Auf den Spuren der Römer in Passau

 

von Sabine Altehage

Seit Juli 2021 darf Passau stolz darauf sein mit dem ca. 600 km langen westlichen Abschnitt des römischen Donaulimes (von Niederbayern bis in den Süden der Slowakei) in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen zu sein. Der Donau-Limes wird damit Teil des transnationalen seriellen Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches“. In dem genannten Welterbe ist das Passauer Stadtgebiet mit 3 Stätten vertreten: den römischen Befunden im Bereich des Klosters Niedernburg, dem spätrömischen Kastell Boiotro und dem spätrömischen Burgus in Haibach.

Römermuseum Kastell Boiotro – Urheber: Stadt Passau, Stadtarchäologie; © mit freundlicher Genehmigung der Stadt Passau, Stadtarchäologie

Die Lage Passaus an den drei Flüssen Donau, Inn und Ilz war bereits vor Tausenden von Jahren ein entscheidender Grund in dieser Gegend zu siedeln. Die Siedler nutzten die Flüsse zu kulturellem und wirtschaftlichem Austausch mit überregionaler Bedeutung. Bereits ab 400-380 v. Chr. gab es ein keltisches Oppidum mit dem Namen „Boiodurum„, das sich vom Dreiflüsseeck bis zur heutigen Nikolastraße ausdehnte. Zentrum war die höchste Erhebung der Altstadt, der heutige Domberg. Aus heute noch ungeklärten Gründen gaben die Kelten diese Siedlung und weitere im Bereich des heutigen Niederbayern 50 v. Chr. auf.

Wie Fragmentfunde u.a. von Terra Sigillata am heutigen Römerplatz und unter der Klosterkirche Heiligkreuz/Passau-Niedernburg bezeugen, errichteten die Römer nach ca. 100 Jahren im o.g. Bereich ein frühes kleines Kastell. Im letztgenannten Bereich befand sich im späten 2. Jh. auch eine zivile Ansiedlung (Fachwerkgebäude, Keller, Feuer- und Herdstellen).

Südlich des Inns, der die Grenze zwischen den römischen Provinzen Raetien und Noricum bildete, erbaute man ca. 90 n. Chr. im Rahmen des Ausbaus des Donaulimes nahe der Innmündung ein weiteres Kastell mit einer Größe von ca. 13.000-14.000 m2. Der Name lautete – wie die zuvor genannte keltische Siedlung – Boiodurum. Dieses Kastell wurde von einem vicus (Zivilsiedlung) umgeben. Der Name findet sich als Boioduro im Itinerarium Antonini, einem röm. Straßenverzeichnis, als auch in der Peutingerschen Tafel.

Karte des 12./13. Jh.s, die auf eine römische Karte des 3. Viertels des 4. Jh.s n. Chr. zurückgeht, © mit freundlicher Genehmigung der Stadt Passau, Stadtarchäologie

Das kleine Kastell samt ziviler Ansiedlung in der Altstadt als auch Boiodurum wurden durch Angriffe der Alamannen im späten 3. Jh. zerstört.

Danach wurde die Verteidigung der römischen Grenze in diesem Bereich neu organisiert: anstelle der ehemaligen Kastelle wurden Festungen gebaut, in denen Militär und Zivilbevölkerung gemeinsam lebten. So entstand im raetischen Teil, im Bereich der heutigen östlichen Altstadt Passaus (Funde zwischen Rathausplatz und Ort), Batavis, eine Festungsstadt mit einer Ost-West-Ausdehnung von mehr als 200 – 300 m und einer Größe von ca. 4 ha. Der Name wird in der Notitia Dignitatum aus dem 5. Jh. genannt. In Batavis war demnach die 9. Bataverkohorte stationiert. Bei Grabungen unter dem Kloster Niedernburg fand man neben anderen Spuren ein 24 x 14 m großes Horreum, ein Speichergebäude, in welchem Getreide gelagert war.

Im späten 3. Jh. bauten die Römer ein weiteres, aber kleineres spätrömisches Kastell in der Innstadt – auf dem Gebiet von Noricum – Boiotro. Von hier aus konnte man den Fährverkehr beobachten, denn der Inn bildete auch die Grenze zwischen den römischen gallischen und illyrischen Zollgrenzbezirken. In der kleinen Festung mit trapezartigem Grundriss und vier fächerförmigen Türmen vermutet man u.a. eine Station des illyrischen Zolls. 

Römermuseum Kastell Boiotro – Außenanlagen und Museum, © Sabine Altehage

Karte des 12./13. Jh.s, die auf eine römische Karte des 3. Viertels des 4. Jh.s n. Chr. zurückgeht, © mit freundlicher Genehmigung der Stadt Passau, Stadtarchäologie

Bei Grabungen 1974 stieß man auf die Originalmauern des Kastells. 1982 wurde auf dem Gelände das Römermuseum Kastell Boiotro eröffnet. Es zeigt archäologische Funde vom Mesolithikum bis zum Ende des röm. Reiches (476 n.Chr.). In dem Museumsgebäude lassen sich an einer Mauer 1700 Jahre Baugeschichte von der spätantiken Kastellmauer bis zur heutigen Zeit ablesen.

 

Römermuseum Kastell Boiotro – Stereoskope mit dreidimensionalen Rekonstruktionen als „Ferngläser in die Vergangenheit“ im Freigelände, © mit freundlicher Genehmigung der Stadt Passau, Stadtarchäologie

Abgesehen von Boiotro ist der in der Spätantike gebaute Burgus in Passau-Haibach das einzige sichtbar enthaltene Bodendenkmal im Passauer Stadtgebiet. Er liegt am südlichen Donauufer ca. 3 km östlich von Boiotro auf dem Gelände der heutigen Kläranlage. Es handelte sich um einen massiven Wachtturm (12 m x 12 m) mit einem umlaufendem 4 m breiten Graben aus der valentinischen Epoche. Dieser gehörte zu einem Ausbauprogramm an der Nordseite des Römischen Reiches: durch eine Kette von Kastellen und Wachttürmen sollte vermutlich die Donaugrenze auch hier besser geschützt werden. Der Turm stand in Sichtkontakt zum Kastell Batavis, erlaubte die Überwachung der Donau als auch der wichtigen südlich vorbeiführenden Donau-Fernstraße.

Anmerkung zum Foto: Bei den Ziegeleinbauten im Innern handelt es sich um Teile der Anlage einer Ziegel- oder Kalkbrennerei aus dem Hochmittelalter.

Spätestens nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches (476 n.Chr.) und als Batavis militärisch nicht mehr zu halten war, verließ ein Großteil der Römer den Passauer Raum. 400 Jahre Vorherrschaft der Römer in dieser Gegend fanden ein Ende.

Burgus in Passau-Haibach – erhaltener Befund, © Sabine Altehage

Doch die Spuren dieser Zeit sind in der Region und Stadt Passau sichtbar! Kommen Sie vorbei und tauchen Sie ein in das Leben vor mehr als 1500 Jahren!

Verwendete Literatur
  • Passau – Teil des Römischen Reiches, Museumsführer RömerMuseum Kastell Boiotro, Jörg-Peter Niemeier, Passau, 2014
  • Geschichte der Stadt Passau im Auftrag des Vereins für Ostbairische Heimatforschung, Verlag Friedrich Pustet Regensburg, 2. erweiterte und aktualisierte Auflage 2003, S. 29-60
  • Bayerische Archäologie, Donaulimes – Die römische Grenze von Eining bis Passau, Verlag Friedrich Pustet Regensburg, S. 39-44Heft 3, 2019
  • Helmut BENDER, Ein spätrömischer Wachtturm bei Passau-Haibach, in: Ostbairische Grenzmarken 24, 1982, S. 55-77
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