konservatorium an. Die Sinfonie Nr. 2 in c-Moll brachte ihm eine erste negative Kritik von Eduard Hanslick ein. Als Bruckner seine 3. Sinfonie dem von ihm geschätzten Richard Wagner widmete, hatte er sich’s komplett mit Hanslick verscherzt. 1881 wurde schließlich die 4. Sinfonie uraufgeführt. Damit hatte er die Kritiker wieder einigermaßen versöhnt, seine Qualitäten als Organist waren immer geschätzt worden. Der große Durchbruch als Komponist erfolgte dann mit der Uraufführung der 7. Sinfonie 1884, die in Leipzig stattfand.

Auch für Bruckner war die Nummer 9 schicksalshaft und unvollendet. Der »Musikant Gottes« starb mit 72 Jahren 1896 in Wien. Ihm zu Ehren findet seit 1974 alljährlich in Linz das Brucknerfest statt.

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