Augsburg als barocke Kunstmetropole

von Christian Schaller

Die Zeit des Barocks lässt sich in der Augsburger Stadtgeschichte ungewöhnlich exakt von anderen Epochen abgrenzen. Sie umfasst die Jahre zwischen 1648 und 1806, also dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches.

In diesen gut 150 Jahren herrschte in der gemischtkonfessionellen Reichsstadt das System der Parität, das Katholiken und Protestanten gleichberechtigte.

Die Renaissance war das goldene Zeitalter der Reichsstadt Augsburg gewesen, in der Fernhandel, Unternehmertum und Kulturleben in höchster Blüte standen. Vor allem die Familie Fugger kam durch den Bergbau und den Handel mit Kupfer oder Quecksilber zu sagenhaftem Reichtum. Die allgemeine Infrastruktur änderte sich auch nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht – noch immer kumulierten Geld und Metalle in der Stadt am Lech.

Bereits zu Beginn der frühen Neuzeit hatten die Silber- und Goldschmiede eine erste Hochphase erlebt, allein zwischen 1555 und 1595 verdreifachte sich die Zahl der Augsburger Kunsthandwerker von 63 auf 200. Diese wirtschaftliche wie künstlerische Blüte in der späten Renaissancezeit endete mit dem Dreißigjährigen Krieg und die meisten Gewerbe verloren einen Großteil ihrer Vermögen.

© Christian Schaller

Neben den baulichen Zerstörungen widmete sich die Stadt Augsburg nach dem Dreißigjährigen Krieg darum umso intensiver dem kulturellen und wirtschaftlichen Wiedererstarken. Eine neue Generation von Kunsthandwerkern und Kaufleuten entstand. Das Goldschmiedehandwerk übernahm dabei rasch eine führende Rolle, im Jahr 1688 besaßen sie bereits 52,3 % des Gesamtvermögens aller Augsburger Bürger. Bedeutende Aufträge aus ganz Europa folgten. Jedoch verbessern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in der paritätischen Reichsstadt nur langsam.

Besonders betroffen ist dabei das Weberhandwerk, denen die einträglicheren, protoindustriellen Kattunfabriken in der Barockzeit zunehmend zu einer Konkurrenz wurden. Zudem war die Verständigung zwischen den Katholiken und Protestanten oft kompliziert. Die Gleichstellung ist durch den Westfälischen Frieden und die beschlossene Parität zwar verpflichtend, jedoch nicht immer gelebter Alltag und Herabwürdigungen sind an der Tagesordnung.

Trotz aller Differenzen und Schwierigkeiten avanciert Augsburg zum führenden Kunstzentrum Süddeutschlands. Die konfessionellen Reibungen könnten hierzu vielleicht sogar beigetragen haben, da sie zu einem gesunden, anspornenden Wettbewerb antrieben. Die Konfessionen wollten sich gegenseitig ausstechen und übertrumpfen, indem sie immer ausgefeiltere und raffiniertere Kunstwerke erschufen. Der Status Augsburgs als Stadt des Buchdrucks in der Renaissancezeit wird im Barock ebenfalls beibehalten und ausgebaut. Augsburg gilt als wichtiger Verlagsort im Reich.

Doch auch Wissenschaft, Bildung und Musik florierten weiterhin in der Stadt am Lech. Bereits im Jahr 1582 wurde nördlich des Doms ein Jesuitenkolleg gegründet, das bis 1807 bestehen sollte. 1619 gliederte man das benachbarte Gymnasium St. Salvator an. Es bot jungen Augsburger Katholiken die Möglichkeit, ohne Standesunterschied kostenlos zur Schule zu gehen. Berühmtester Schüler dieser Bildungseinrichtung war gewiss Leopold Mozart (1719-1787), der Vater des berühmten Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Leopold wurde 1719 im Augsburger Domviertel geboren und wuchs in Augsburg auf. Seine hohe Bildung, die er auch an seinen Sohn weitergeben konnte, erhielt er durch seine Ausbildung im Jesuitenkolleg. Er besuchte es von 1729 bis 1735, bevor er 1736 nach Salzburg zog. Im Jahr 1741 wurde Giovanni Battista Bassi (1713-1776) zum Kanonikus von St. Moritz ernannt. Der gut vernetzte Gelehrte war einer der profiliertesten Reformtheologen des 18. Jahrhunderts. Er engagierte sich sehr für die Anhebung des Bildungsniveaus im Bistum.

 

Augsburg war im 17. und 18. Jahrhundert eine zentrale Produktionsstätte für Kunsthandwerk im Heiligen Römischen Reich und prägte die gesamte Kunst Süddeutschlands nachhaltig. Besonders die Vielzahl und das effektive Zusammenarbeiten der ausgeübten Kunstberufe machten es zu einem Zentrum des Kunstexports. Augsburg verstand sich als Stadt der Künste und als führende Werkstatt für Kunst im Reich. Zahlreiche Handwerker und Künstler, Agenten und Firmen arbeiteten für den wirtschaftlich zentral gewordenen Zweig des Kunstexports.

Augsburg war seit der Renaissancezeit zur bedeutendsten Goldschmiedemetropole Mitteleuropas erwachsen, die die Städte und Höfe Europas belieferte – geistlich wie weltlich, Katholiken wie Protestanten, aber auch jüdische Synagogen, Zünfte und Privatpersonen. Die Leistungen und die Vielfalt der Augsburger Kunsthandwerker sind unübertroffen. Die Art und Umfang der Aufträge spielten dabei keine Rolle. Das große künstlerische Können und das hohe Niveau lassen sich ganz entscheidend auf die politisch, wirtschaftlich und künstlerisch einzigartige Situation in Augsburg zurückführen. Durch die Parität waren sowohl protestantische als auch katholische Handwerke zugelassen – ein deutlicher Standortvorteil im Vergleich zu Reichsstädten, in denen nur eine Konfession erlaubt war, wie zum Beispiel das rein protestantische Nürnberg. Neben der höheren Zuwanderung gab es zugleich auch mehr Auftragsgeber in der Stadt. Sakrale Schmiedearbeiten konnten von Kirchen und Angehörigen beider Glaubensrichtungen in Auftrag gegeben werden, die direkte räumliche Nähe und manchmal direkte Nachbarschaft steigerte das Konkurrenzdenken und das Repräsentationsbedürfnis.

Die Sonderstellung der Silberhändler und Goldschmiede trug ganz wesentlich zum Ruf und dem Selbstverständnis Augsburgs in der Barockzeit bei. Die Silberhändler waren hierbei für den Kontakt zu den Kunden und Auftraggebern her, die nicht selten gekrönte Häupter waren. Die barocken Höfe hatten eine nie versiegende Nachfrage an Tafel- und Toiletteservices sowie Silbermöbeln. Die Augsburger Goldschmiede genossen bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein einen internationalen Ruf und arbeiteten für Fürsten, Bischöfe und andere europäische Herrscher. Die meisten Auftragsarbeiten waren für den Export vorgesehen, weshalb in Augsburg nur wenige der großen Leistungen verblieben, allerdings in der Regel auch jedes große Kunstmuseum und jede öffentliche wie private Sammlung der Welt Augsburger Kunsthandwerk in seinen Sammlungen besitzt.

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Augsburg war im 17. und 18. Jahrhundert eine zentrale Produktionsstätte für Kunsthandwerk im Heiligen Römischen Reich und prägte die gesamte Kunst Süddeutschlands nachhaltig. Besonders die Vielzahl und das effektive Zusammenarbeiten der ausgeübten Kunstberufe machten es zu einem Zentrum des Kunstexports. Augsburg verstand sich als Stadt der Künste und als führende Werkstatt für Kunst im Reich. Zahlreiche Handwerker und Künstler, Agenten und Firmen arbeiteten für den wirtschaftlich zentral gewordenen Zweig des Kunstexports.

Augsburg war seit der Renaissancezeit zur bedeutendsten Goldschmiedemetropole Mitteleuropas erwachsen, die die Städte und Höfe Europas belieferte – geistlich wie weltlich, Katholiken wie Protestanten, aber auch jüdische Synagogen, Zünfte und Privatpersonen. Die Leistungen und die Vielfalt der Augsburger Kunsthandwerker sind unübertroffen. Die Art und Umfang der Aufträge spielten dabei keine Rolle. Das große künstlerische Können und das hohe Niveau lassen sich ganz entscheidend auf die politisch, wirtschaftlich und künstlerisch einzigartige Situation in Augsburg zurückführen. Durch die Parität waren sowohl protestantische als auch katholische Handwerke zugelassen – ein deutlicher Standortvorteil im Vergleich zu Reichsstädten, in denen nur eine Konfession erlaubt war, wie zum Beispiel das rein protestantische Nürnberg. Neben der höheren Zuwanderung gab es zugleich auch mehr Auftragsgeber in der Stadt. Sakrale Schmiedearbeiten konnten von Kirchen und Angehörigen beider Glaubensrichtungen in Auftrag gegeben werden, die direkte räumliche Nähe und manchmal direkte Nachbarschaft steigerte das Konkurrenzdenken und das Repräsentationsbedürfnis.

Die Sonderstellung der Silberhändler und Goldschmiede trug ganz wesentlich zum Ruf und dem Selbstverständnis Augsburgs in der Barockzeit bei. Die Silberhändler waren hierbei für den Kontakt zu den Kunden und Auftraggebern her, die nicht selten gekrönte Häupter waren. Die barocken Höfe hatten eine nie versiegende Nachfrage an Tafel- und Toiletteservices sowie Silbermöbeln. Die Augsburger Goldschmiede genossen bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein einen internationalen Ruf und arbeiteten für Fürsten, Bischöfe und andere europäische Herrscher. Die meisten Auftragsarbeiten waren für den Export vorgesehen, weshalb in Augsburg nur wenige der großen Leistungen verblieben, allerdings in der Regel auch jedes große Kunstmuseum und jede öffentliche wie private Sammlung der Welt Augsburger Kunsthandwerk in seinen Sammlungen besitzt.

© Christian Schaller

Neben Schmiedearbeiten erreichte auch die Malerei eine neue Blüte. Hauptverantwortlich hierfür war die Gründung und das Wirken der Reichsstädtischen Kunstakademie. Bei ihrer Gründung war sie eine der ältesten ihrer Art in Deutschland.

Ohne die Kunstakademie wäre die Blüte der süddeutschen Barockkunst kaum vorstellbar gewesen, vor allem im Bereich Graphik und Malerei war die Lehranstalt prägend. Die 1670 von Joachim von Sandrart zunächst privat gegründete und 1710 vom Stadtrat neu organisierte Malerakademie wurde in den oberen Stockwerken der Stadtmetzg untergebracht. Die Lehranstalt wurde paritätisch besetzt, besaß also stets einen protestantischen und einen katholischen Direktor, die meist zugleich berühmte Augsburger Künstler waren. Die Akademie wurde zwar 1813 aufgelöst, der heutige Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Augsburg betrachtet sich jedoch als Nachfolger dieser wegweisenden, barocken Institution.

Der ursprüngliche Gründer, Joachim Sandrart, war Protestant, weshalb seine Institutsgründung zunächst auch als Protestantische Akademie bezeichnet wurde. Sie sollte der lerneifrigen Jugend und der Weiterbildung der Künstler dienen. Diese zeichneten wohl gemeinsam nach Vorlagen oder nach lebenden Modellen. Die Schule wurde jedoch nicht nur von Künstlern besucht, sondern auch von Kaufleuten oder Ratsherren. Dies offenbart die gewandelte Wahrnehmung, den der Beruf des Künstlers vollzogen hatte. Unter den Akademiemitgliedern waren durchaus zahlreiche arme Handwerker, der Beruf des Künstlers bot aber mehr als jemals zuvor die Chance auf gesellschaftliche Anerkennung.

© Christian Schaller

Vor allem am Ende des 18. Jahrhunderts und damit den letzten Jahrzehnten des deutschen Barocks etablierte sich der Begriff des „Augsburger Geschmacks“ – ein verächtlicher Ausdruck der Anhänger des Klassizismus für den deutschen Rokoko. Der in dieser Zeit aufkommende klassizistische Stil verstand sich als Gegenprogramm zu Barock und Rokoko und lehnte sich in seiner klaren, reduzierten Formensprache an den griechisch-antiken Tempelbau, teilweise aber auch an die italienische Frührenaissance an. Dieses Geschmacksideal stand den verspielten Schnörkeln und Details sowie den exotisch anmutenden Dekorationselementen des späten Barocks konträr gegenüber.

Die französische Variante des Rokokos wurde vor allem durch Druckgrafiken verbreitet, auf denen die Ornamente und Vorlagen dargestellt wurden. Das Zentrum solcher Stiche und ihres Verlags stellte Augsburg dar. Die Reichsstadt beeinflusste durch ihr Verlagswesen gleichzeitig zahllose süddeutsche Künstler und Baumeister. Berühmte Augsburger Künstler dieser Zeit, die es teilweise sogar zu europa- und weltweitem Ruhm schafften, sind Georg Philipp Rugendas der Ältere (1666-1742), Johann Georg Bergmüller (1688-1762) oder Johann Elias Ridinger (1698-1767). Da es kaum monumentale Bauaufträge in der Stadt gab, verlagerte sich das künstlerische Schaffen in Richtung des Kunsthandwerks, aber auch der Malerei und des Kupferstichs. Um 1750 gibt es in Augsburg 10 Buchhandlungen und 21 Kunstverlage. Zwischen Malern und Kupferstechern bestanden auch oft Kooperationen. Gemälde wurden nachgestochen und verbreiteten sich so in ganz Europa. Hierbei halfen vor allem die technisch herausragenden Druckerpressen. In der Zeit des „Augsburger Geschmacks“ zwischen etwa 1730 und 1770 veränderte sich der Kunsthandel. Die Werke wurden zunehmend unterhaltsam, bürgerlich und fast volkstümlich. Die Händler stammen nicht mehr aus dem Bereich der traditionellen Handwerksberufe, sondern sind immer häufiger ausgebildete Bankiers und Kaufmänner.

Der Aufstieg des Bürgertums und die Kommerzialisierung des Marktes hatten auch Auswirkungen auf die Strahlkraft der Künste. Quantität wurde schleichend wichtiger als Qualität und Kreativität. Die Zahl der Künstler sank bis zum Ende des Alten Reiches merklich. Die Einwohnerzahl Augsburgs am Ende des Alten Reiches wird um die 35.000 geschätzt, konnte also die Bevölkerungszahl vor dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr erreichen. Die Anteile der Konfessionen verschoben sich in dieser Ära der Parität: Im Jahr 1809 wurden 634 Juden, 11.534 Protestanten und 16.944 Katholiken gezählt.

Die Zeit des Barocks gilt bis heute als eine Zeit der Gegensätze. Der höfischen Kultur mit ihrem Luxus, den prachtvollen Festen, Palästen und Kirchen standen oft Krieg, Krankheit und Tod gegenüber, die den Alltag vor allem der einfachen Bevölkerungsschichten prägten. Die Mentalität der Gesellschaft oszillierte zwischen dem Lebensgenuss und dem Todesbewusstsein, dem Diesseits und dem Jenseits und nicht zuletzt durch die Ideale der Aufklärung auch zwischen der äußerlichen Erscheinung und dem inneren Wesen. Die Vergänglichkeit allen Seins im Kontrast zu einem intensiven Lebensgenuss prägte das Leben und die Künste nachhaltig.

Die Zeit zwischen dem Westfälischen Frieden 1648 und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 zeigte auch in der Reichsstadt Augsburg seine epochentypischen Merkmale. Die erfolgsversprechenden wirtschaftlichen und sozialen Neuerungen in der Zeit der Aufklärung finden jedoch gleichzeitig in einer Epoche des politischen Zerfalls und Niedergangs statt. Das 18. Jahrhundert sollte das letzte in der tausendjährigen Existenz des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation werden.

Literatur

– Gottlieb, Gunther / u.a. (Hg.): Geschichte der Stadt Augsburg. Von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Stuttgart 1984.

– Hagen, Bernt von / Wegener-Hüssen, Angelika: Stadt Augsburg. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler in Bayern, Bd. VII.83). München 1994.

– Schülke, Yvonne (Hg.): artguide Augsburg. Kunst-, Kultur- und Stadtführer. Augsburg 2008.

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